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Medien „Chatter“ will auf dem Markt der People-Magazine mitmischen
Mehr Welt Medien „Chatter“ will auf dem Markt der People-Magazine mitmischen
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19:29 16.07.2010
„Mal glücklich, mal traurig, mal dicker, mal dünner“: Brad Pitt und Angelina Jolie sind die Lieblingsobjekte der Klatschindustrie. Quelle: afp

Das ist wirklich unerhört. Angelina Jolies ganzes Leben ist eine Lüge! Ausrufezeichen. So titelte vergangene Woche die erste Ausgabe des neuen 50-Cent-Klatschblättchens „Chatter“ aus dem Hause Burda. Drei Seiten widmet das neue People-Magazin der US-amerikanischen Schauspielerin, belegt Jolies „unglaubliche“ Methoden zur Steigerung ihrer Beliebtheit mit der Gegenüberstellung von „Was sie sagt“ und „Was sie tut“ – und reißt dabei die Beispiele völlig aus dem Zusammenhang.

Aber es geht ja gar nicht darum, was wirklich ist. Der Gattung People-Magazin geht es um Unterhaltung, um Klatsch und Tratsch, um das, was an jedem Gartenzaun betrieben wird. „Klatsch hat es immer gegeben, erst war die höfische Welt interessant, nun sind es die Stars aus Film und Fernsehen“, sagt Prof. Gunter Reus vom Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. „Das ist eine andere, schöne Welt, in der es aber auch Streit und Scheitern gibt – die Menschen sehen ihre eigene Lebenswirklichkeit gespiegelt“, sagt Reus.

Um dieses Bedürfnis nach Klatsch zu befriedigen, hat das Verlagshaus Burda, das mit der „Bunte“ bereits ein erfolgreiches Blatt in diesem Segment führt, jetzt das wöchentliche Heft „Chatter“ auf den Markt geworfen: zum Kampfpreis – mit 50 Cent knapp 1,30 Euro günstiger als vergleichbare Hefte – und etwas gewöhnungsbedürftig in der Aufmachung. Knapp 40 Seiten hat das Heftchen, gedruckt auf Zeitungspapier, mit fetten Überschriften und vielen Ausrufezeichen. Dazu gibt es noch ein Hochglanzbeiheft namens „Star Style Weekly“ mit Starmode zum Nachmachen. Inhalt sind Gerüchte, Mutmaßungen und eben Dinge, die man gern im Wartezimmer liest. Und es geht viel um die Figur: Heidi Klum ist zu dick, Heike Makatsch zu dünn, J.  Lo nimmt Diätpillen, und Kate Moss hat ein Buddha-Bäuchlein. „Chatter“-Chefredakteur Boris Hächler, der vorher beim Konkurrenzblatt „Intouch“ tätig war, sagt dazu: „Wir zeigen authentische Stars. Und die sind – wie jeder von uns – mal glücklich, mal traurig, mal dicker, mal dünner, mal toll angezogen, mal ein bisschen weniger gut.“

Doch wie zeigt man die angebliche Lebenswirklichkeit der Stars, wenn die abgeschirmt Tausende Kilometer entfernt wohnen? „Wir bemühen uns, mit den Stars möglichst in direkten Kontakt zu treten, aber natürlich sind wir auf Informationen angewiesen, die nicht unmittelbar von den Stars selbst kommen“, windet sich Hächler tapfer. „Das gehört zum Wesen des Klatschs dazu.“ Und so zitieren „Chatter“ und viele andere People-Magazine zur Untermauerung der Geschichten munter „Insider“ und „enge Vertraute“ – eine genauere Quellenangabe fehlt meist.

„Ich habe den Verdacht, dass vieles, was in diesen Magazinen geschrieben ist, ausgedacht ist“, sagt Experte Reus. Oder die Wahrheit ist zumindest gedehnt, und Quellen sind großzügig ausgewählt. „Das ist nicht seriös, denn seriöser Journalismus muss die Quellen angeben.“ Doch den Leser interessiert es ohnehin nicht, woher die Geschichte kommt – und ob sie stimmt. „Da wird einfach ein Unterhaltungsbedürfnis befriedigt“, sagt Reus. Und so interpretieren die People-Magazine gerne abstruse Geschichten in Paparazzifotos hinein – so wird aus der kleinen Suri, der Tochter von Tom Cruise und Katie Holmes, mal eben ein bockiger Quälgeist („Chatter“, Heft 1). Der Beweis: ein Foto, auf dem die Vierjährige den Mund verzieht. Die Quelle: ein „Insider“. Erst kürzlich klagte Lindsay Lohan: „Wenn ich mir die Hand vor Mund und Nase halte, heißt es gleich, ich wäre schwer verkatert.“

Mit „Chatter“ will Burda im wachsenden Markt der People-Magazine mitmischen. Zwischen die traditionelle, inzwischen fast 60-jährige „Bunte“ und das Hochglanzmagazin „Gala“ (Gruner + Jahr) haben sich in den vergangenen Jahren einige Newcomer gemischt: Seit 2005 gibt es „Intouch“ (Bauer), der der Verlag 2008 noch „Life & ­Style“ hinterherschickte. Der Medienkonzern Klambt leistet sich mit „OK! Deutschland“ (seit 2008), „in – Das Star-Magazin“ sowie „Grazia“ (seit 2010) gleich drei Titel, die sich mit den Problemchen der Prominenz beschäftigen.

Und das hat Erfolg: „Life & Style“ steigerte die verkauften Exemplare vom ersten Quartal 2009 (126.000) auf etwa 142.000 im ersten Quartal 2010. Ebenso das Heft „OK!“, das im ersten Quartal 2010 knapp 45.000 Hefte mehr absetzte als im Vorjahreszeitraum.

Und wo sieht „Chatter“ da seinen Platz? Hächler bezeichnet den neuen Wurf als „Klatsch und Tratsch to go“, als „schnellen und sehr preiswerten Newskonsum aus der Welt der Stars“. Das Heft zu bewerben, lässt sich Burda einiges kosten: Das Bruttowerbevolumen für die vierwöchige Einführungskampagne beträgt 3,6 Millionen Euro. Zunächst soll es einen Testlauf von „einigen Wochen“ geben, dann wird entschieden, ob „Chatter“ eine Zukunft hat. Im TV-Spot wirbt das neue Heft mit dem Slogan „Alles, was Stars nicht über sich lesen wollen“ – fragt sich, ob die Verbraucher es denn wollen.

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