Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien „Die Himmelsleiter“ - Hoffnung in den Trümmern
Mehr Welt Medien „Die Himmelsleiter“ - Hoffnung in den Trümmern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:47 26.02.2015
Ein kleines Wunder: Anna (Christiane Paul) ist glücklich, dass ihr Mann Adam (Ernst Stötzner) nach vielen Jahren heimgekehrt ist. Kleines Bild: Der Drehbuchautor Peter Zingler. Quelle: ARD
Hannover

Pflegeleicht ist Peter Zingler bestimmt nicht. Er duzt, ohne zu fragen, schon beim ersten Telefonat. Beim nächsten spricht er einen mit „Baby“ an. Zum Treffen kommt er mit Hut, den er auch beim Essen aufbehält. Am Ohr glitzert ein Rubin. Dezenz ist seine Sache nicht. Langweilige Drehbuchautoren gibt es schließlich schon genug. Am Freitag und Sonnabend läuft im Ersten „Die Himmelsleiter“. Der Zweiteiler erzählt die Geschichte einer Trümmerfrau, die im Nachkriegs-Köln versucht, ihrer Familie ein neues Leben aufzubauen. Die Sehnsucht danach wird von der Vergangenheit überschattet. Der verschollen geglaubte Ehemann, ein litauischer Jude, kehrt zurück und fühlt sich doch fremd. Der ehemalige Nazi-Funktionär von nebenan hat schon wieder Oberwasser. Es kommt zu einer entscheidenden Begegnung der beiden, über die die Frau des Alt-Nazis sagt: „Das KZ hat er überlebt, die Russen hat er überlebt. An dir ist er zerbrochen.“

TV-Kritik

Eine TV-Kritik zu „Die Himmelsleiter“

Es ist ein überaus sehenswerter Film geworden, großartig auch die Besetzung mit Christiane Paul, Henning Baum, Axel Prahl und Teresa Harder. Peter Zingler (71) hat das Drehbuch geschrieben. Die Geschichte ist die seiner Kindheit.

Zingler spricht mit rheinischem Singsang. Als er ein Kind war, erzählt er, habe Fringsen zum Alltag gehört. Fringsen war das Synonym für erlaubtes Klauen und Schmuggeln. Kardinal Frings hatte schließlich gesagt: „In schlechten Zeiten ist dies alles erlaubt.“ Der kleine Peter erwies sich beim Fringsen als besonders talentiert. Am Ende des Films ermahnt die Oma den Jungen, der schon wieder das Fahrrad des Briefträgers klauen will: „Die Zeiten ändern sich. Nix mehr mit Fringsen.“

Wohnort: Marokko, Spanien, Sizilien, Jamaica

In der Realität hörte Peter Zingler nicht damit auf. In seiner Vita steht: „Schulabbruch, danach Ein- und Ausbrecher“. Er lebte in Marokko, Spanien, auf Sizilien und Jamaica. Hier und dort saß er in Gefängnissen, insgesamt zwölf Jahre. Irgendwann begann er zu schreiben. Zahlreiche Drehbücher stammen von ihm: für den „Tatort“, „Ein Fall für zwei“, „Der Fahnder“ und andere Filme und Serien. 1993 erhielt er den Grimme-Preis. Heute muss er sich von Redakteuren, die in den Sendern seine Drehbücher bewerten, sagen lassen, dass das Verbrechen, wie er es geschildert hat, unrealistisch sei.

Das müsse man sich mal vorstellen, sagt Zingler: „Woher will der das wissen, dieser fest angestellte Redakteur in seiner öffentlich-rechtlichen Wärmestube?“ Gerade fängt er an, sich richtig aufzuregen, als eine Frau an der Garderobe seine Blicke auf sich zieht. Als sie am Tisch vorbeigeht, fasst Zingler sie ruckartig am Arm. Zwar lässt er sofort wieder los. Doch die Frau ist irritiert. Ob er sie mit jemandem verwechselt habe? Nein. Er dachte bloß, dieser Mantel sei seiner. Ein Zingler lässt sich schließlich nicht beklauen. Teure Mäntel, klärt er später auf, seien im Milieu ein Zeichen für Liquidität.

Zurück zum Film „Die Himmelsleiter“, der so heißt wie die verminten Waldwege, über die er als Kind im Tausch für Kaffee und Essbares Metall nach Belgien geschmuggelt hat. Natürlich freut er sich über die aufwendig gedrehte Produktion von Degeto und Bavaria, auf die sie bei der ARD jetzt ganz stolz sind. Warum aber musste er das Drehbuch zuvor acht Jahre lang anbieten „wie sauer Bier“? Überhaupt, diese Redakteure in den Sendern, deren Klinken er schon alle geputzt hat: „Ich kann gar nicht sagen, was ich von denen halte, ohne dafür wegen Beleidigung dranzukommen.“ Und dann erzählt er von den Tricks, mit denen Drehbuchautoren über den Tisch gezogen würden. Davon, dass Bücher nicht nach ihrer Qualität beurteilt würden, sondern danach, welcher Autor der Liebling des Redakteurs ist. Wie Produzenten versuchten, Drehbücher für kleines Geld abzukaufen, um sie ungestört von den Vorstellungen des Autors umzuschreiben und in Eigenregie umzusetzen.

Das Schwierigste sei aber, überhaupt so weit zu kommen. Meistens, wenn er ein Drehbuch einreiche, höre er nämlich Wochen und Monate lang erst einmal gar nichts. Jede Kiezgröße habe da mehr Anstand, sagt Zingler. Auf dem Kiez würde keiner, der etwas anzubieten hat, derart würdelos hingehalten wie von ARD und ZDF. Die Privaten seien für anspruchsvolle Autoren sowieso uninteressant. Peter Zingler ist eine Type. Man muss ihn nehmen, wie er ist. Zum geschmeidigen Redakteursliebling taugt er nicht. Dafür weiß er, wovon er schreibt, und er scheint auch zu wissen, wovon er spricht.

von Ulrike Simon

Der ARD-Zweiteiler „Die Himmelsleiter“ zeigt den Kampf ums Überleben im kriegszerstörten Köln. Der fast schon zu opulent von Regisseur Carlo Rola in Szene gesetzte Film, beruht auf den Kindheitserinnerungen des Drehbuchautors („Tatort“) und Krimi-Experten Peter Zingler.

26.02.2015

Im Streit um die neuen Facebook-AGB haben die Verbraucherzentralen das Netzwerks abgemahnt. 19 Klauseln der Bedingungen verstießen gegen deutsches Recht. Das Netzwerk weist die Vorwürfe zurück.

26.02.2015
Medien TV-Serie: „Better Call Saul“ - Saul Goodmann, der Experte des Zwielichts

Die Spin-off-Serie „Better Call Saul“ ist humorvoller und weniger düster als „Breaking Bad“. Trotz deutlicher Parallelen wirkt „Better Call Saul“ nicht wie ein billiger Abklatsch. Auf ironische Weise wird unter anderem mit dem Vorwissen des Zuschauers gespielt.

28.02.2015