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00:15 04.02.2014
Von Imre Grimm
Larissa Marolt bei einer Dschungelprüfung am 15. Tag. Quelle: RTL

Und dann gab es doch diesen einen Moment im Dschungelcamp, wo es ernst wurde. Wo mal kurz Schluss war mit den Wendler-Witzen und Larissa-Lästereien, mit dieser ganzen schwülen RTL-Überdrehtheit diesseits und jenseits des Bildschirms. Wo alle mal kurz die Klappe hielten, nicht bloß Tanja Schumann. Es war der Moment, als Winfried Glatzeder (68) Larissa Marolt (21) schubste. Ganz blöd, wenn es acht Millionen Zeugen gibt, und wenn die erbarmungslosen Cutter das Ganze noch mit dräuendem Herzschlag-Bass zur zweitgrößten Krise nach dem Syrienkrieg hochjazzen.

Es war der Augenblick, wo die Sache hätte kippen können. Eine Sekunde, die verriet, wie schmal der Grat zwischen Ernst und Spiel dann doch ist, trotz aller Ironie-Routine. Natürlich, RTL ist groß darin, Dramen zu inszenieren. Es ist der Kern des Formats. Bei jedem Flirt läuft „Careless Whisper“, bei jeder Träne „Lux Aeterna“. Mit den dramaturgischen Tricks der Dschungelcrew kann man auch die Bundespressekonferenz wie eine Sexorgie inszenieren. Aber die erschrockenen Augen der Campkollegen verrieten, dass ihnen bis zu diesem Moment nicht bis ins letzte Detail klar war, was Isoliertheit, Langeweile, Lagerkoller und 500 Kalorien Reis und Bohnen täglich aus Menschen machen können.

RTL mahnte Glatzeder ab. Man ist dünnhäutiger geworden – nicht zuletzt, seit es in der französischen Variante „Koh-Lanta“ 2013 zwei Tote gab: Ein junger Teilnehmer starb beim Tauziehen an einem Herzinfarkt. Der Crewarzt, der mit schweren Vorwürfen zu kämpfen hatte, nahm sich das Leben. Heute Abend nun geht das Finale der achten Staffel von „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ über die Bühne. Die Schlachten sind geschlagen, die Geschichtchen erzählt (Tanja will raus, der Wendler will rein, Larissa will in die Hängematte). RTL molk seine Kuh, bis sie in die Knie ging.

Das war Pech für Tanja Schumann, die doch einfach nur auf RTL-Kosten an der Gold Coast Urlaub machen wollte: Es war mit 17 Tagen und mehreren zweistündigen Shows die längste Staffel ever, ever, ever in diesem Pseudodschungel. Nirgends ist das britische Format – das in Italien, Schweden, Indien, den Niederlanden und den USA längst nicht mehr läuft – zählebiger als in England und Deutschland. Das verrät viel über die Lust der Deutschen, vermeintliche Stars leiden sehen zu wollen. Ein deutscher „Promi“ – ob A-, B-, C- oder Z-Format – ist hier immer erst mal verdächtig. Kann nichts. Weiß nichts.

Die Kandidaten schlucken es. Denn schneller als mit 20 Stunden Livefernsehen vor acht Millionen Zuschauern plus die parasitäre Teilhabe der offiziellen Dschungelcamp-Infobroschüre „Bild“ kann man kaum bekannt werden, wenn Öffentlichkeit die wichtigste Währung ist, wenn man nicht mehr ist als ein Busenwunder mit Herz oder ein Ex-Quizmoderator mit Dalai-Lama-Gen. Es sind nicht die albernen und langweiligen Hirschpenisverköstigungen, die das Format am Leben halten. Es ist die Maskenlosigkeit, die Entlarvung von Unredlichkeiten, die drollige Kluft zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung.

Der Wendler schmeißt nach drei Tagen hin und versteigert sein Dschungel-Outfit bei Ebay? Passt nicht zum aufgeblähten Ego. Der Glatzeder schubst Larissa? Passt nicht zum Selbstbild als allwissender Kosmopolit mit Samtstimme. Und so mauserte sich Larissa, für die das RTL-„Typecasting“ eigentlich die Rolle der zickigen Bratbeere vorgesehen hatte, aus Versehen zur Topfavoritin – weil ihr Kakerlakenkoller eben einfach am interessantesten war („Wenn ich euch nerve, dann habt’s ihr keine Nerven“). Das ist Soziologie im Brennglas.

Die Kritik am Format ist verstummt. Kommerzialisierung des Werteverfalls? Zynische Heldenschlachtung für Voyeure? Folter für die Quote? Die Geschmacksschwellen haben sich unverrückbar verschoben. Zuschauer, Macher und Kandidaten sind zu Komplizen in einem Spiel verschmolzen, dessen Regeln jedem klar sind. Absurd komisch, welche Wichtigkeit ein Nonsens-Titel wie „Dschungelkönig“ in diesem Parallelkosmos erhält. „Der Kampfgeist verändert die Leute“, sagt Larissa. Seine Tochter sei „unverstellt, selbstbewusst, emotional, zerstreut und liebenswert“, sagte Larissas Vater Heinz Marolt – aber „dies alles stets im Bewusstsein, jener Rolle gerecht zu werden, die für sie für das jeweilige Projekt angedacht ist“.

„Jeder muss seinen Beitrag leisten, damit die Zuschauer Spaß haben“, sagt auch Winfried an Tag zwölf – er selbst freilich führte sich auf, als könne nichts schlimmer sein als fünf Tage Verstopfung und 37 Jahre DDR. Am deutlichsten verriet Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi, was ihn ins Camp zog. An die Grenzen gehen? Sich beweisen? Quatsch. Der „Schwachsinn“ hier bringe ihm zwei Eigentumswohnungen, sagte er. „Eine zahl’ ich bar, eine finanziere ich.“ 50 000 bis 120 000 Euro gab’s fürs Durchhalten. Warum sonst blieb die urlaubsreife Tanja bis zuletzt freiwillig?
Es ist gut, dass das Theater jetzt zu Ende ist. Zwei Tage mehr, und man hätte die Brotmesser im Camp verstecken müssen.

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