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18:29 16.06.2013
Geschichts-Doku in der ARD: "Der Aufstand vom 17. Juni 1953". Quelle: rbb/Gerhard Treblegar/Schmidt & Paetzel Fernsehfilme
Hannover

In Massen strömten Menschen auf die Straße, sie winkten und trugen Plakate, manche hakten sich unter. Doch die hoffnungsvolle Stimmung wich ungläubigem Entsetzen, als sowjetische Panzer auffuhren. „Es war ein Aufstand von Namenlosen, die mutig waren“, sagt der frühere DDR-Bürgerrechtler Jens Reich in die Kamera. Er ist einer der Zeitzeugen, die in der Dokumentation „Griff nach der Freiheit“ von Andreas Christoph Schmidt und Artem Demenok zu Wort kommen.

Der Streifen wird pünktlich zum 60. Jahrestag des gescheiterten DDR-Volksaufstandes am 17. Juni in der ARD gezeigt. Der 45-Minuten-Film beleuchte auch bislang wenig bekannte Aspekte, sagt Filmemacher Schmidt vom RBB (Rundfunk Berlin-Brandenburg). So ist zu sehen, wie sich in mehreren Orten Menschen vor Gefängnissen versammeln und auf die angekündigte Freilassung von Gefangenen warten - jedoch nichts passiert. Ins Blick gerückt wird auch, dass Streiks und Unruhen schon in den Tagen vor dem 17. Juni 1953 begannen und sich bei weitem nicht auf Berlin beschränkten. Auch in ländlichen Regionen gärte es.

TV-Tipp

"Der Aufstand vom 17. Juni 1953", am Montag, 17.06. um 23:45 Uhr in der ARD

Historiker gehen davon aus, dass am 17. Juni eine Million Menschen in rund 700 DDR-Orten demonstrierten. Aus sozialen Protesten und Unzufriedenheit gegen die Erhöhung der Arbeitsnormen waren politische Forderungen nach Freiheit und Demokratie geworden. Doch es kam auch zu Ausschreitungen, wie die Bilder zeigen. Stasi-Dienststellen wurden gestürmt, Kioske in Brand gesteckt, Funktionäre verprügelt. Das lieferte der SED auch einen Vorwand zum harten Durchgreifen. Mit militärischem Ausnahmezustand und Panzern wurde der Protest niedergeschlagen. Die SED-Führung unter Walter Ulbricht sei dabei nicht mehr als eine Marionette der sowjetischen Besatzungsmacht gewesen, hieß es. Nach dem gescheiterten Aufstand wurden massenhaft Urteile gegen Aufständische vollstreckt. Manche verschwanden für Jahre in den Gefängnissen – „nur weil sie nicht abschworen“, wie der heutige Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, sagt. Der damals 15-Jährige erlebte den 17. Juni 1953 bei einer riesigen Demonstration in Bitterfeld (heute Sachsen-Anhalt). „Ein Funke genügte und tausende von Arbeitern strömten zusammen.“

Für ihn mache der Film deutlich, dass Deutsche gegen eine Diktatur vorgehen könnten, meint der heute 75-Jährige. Staeck flüchtete mit 18 Jahren aus der DDR. Zur damaligen Ankunft im Westen sagte er: „Wir waren nicht willkommen.“ In der DDR offiziell totgeschwiegen, wurde der 17. Juni in der alten Bundesrepublik als Tag der deutschen Einheit gefeiert. Das sei verlogen gewesen, empört sich Staeck noch heute. Die Brüder und Schwestern im Osten nicht im Stich zu lassen – diese Sprüche westdeutscher Politiker seien wohl gar nicht so gemeint gewesen, so Staeck.

Die Fernsehdokumentation punktet neben den zahlreichen Zeitzeugen mit bislang wenig bekannten Bildern sowie schnörkellosen Kommentaren. Nur die unterlegte Musik kommt eine Spur zu pathetisch daher. Unklar bleibt auch, warum ein informativer, sehenswerter Film, der gerade junge Menschen erreichen sollte, an einem solchen Gedenktag erst um 23.45 Uhr anläuft. Immerhin: Die ARD widmet den ganzen Abend dem Thema DDR. Um 20.15 Uhr wiederholt das „Erste“ den Zweiteiler „Der Turm“ nach dem Roman von Uwe Tellkamp.

dpa

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