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10:58 20.09.2014
Von Imre Grimm
Format erfolgreich: 10 Jahre Bundesvision Song Contest. Quelle: dpa
Hannover

Am Anfang war der Zorn, und der Zorn war mächtig, und es wuchs eine Idee aus diesem Zorn, denn Enttäuschung ist für Stefan Raab noch immer die beste Motivation. Es ist der 16. Mai 2004 in Istanbul, 1.40 Uhr am Sonntagmorgen. Raab steht übernächtigt neben einer türkischen Mehrzweckhalle und trinkt Cola aus der Dose. Im Hintergrund telefoniert Max Mutzke. Gerade ist er mit Raabs Titel „Can’t Wait Until Tonight“ beim Eurovision Song Contest Achter geworden – geschlagen von der geschlossenen Phalanx der Osteuropäer. Die Siegerin: die ukrainische Federtänzerin Ruslana.

 Man hatte sich mehr erhofft. „Ich wäre schon gern unter die ersten fünf gekommen“, sagt er. Raab gibt sich munter: „Ralph Siegel hat nur ein Klavier, ich habe einen ganzen Sender!“ Und frühmorgens, auf der After-Show-Party des Teams, wird der Plan geboren: Dann machen wir’s selbst. 16 Bundesländer. 16 Kandidaten, Abstimmung wie gewohnt. Schon praktisch, wenn man Carte blanche bei einem Sender hat.

Zehn Jahre alt wird der „Bundesvision Song Contest“ heute. „Tradition?“, feixt Raab – „man kann schon von Brauchtum sprechen.“ Die Jubiläumsausgabe geht nach dem Sieg des Niedersachsen Bosse 2013 in der Lokhalle in Göttingen über die Bühne. Mit dabei: Hip-Hop, Weltschmerz, namhafte Stars wie Revolverheld, Marteria und Andreas Bourani, aber auch Frischlinge. Und: Max Mutzke, mit dem alles begann. Die Musikindustrie nimmt das Spektakel gerne mit. „Hauptsache Promo“, sagt der Hamburger Rapper Flo Mega. „Das ist ein nicht zu unterschätzender Aspekt dieser Veranstaltung“, sagt Raab, der sich wohlfühlt als Pate des deutschen Musiknachwuchses. „Viele Karrieren sind durch uns beflügelt worden.“

Und es stimmt ja: Der Wettbewerb – liebevoll zu „BuViSoCo“ verknappt – ist die letzte echte Fernsehrampe für den deutschsprachigen Popnachwuchs. Das Musikfernsehen ist mausetot. Das ZDF hat sich schon lange aus dem Gegenwartspop verabschiedet. In der ARD singt Inka Bause „Can’t Get You Out of My Head“ von Kylie Minogue. Und ansonsten räumt man höchstens noch für Andreas Gabalier oder Helene Fischer Sendeplätze frei. Einmal jährlich gibt’s im Ersten zwar den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest (ESC). Dort aber ist Deutsch keine Pflicht und der musikalische Konsens viel zu wichtig, um Wagnisse einzugehen. Die ARD fand’s nicht nur lustig, dass sich Raab damals keck den Namen und Prozedere der Show klaute. „Die Veranstaltungen werden oft verwechselt“, sagt Raab. „Viele glauben, dass unser Sieger zum ESC fährt. Aber beides sind illustre Veranstaltungen, die ihren Platz haben.“

Mit Ausnahme der Veteranen von Subway to Sally – die 2008 beim BuViSoCo in Hannover siegten – waren alle raabschen Sieger mehr oder weniger junge Künstler, denen sich gerade erst die Türen geöffnet hatten – von Juli (2005) und Seeed (2006) bis Oomph! (2007), von Peter Fox (2009), Tim Bendzko (2011) bis Xavas (2012) und Bosse (2013). Und selbst der Sieg von Unheilig bestätigt die Regel. Denn auch Der Graf war 2010 noch am Anfang.

 Es ist und bleibt eine Raab-Show. Künstlerauswahl, Sendung, Kostüme, Licht. „Ich gebe meinen Senf zu allem dazu, was nicht immer alle freut“, sagt er. Nein, die Zuschauerzahlen sind nicht sensationell. „Für uns ist nur wichtig, dass wir besser sind als ,Rising Star’, sagt Raab. Die RTL-Castingshow ist gerade ziemlich böse untergegangen. Für Pro7 aber ist viel entscheidender, wer zuguckt. Es ist nicht leicht, der Werbekundschaft auch mal die Generation YouTube heranzukarren, deren Musik sonst nur noch im Netz spielt.

Und der große ESC? Ist das Kapitel nach Guildo Horn, „Wadde Hadde Dudde Da“, Mutzke und Lenas Sieg für Stefan Raab wirklich abgeschlossen? 2011 hatte er seinen Rückzug verkündet. Für immer? Die überraschende Antwort lautete gestern: Nein. Es könnte durchaus sein, dass der ESC-Vorentscheid – den ohnehin Raabs Heimatfirma Brainpool mitproduziert – ihn noch einmal lockt. „Ich entscheide immer von Fall zu Fall“, sagt Raab. „Ich mache nur das, wozu ich Lust habe. Aber grundsätzlich ist im Leben gar nichts ausgeschlossen. Ich habe gesagt, dass ich das im Moment nicht mehr mache. Wer weiß – vielleicht ereilt mich mit 75 noch mal der Altersstarrsinn und ich bilde mir ein, ich müsste noch mal Eurovision machen.“ Grinsen. Heute feiert er seinen 48. Geburtstag.

Für Pro7-Entertainer Stefan Raab ist das Kapitel Eurovision Song Contest (ESC) noch nicht endgültig abgeschlossen. „Ich mache nur das, wozu ich Lust habe. Aber grundsätzlich ist im Leben gar nichts ausgeschlossen“, sagte der Moderator am Rande der zehnten Ausgabe seiner Musikshow „Bundesvision Song Contest“ der HAZ.

Imre Grimm 22.09.2014

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