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Medien Breitbart macht Podolski zu afrikanischem Flüchtling
Mehr Welt Medien Breitbart macht Podolski zu afrikanischem Flüchtling
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16:45 20.08.2017
Kein Flüchtling: Breitbart-Story mit Lukas Podolski. Quelle: adi
New York

Lukas Podolski ist alles Mögliche: Fußballerlegende, begnadeter Rhetoriker („So ist Fußball: Manchmal gewinnt der Bessere“), bessere Hälfte, Freizeitkarnevalist, Sympathieträger, Stimmungskanone. Mit ziemlicher Sicherheit aber ist er eines nicht: ein nordafrikanischer Flüchtling.

Mit lästigen Spitzfindigkeiten wie journalistischem Ethos, Wahrheitssuche und Fairness aber hält sich ein rechtsextremistisches Fake-News-Portal wie Breitbart nicht lange auf: Die Webseite unter dem Regiment des am Freitag von US-Präsident Donald Trump geschassten Rechtsauslegers Steve Bannon hat eine Geschichte über Schlepperbanden im Mittelmeer mit dem ehemaligen deutschen Nationalspieler illustriert.

Feixender Podolski mit Sonnenbrille

„Spanische Polizei zerschlägt Bande, die Flüchtlinge per Jetski übersetzt“ lautet die Schlagzeile, die am Sonntag noch auf dem Portal zu finden war. In der Story geht es um Schlepper, die Nordafrikaner für 5000 Euro pro Person per Jetski von Marokko nach Spanien übersetzen. Die spanische Polizei habe eine Bande ausgehoben, die die 18 Kilometer schmale Meerenge von Gibraltar als Fluchtroute genutzt habe.

Auf dem Foto dazu ist ein feixender Podolski mit Sonnenbrille und zum Victory-Zeichen gespreizten Fingern auf dem Rücksitz eines Jetskis zu sehen. In Wahrheit stammt das Bild von der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.

Ein Zeugnis allgemeiner Doofheit

In der Geschichte werden wesentliche Fragen nicht beantwortet: Ist Podolski so unglücklich bei seinem neuen Verein Vissel Kōbe in der japanischen J1 League, dass er sich per Jetski nach Spanien bringen ließ? Erkennen Breitbart-Redakteure Fußball-Weltstars nicht, weil sie nur Rhönradfahren und Speerwerfen gucken? Und warum sollten nordafrikanische Flüchtlinge einem Jetski-Chauffeur 5000 Euro zahlen, wenn ein eigener Jetski die Hälfte kostet?

Die Kommentarspalte bei Breitbart unter der Story und dem Podolski-Bild ist ein trauriges Zeugnis für Manipulierbarkeit, Oberflächlichkeit, vorurteilsbefeuerten Volkszorn und allgemeine Doofheit: Da empören sich Breitbart-Leser darüber, dass sich „Flüchtlinge“ teure Sonnenbrillen und „Marken-Sportklamotten von Nike“ leisten könnten. Tatsächlich trägt Podolski unter seiner Schwimmweste ein Trikot der deutschen Nationalmannschaft – und zwar von Adidas.

Auf korrigierende Einwürfe, es handele sich um einen „german soccer player“, reagierten einzelne Breitbart-Anhänger trotzig: Das sei doch nur eine Illustration! Nirgends stehe, dass das Foto einen Schlepper zeige!

Podolski hat einen Anwalt eingeschaltet

Podolski will sich die Verwendung seines Fotos nicht gefallen lassen. Wie sein Berater gestern bestätigte, beauftragte Podolski einen Anwalt mit der Angelegenheit. Eine Klage vor einem US-Gericht könnte für Breitbart teuer werden. Wohlweislich verzichtete die sogenannte Redaktion des Portals darauf, in einer Bildunterschrift eine Verbindung von Podolski zu der Schlepperbande herzustellen – und tauschte das Motiv aus. Der Kontext, in dem das Bild erschien, dürfte aber eindeutig sein – und justiziabel.

Breitbart wurde 2007 gegründet und wurde zum publizistischen Sammelbecken der sogenannten „Alt-Right“-Bewegung. Unter diesem beschönigenden Label arbeiten US-Nazis daran, zur Massenbewegung zu werden – unterstützt von einem Präsidenten, der ihre Taten verharmlost, Teile ihrer Ansichten teilt und wenig bis nichts tut, um den wachsenden Riss durch die US-Gesellschaft zu kitten. Das Portal hat seinen Hauptsitz in Los Angeles sowie Niederlassungen in Texas, London und Jerusalem.

„Ich habe die Finger wieder an den Waffen“

Breitbart-Gründer Andrew Breitbart starb 2012 mit 43 Jahren an einem Herzinfarkt. Von 2012 bis 2016 leitete Steve Bannon die Webseite, bevor Donald Trump ihn zum Sicherheitsberater ernannte. Nach seinem Rauswurf am Freitag kehrte er als Chef zu Breitbart zurück und kündigte an, publizistisch für die politischen Ziele von Trump kämpfen zu wollen: „Jetzt habe ich die Finger wieder an den Waffen. Ich verlasse das Weiße Haus und ziehe für Trump gegen seine Widersacher in den Krieg.“

Noch vor wenigen Monaten sah sich Breitbart im Windschatten von Trumps Wahlerfolg als nächstes großes Mediending. Das liberale Amerika dämonisierte Breitbart werbewirksam als publizistischen Satanismus. Und mit 45 Millionen Besuchern und zwei Milliarden Seitenaufrufen im Monat zog Bannons Baby im Januar dank seines strammen Anti-Clinton-Kurses als Nummer 43 der meistbesuchten US-Seiten an Fox News (Platz 47), „Huffington Post“ (50), „Washington Post“ (53) und Buzzfeed (64) vorbei.

Doch inzwischen sieht die Sache anders aus. Laut „Vanity Fair“ hat das Sprachrohr der extremen Rechten massiv an Kundschaft verloren: Breitbart sackte im Frühsommer auf Platz 281 ab. Die Pläne für eine weitere Europa-Expansion liegen seit Monaten auf Eis. Auch von einem deutschen Breitbart war länger nichts mehr zu hören, seit die „Titanic“ im Februar den früheren „Spiegel“-Mann Matthias Matussek und andere Journalisten in einem Telefonstreich für Breitbart anzuwerben versuchte.

Von Imre Grimm

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