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Medien Falsche Gewinnmails bringen Paypal in Bedrängnis
Mehr Welt Medien Falsche Gewinnmails bringen Paypal in Bedrängnis
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20:10 07.06.2013
Eine Sicherheitspanne könnte Paypal Milliarden kosten. Quelle: Screenshot
Lübeck/Luxemburg

Wie die Lübecker Nachrichten am Freitag online berichteten, hat das Unternehmen an eine große Zahl seiner Kunden E-Mails mit einem Gewinnversprechen über 500 Euro verschickt. „Schauen Sie gleich mal in Ihrem Paypal-Konto nach, denn dort haben wir Ihnen die 500 Euro gutgeschrieben“, heißt es in der E-Mail. An wie viele Kunden die Gewinnmeldung gegangen ist, ist noch unklar. Gestern veröffentlichte das Unternehmen lediglich eine kurze Stellungnahme auf seiner Facebook-Seite. Darin heißt es nur knapp, dass „einige Kunden“ über einen Gewinn informiert worden seien. Die E-Mail sei aufgrund eines technischen Fehlers versandt worden, denn die Verlosung habe noch gar nicht stattgefunden, lässt Paypal wissen und entschuldigt sich dafür.

Anonyme Quellen im Internet sprechen von 3,5 Millionen Paypal-Kunden, die die Gewinnzusage bekommen haben. Das scheint nicht zu hoch gegriffen: Allein in der Lübecker LN-Redaktion fanden vier Mitarbeiter die E-Mail am Freitagvormittag in ihrem Postfach.

„Sollte das so sein, dann hat Paypal ein Riesen-Problem“, sagt Dr. Boris Wita, Rechtsexperte bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Denn das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) sei in dieser Frage eindeutig: „Ein Unternehmer, der Gewinnzusagen oder vergleichbare Mitteilungen an Verbraucher sendet und durch die Gestaltung dieser Zusendungen den Eindruck erweckt, dass der Verbraucher einen Preis gewonnen hat, hat dem Verbraucher diesen Preis zu leisten“, heißt es unter Paragraph 661a BGB. Wita zufolge handele es sich bei der E-Mail von Paypal „eindeutig um eine Gewinnzusage.“ Mit anderen Worten: Das Unternehmen müsste jetzt allen Empfängern 500 Euro gutschreiben – bei 3,5 Millionen könnte das einen Unternehmensverlust von 1,75 Milliarden Euro bedeuten.

Tochtergesellschaft des Auktionshauses 'Ebay'

128 Millionen Kunden nutzen weltweit das Paypal-Bezahlsystem, etwa 20 Millionen sind es allein in Deutschland. Kunden können Beträge auf ein Paypal-Konto per Kreditkarte oder Überweisung einzahlen und damit sicher im Internet einkaufen. Der Vorteil ist, dass dem Verkäufer das Geld innerhalb von Minuten gutgeschrieben wird, während eine Überweisung mehrere Tage in Anspruch nehmen kann. Die Paypal Corporation mit Sitz im kalifornischen San José wurde 1998 von dem deutschstämmigen US-Investor Peter Thiel gegründet. Für 1,5 Milliarden US-Dollar wurde Paypal 2002 von Ebay übernommen und ist seither eine Tochtergesellschaft des Auktionshauses. Der Europa-Sitz von Paypal liegt in Luxemburg.

Die Antwort, wie Paypal die Lage einschätzt, blieb das Unternehmen am Freitag schuldig. Eine Sprecherin verwies gegenüber den LN auf die kommende Woche, da man derzeit damit beschäftigt sei, „unsere Kunden über den technischen Fehler zu informieren“.

Für Paypal könnte es bereits zu spät sein. Um den Schaden abzuwenden, hätte das Unternehmen nach Einschätzung des Lübecker Rechtsanwalts Michael Marxen, der auf Verbraucherrecht spezialisiert ist, unverzüglich reagieren müssen. „Ein Widerspruch bei Facebook reicht bei weitem nicht aus“, sagt Marxen. Denn es sei kaum vorstellbar, dass davon jeder Mail-Empfänger erreicht worden sei. Paypal hätte auf demselben Versandweg – also per E-Mail – unmittelbar auf die Gewinnbenachrichtigung einen Widerruf schicken müssen. Da der nicht erfolgt sei, bestehe bei den Empfängern jetzt auch ein Anspruch auf den Gewinn – auch wenn es sich nur um eine technische Panne gehandelt hat. Der Verbraucherschutz sei in dieser Frage außerordentlich streng. Die Gewinner könnten die 500 Euro auch einklagen. „Dieser Vorfall könnte auch für ein großes Unternehmen wie Paypal die Insolvenz bedeuten“, sagt Marxen.

Oliver Vogt

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