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18:42 27.08.2015
Quelle: Franziska Gabbert/dpa
Hannover

Ob man will oder nicht, den Router gibt es meist zum Internetanschluss dazu. Schließt ein Kunde einen Vertrag mit einem Anbieter, bekommt er die Hardware als "Starterpaket" mitgeliefert. Wer einen anderen Router nutzen möchte, hat oft schlechte Karten. Das will die Bundesregierung nun ändern. Das Wirtschaftsministerium hat dazu einen Gesetzentwurf erarbeitet.

Was soll sich ändern?
Internetnutzer sollen ihren Router künftig selbst aussuchen können. Das stärkt die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen und den Wettbewerb unter den Geräteherstellern, heißt es beim Bundeswirtschaftsministerium. Damit ein Wechsel technisch klappt, sollen die Internetanbieter jedem Kunden unaufgefordert seine Zugangsdaten mitteilen. Rein formal muss für die Neuregelung das Telekommunikationsgesetz geändert werden, damit das Netz künftig an der Dose endet und nicht erst am Router.

Was bringt ein anderer Router für Vorteile?
Wer mit seinem Router zufrieden ist, kann ihn behalten – die Netzbetreiber werden auch weiterhin Geräte anbieten. Es gibt aber auch Kunden, die sich mehr wünschen – zum Beispiel schnelleres WLAN. Die Router unterscheiden sich außerdem in ihren Zusatzfunktionen. Manche bieten eine integrierte Kindersicherung an, andere die Möglichkeit, einen Anrufbeantworter einzurichten und die Sprachnachrichten anschließend per E-Mail an die Eigentümer zu schicken. Generell dürfte das Gesetz mehr Wettbewerb und damit auch mehr Innovation bringen. Künftig könnte der Router also noch viel mehr Funktionen bieten.

Wie ist die Situation bisher?
DSL-Router von Drittanbietern gibt es schon heute im Handel zu kaufen. Die beiden größten DSL-Anbieter in Deutschland, die Deutsche Telekom und 1&1, ermöglichen es ihren Kunden schon seit einiger Zeit, auf einen fremden Router umzusteigen. Vodafone hat sich laut Experten lange schwergetan, die für den Wechsel nötigen Zugangsdaten herauszugeben – öffnet sich aber auch zunehmend. In allen Fällen ist es aber wesentlich einfacher, die firmeneigene Hardware einzurichten. Bisher sperren sich laut Brancheninsidern noch Netzbetreiber wie die deutschen Telefónica-Töchter O2 und Alice. Vor allem aber die Anbieter von Internet aus der Kabelfernsehdose – also in erster Linie Kabel Deutschland und Unity Media – haben bisher noch die volle Kontrolle über ihre Endgeräte. Kabelrouter von Drittanbietern gibt es noch nicht im Handel zu kaufen.

Was halten die Netzbetreiber von dem Vorstoß der Bundesregierung?
Von den meisten kommt Widerstand – vor allem von den Kabelanbietern. So schreibt Kabel Deutschland in einer Stellungnahme: "Anders als beim DSL-Netz ermöglicht im Kabelnetz erst das Modem die Bereitstellung der individuellen Dienste für den Endkunden." Die Anforderungen an ein Kabelmodem seien spezifischer – es müsse deshalb über eine individuelle Firmensoftware konfiguriert werden. Gegen dieses Argument spricht das Beispiel USA – dort haben die 55 Millionen Kabelnetzkunden schon heute die Möglichkeit, einen anbieterfremden Router einsetzen – und das System funktioniert gut.

Ilja Braun vom Bundesverband der Verbraucherzentralen sieht noch einen anderen Grund für die ablehnende Haltung: "Die Kabelanbieter verlieren durch die freie Routerwahl eine Möglichkeit, ihr Zusatzgeschäft zu steuern." Bei Kabel Deutschland ist im Standardinternettarif zum Beispiel nur der Kabelrouter kostenlos dabei. Möchte sich der Kunde zu Hause ein WLAN einrichten, muss er sich den passenden WLAN-Router mieten – das kostet 2 Euro im Monat zusätzlich.

Kann es technische Probleme geben, wenn ich einen Router von einem Drittanbieter anschließe?
Die Leitung und der Router müssen zusammenpassen. Deshalb fordern Endgerätehersteller, dass die Internetanbieter ihre technischen Daten möglichst schnell offenlegen. Nur so könnten auch die Hardwarehersteller passgenaue Geräte entwickeln.

Der Internetanbieter Vodafone ist seinerseits skeptisch, dass die Router von Drittanbietern die gleichen Qualitäts- und Sicherheitsstandards haben. Das neue Gesetz sollte deshalb die Hersteller in die Pflicht nehmen, "eine exzellente Bandbreite und Sprachqualität zu liefern und sicherzustellen, dass Störungen bewältigt werden können", heißt es bei Vodafone. Im Kabelnetz bestünde außerdem die Gefahr, dass ein Gerät angeschlossen wird, das – mutwillig oder nicht – das gesamte­ Netz stört.

Wann kommt das Gesetz?
Der Gesetzentwurf muss noch vom Bundesrat abgesegnet werden und wird dann ins Parlament eingebracht. Wenn es schnell geht, könnte es schon Ende dieses Jahres beschlossen werden. Dann wird den Internetanbietern wahrscheinlich aber noch eine bis zu sechsmonatige Frist eingeräumt, um ihre Technik umzustellen.

Von Anne Grüneberg

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