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13:29 13.02.2015
Von Imre Grimm
Hape Kerkeling und Anke Engelke gehören zu den TV-Stars, die sich aus dem Business zurückziehen. Quelle: Mara Lukaschek

Nee“, sagt Jonas Nay. Er sitzt in der Talkshow „3nach9“, um ihn herum Erfolgsmenschen, strahlend und makellos. Nay könnte einer von ihnen werden, er ist 24 Jahre alt, er gilt als kommender Schauspielstar, gerade hat er großen Erfolg mit dem ZDF-Dreiteiler „Tannbach“ gehabt. Aber er will nicht. „Ich brauche einen Tapetenwechsel“, sagt er, „das ist wichtig für mein Seelenheil.“ Schöne Sache, diese Schauspielerei. Aber auf Dauer? Immer in dieser Blase aus Aufmerksamkeit? „Ich will da raus“, sagt er. Er klingt wie ein Junkie im Methadonprogramm. „Es ist nicht die reale Welt.“ Musik will er jetzt machen. In Lübeck, wo er Jazzpiano an der Musikhochschule studiert, als Filmkomponist. Nicht in Berlin, wo er Jonas Nay ist, der Shootingstar. „In Lübeck kommt die Erdung von ganz allein“, sagt er. „Ich habe mir die Musik bewusst gewählt. Musiker sind ein anderes Volk.“

Das hört sich ganz ähnlich an wie bei Olli Schulz, der zuletzt vom Hamburger Musiker schleichend zum sinnsuchenden Pro7-Entertainer mutiert war. „Wenn ich die Schnauze voll habe vom Fernsehen“, sagt Schulz, „dann mache ich Musik. Dann kehrt man zurück zu dem, was man wirklich liebt.“

Schnauze voll. Das kennt man aus jedem Beruf, dass einer mal mit der Profession hadert. Bei Showstars klingt es schnell kokett. Zuletzt aber häuften sich die Fälle von TV-Kreativen, die im Aufwind einer stabilen Karriere dem Glamourmedium den Rücken kehrten, weil es ihnen nicht die Freiheit gibt, die sie brauchen:

Olli Schulz (40), weithin geliebt für schrullige Klugheit, hat nach allerhand Clownereien für „Circus HalliGalli“ und grüblerischen Welterkundungen für die feine Pro7-Reihe „Schulz in the Box“ seinen TV-Abschied angekündigt. „Ich bin seit 15 Jahren Musiker“, schrieb er bei Facebook, „und es wird Zeit, den Job, den ich so sehr liebe, mal wieder mit Herzblut auszuführen."

Kurt Krömer („Krömer Late Night“) – bürgerlich: Alexander Bojcan (40) – irritierte nach zwölf Jahren in Diensten des RBB jüngst mit der Ankündigung, er habe sich „entschlossen, ab 2015 meinen künstlerischen Schwerpunkt ausschließlich auf die Bühne zu verlagern“. Der Doppeleinsatz sei nicht mehr vereinbar mit dem Wunsch, dem Publikum „Substanz anzubieten“, sagt er. Und deshalb: „Macht‘s jut, Nachbarn!“

Anke Engelke (49) zieht sich schleichend zurück, will nach ihrem Erfolg im Film „Frau Müller muss weg“ künftig mehr Kino machen. Sie hat angekündigt, dass die achte Staffel ihrer Sat.1-Sketchcomedy „Ladykracher“ die letzte war.

Hape Kerkeling (50) will nur noch schreiben. „Mit 50 ist Schluss mit dem Fernsehen, ohne jede Wehmut“, hat er schon vor Jahren gesagt – und das Versprechen an sich selbst jetzt eingehalten. „Ich will mir nicht dabei zusehen, wie ich vor der Kamera altere.“

Janine Steeger (38) – jahrelang das Gesicht der RTL-Boulevardsendung „Explosiv“ – hat gerade bei ihrem Sender gekündigt. „Um wieder vollends glücklich zu sein, muss und werde ich mich beruflich verändern“, schreibt sie in ihrem Blog. „Viele Menschen können gar nicht nachvollziehen, dass man eine sichere Festanstellung als Moderatorin bei Europas größtem Privatfernsehsender freiwillig aufgibt“, meint sie. Aber: Sie wolle sich künftig „relevanten Inhalten“ widmen – und ihre Familie wieder öfter sehen.

Auch MDR-Gesundheitsexpertin Franziska Rubin (46) verlässt das Fernsehen. Die studierte Ärztin gibt im Juli nach fast 17 Jahren die Sendung „Hauptsache gesund“ ab. „Es ist der richtige Zeitpunkt“, sagt die gebürtige Hannoveranerin. Sie will mit ihrer Familie nach Australien ziehen, in die Heimat ihres Ehemannes. Weiter weg vom deutschen Fernsehen geht es nicht.

Traditionell ist vielen Fernsehschaffenden eine tiefe Hassliebe zum eigenen Medium zu eigen. Vor allem kantigere Künstler, die sich dem gesellschaftlichen Trend zum Konsensualen verweigern, wird die allgemeine Bedenkenträgerei der Branche zunehmend fremd. Nicht nur Stars, auch TV-Mitarbeiter sehnen sich im Einzelgespräch nach Freiheit und Experimenten. Im auf Sicherheit setzenden System aber sind Herzblutprojekte nicht vorgesehen. Massenmedien, die Massenbedürfnisse zu befriedigen haben, pflegen eine konsequente, angstgesteuerte Charakterlosigkeit. Folge: Dem klassischen Fernsehen gelingt es immer seltener, Begabungen an sich zu binden. „Auf zwei Leute, die sich Ideen ausdenken, kommen gefühlt zweihundert, die dafür zuständig sind, sie zu verhindern“, sagte der Medienkritiker Stefan Niggemeier nach einem Selbstexpriment als Autor bei der „Echo“-Verleihung in der ARD. „Es ist eine Kreativitätsvernichtungsmaschine. Ideen sind die Wasserschildkrötenbabys der Showproduktion.“

Zwangsläufig bringt penetrante mediale Präsenz Herausforderungen an die Persönlichkeit mit sich. „Das macht etwas mit dir, ganz klar“, sagt einer, der Livefernsehen eher als kreativen Turbolader empfindet: Stefan Raab. Er kennt die „Spaßbefreiten, die sich beleidigt fühlen, wenn man mal drei Witze macht“, zur Genüge. Sein Überlebensmittel: Er forscht gar nicht erst lange nach Sinn und Tiefe. „Es ist nur Unterhaltung“, sagt er. „Ich mache, was mit Spaß macht.“ Und Punkt.

„Ich verlasse eine Welt, in der ich nie richtig war“, sagte Olli Schulz am Montagabend in einer der letzten Ausgaben von „Schulz in the Box“. Er sprach über die Après-Ski-Partyszene. Aber es klang, als spreche er übers Fernsehen.

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