Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Google: Werbung für rechts, mit Links
Mehr Welt Medien Google: Werbung für rechts, mit Links
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:21 04.10.2011
Werbung für rechtsextreme Propaganda kann auf einer Webseite erscheinen – auch wenn deren Betreiber ahnungslos ist. Quelle: Screenshot

Ute K. war irritiert: Im Internet war die Leserin einem Bericht dieser Zeitung gefolgt und auf jene Onlinepetition unter www.bewegung-2010.de gestoßen, mit der die Initiatorin Nicole Wolf aus Gifhorn für die Rücknahme der Diätenerhöhung des niedersächsischen Landtags warb. Per Onlinepetition, so das Ansinnen, sollten Unterschriften gesammelt werden. Doch tauchte auf der Seite ausgerechnet Werbung für einen „NPD-Wochenbrief“ auf – Propaganda also der rechtsextremen NPD. Wie seriös war letztlich diese Unterschriftensammlung?

Die Initatorin distanzierte sich in den weiteren Kommentaren umgehend von jeglicher Nähe zur NPD. Sie nutzt für Ihr Ansinnen die Servertechnik von petitiononline.de, einem Dienstleister, der zahlreiche Petitionen europaweit verwaltet und der zur Finanzierung seiner Kosten unter anderem Google-Werbung eingebaut hat. Wie so viele Betreiber von Webseiten nutzt auch petitiononline.de dafür „Adwords“, eine weltweit erfolgreich eingesetzte Software von Google.

Über Adwords finden Anzeigenkunden und Webseitenbetreiber so gut wie vollautomatisch zueinander – ohne dass sie einander kennen oder direkt miteinander in Kontakt treten. Ein Webseitenbetreiber stellt dafür Platz auf seiner Webseite zur Verfügung, das US-Unternehmen füllt diesen Platz mit Anzeigen – in diesem Fall mit Werbung für eine Bank, den Zoo Hannover – und eben die NPD.

Doch warum nimmt Google, dessen Firmenmotto „Don’t be evil“ lautet (in etwa: Mache nichts Bösartiges), überhaupt NPD-Werbung an? „Google ist eine neutrale Werbeplattform“, sagte Google-Sprecher Klass Flechsig auf Anfrage. Das Unternehmen ermögliche „allen in Deutschland rechtmäßig gegründeten und nicht vom Bundesverfassungsgericht verbotenen Parteien“ zu werben, solange sie sich an die Google-eigenen Werberichtlinien für AdWords halten.

In diesen Werberichtlinien ist unter anderem davon die Rede, dass der Anzeigentext keine „anstößigen oder unangemessenen Ausdrücke“ enthalten darf. An der NPD Anstoß zu nehmen, fällt dem Google-Sprecher im Gespräch und auch in einer nachfolgenden schriftlichen Stellungnahme nicht schwer: „Von den Ideologien der NPD distanzieren wir uns entschieden“, teilte Flechsig mit. Jedoch sei politische Werbung als solche zulässig, „und wir sind als Werbeplattform neutral“. Weder der Anzeigentext noch die Website, auf die die Werbung für den NPD-Newsletter führte, verstießen laut Flechsig gegen die Google-Richtlinien.

Eine Sichtprüfung von Anzeigen ist bei Google nur für Sonderfälle vorgesehen: Jede einzelne Anzeige wird zunächst „automatisch“, also von Software, auf bestimmte Begriffe hin untersucht. Erst wenn Inhalte von dem System als „kritisch“ erkannt werden, erfolgt eine manuelle Sichtung und Beurteilung. Ein „Tintenfischmassaker“ könnte durchaus wegen der martialischen Begrifflichkeit für Alarm sorgen (auch wenn es sich lediglich um Werbung eines Restaurants für ein besonders gelungenes spanisches Fischgericht handelt). Wenn es der Betreiber des Werbeplatzes wolle, könne er einzelne Domains wie die der rechten Partei als Werbekunden ausschließen – woran in diesem Fall petitiononline.de offensichtlich nicht gedacht hat. Auf eine entsprechende Anfrage hat das Unternehmen, dessen Internetadresse auf einen Inhaber in Großbritannien zugelassen ist, nicht reagiert.

Schon häufiger war solche NPD-Werbung in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. NPD-Anzeigen waren schon bei „Welt Online“ und den Webseiten einiger anderer Zeitungen wie dem „Südkurier online“ im Netz erschienen und auf Blogseiten von myblog.de. Die NPD-Werbung war vor wenigen Tagen auch Thema im Deutschen Bundestag: Der Konstanzer SPD-Abgeordnete Peter Friedrich nutzte die Fragestunde des Bundestags und wollte von der Budesregierung wissen, wie es die Bundesregierung bewerte, dass die NPD vermehrt Google-Werbung nutze. Ole Schröder, Staatssekretär im Innenministerium, erklärte daraufhin allerdings lediglich zurückhaltend, wie diese Onlineanzeigen zustande kommen.

msc

Der Horror im Paradies: Kabel 1 zeigt die Weltkriegsserie „The Pacific“. Der epische Zehnteiler von Steven Spielberg und Tom Hanks gilt als Favorit für die Emmys 2010.

14.07.2010

Eine neue Facebook-Anwendung soll es vor allem jugendlichen Facebook-Nutzern in Großbritannien einfacher machen, Belästigungen direkt dem Kinderschutz zu melden. Das „ClickCEOP“ genannte Programm kann einfach dem Nutzer-Profil hinzugefügt werden.

13.07.2010

RTL geht auf Kuschelkurs: Mit großem Getöse hat der Sender in Hamburg sein Programm für die neue Fernsehsaison vorgestellt. Man will künftig Harmonie verbreiten – und mit minimalem Aufwand erfolgreich bleiben.

Imre Grimm 12.07.2010