Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Auftritt des letzten Gentlemans
Mehr Welt Medien Auftritt des letzten Gentlemans
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
11:08 13.06.2013
Ein bisschen wie Sherlock Holmes: Versteckt unter Hüten nähern sich Christopher Tietjens (Benedict Cumberbatch) und Valentine Wannop (Adelaide Clemens) an. Quelle: dpa
Straßburg

„Für einen Gentleman hat nur eine Sache Bestand, nenn’ es Parade", sagt Benedict Cumberbatch als Christopher Tietjens in der britischen Mini-Serie „Parade’s End". In diesem kryptischen Satz steckt eine ganze Lebenseinstellung: Die paradenhafte Zurschaustellung von Haltung ist das oberste Gebot für diese Figur, auch wenn die Ehefrau fremd geht und die Welt im Chaos versinkt. „Parade’s End" – Arte zeigt am Freitag die letzten drei Teile in Folge – spielt am Vorabend und zu Beginn des Ersten Weltkrieges. Während das viktorianische Zeitalter zerbröckelt, kämpft der Protagonist der Serie um seine Façon: Der 36-jährige Cumberbatch spielt diesen Adligen, als sei er mit durchgedrücktem Kreuz, regungslosem Gesichtsausdruck und dieser leicht snobistischen Sprechweise zur Welt gekommen.

Das liegt vielleicht daran, dass Cumberbatch die Rolle des Einzelgängers, dessen Markenzeichen britische Überheblichkeit („Ein überlegener Geist muss sich bisweilen am Durchschnitt testen") und ein leichter Hang zum Autismus sind, in all seinen prominenten Filmprojekten spielt: Ob als Bösewicht mit eiskaltem Blick im aktuellen Kinofilm „Star Trek – Into Darkness" oder als Sherlock Holmes in der modernenen BBC-Verfilmung nach den Romanen von Arthur Conan Doyle. Mit dieser Fernsehreihe wurde Cumberbatch bekannt, im Herbst läuft die dritte Staffel an, eine vierte ist trotz der vollen Terminkalender von Cumberbatch und Martin Freeman („Der Hobbit") alias Watson geplant.

„Ich halte mich von Gefühlen fern, ich bin besser in allem – allein. Allein ist, was ich habe. Allein beschützt mich", sagt Sherlock Cumberbatch, Watson hatte ihn als Maschine bezeichnet, weil sein Detektivgefährte keine Regung zeigt, als seine Haushälterin Mrs. Hudson nur knapp einem Anschlag entgeht.

Lauter „Cumberbitches“ hier

„Wie ein Jaguar, der sich in einem Cello versteckt" – mit diesen Worten wird das Timbre in der Stimme des Schauspielers auf einem Fanportal beschrieben. Seit Cumberbatch in die Baker Street Nummer 221B einzog, hat er Groupies um sich geschart, die sich „Cumberbunnies" oder „Cumberbitches" nennen, einen eigenen Twitter-Account haben und gar Vertreterinnen in britische Talkshows entsenden. (Der Schauspieler selbst hat sich über die wenig feministische Selbstbezeichnung seiner Fans Gedanken gemacht und als Alternative „Cumberbabes" vorgeschlagen.)

Anders als bei Brad Pitt & Co. erklärt sich Cumberbatches Sexappeal nicht mit Sixpack und schönem Gesicht, sondern mit der Gleichsetzung von Schauspieler und Rolle in der Wahrnehmung der Anhängerinnen. Sie werden angelockt vom Geheimnis des Getriebenen und Unnahbaren. Prototyp für diesen männlichen Helden ist Mr. Darcy aus Jane Austens Roman „Stolz und Vorurteil", der Elizabeth Bennett zunächst den Tanz beim Ball verwehrt. Dass die beiden am Ende dennoch zueinander finden, hat Generationen von Romantikerinnen Hoffnung gelehrt.

Auch Benedict Cumberbatches Rollenfiguren sind nicht ganz so gefühllos, wie sie auf den ersten Blick scheinen: In „Parade’s End" verliebt er sich in eine Frauenrechtlerin, in „Star Trek" wird er aus Sorge um seine Familie zum Terroristen. Und als Sherlock Holmes sagt er zu Watson: „Ich habe keine Freunde, nur einen."

Die Sehnsucht nach Parade, nach Haltung, drückt sich auch im Erfolg von Fernsehserien wie „Downtown Abbey" aus, die ebenfalls zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielt und die alte Weltordnung der sich in Konservation übenden Adligen und der arbeitenden Bediensteten porträtiert. Wie in „Parade’s End" gerät das alte System ins Wanken. Wie die historischen Brüche diese Fernsehserien so interessant werden lassen, so sind es die Brüche im Wesen der Hauptfigur, die die Anziehungskraft von Benedict Cumberbatch alias Christopher Tietjens für seine Fans ausmachen.

Sylvia (Rebecca Hall), Cumberbatches Filmehefrau in „Parade’s End", seufzt einmal: „Ich möchte ihn rühren, zu einer Reaktion bewegen." Das Schmelzen des Eisberges ist eins der ältesten Liebesmotive, vom Groschenromanen bis zur anspruchsvollen Arte-Serie.

Nina May

Der Sänger Rea Garvey wird bei der dritten Staffel der Casting-Show „The Voice of Germany“ nicht mehr als Coach und Juror mitmachen. „Rea kann leider in diesem Herbst nicht dabei sein“, bestätigte eine Sat.1-Sprecherin am Mittwoch einen Bericht des Magazins „In“.

12.06.2013
Medien NDR stellt Comedy ein - Stefanie macht den Laden dicht

Deftig, trocken, norddeutsch: Die Kultsendung "Frühstück bei Stefanie" begeistert seit fünf Jahren die Zuhörer von NDR 2. Am Freitag läuft die letzte von über 1000 Folgen - im stilechten Schlemmer-Bistro.

12.06.2013
Medien Bertelsmann gibt Lexikonsparte auf - Der Brockhaus hat ausgedient

Ob Lernhilfen für Schüler, Weltliteratur als Comic oder der klassische Regalfüller Brockhaus-Lexikon: Nichts hat den Verlag retten können. Jetzt will Eigner Bertelsmann den Brockhaus langsam sterben lassen.

12.06.2013