Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien TomTom verkauft Daten von Navi-Nutzern an Behörden
Mehr Welt Medien TomTom verkauft Daten von Navi-Nutzern an Behörden
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:36 28.04.2011
Auch in Deutschland bietet TomTom den Gemeinden Daten seiner Navi-Nutzer an. Quelle: dpa

Wer sich in seinem Auto von einem TomTom-Navigationsgerät zum Zielort lotsen lässt, der muss damit rechnen, dass sein Fahrverhalten von Behörden überwacht und ausgewertet wird. Wie das Unternehmen am Donnerstag einräumte, verkauft es seit Längerem anonymisierte Daten seiner Navi-Kunden. Die Informationen sollen die Planung von Infrastrukturvorhaben erleichtern. Auch in Deutschland wurden entsprechende Daten zum Kauf angeboten, nach Angaben eines TomTom-Sprechers habe aber bislang noch keine Kommune zugegriffen. Das ist in den Niederlanden anders. Dort sind zahlreiche Gemeinde- und Provinzbehörden im Besitz solcher Datensammlungen. Besonders brisant ist, dass die Daten von dort auch an die Polizei weitergegeben wurden. Mithilfe dieser Informationen ermittelten die Beamten, wo Autofahrer häufig zu schnell unterwegs waren – und stellten dort Blitzgeräte auf.

Ein Polizeisprecher in Den Haag bestätigte, dass rund die Hälfte aller niederländischen Polizeidienststellen im Besitz der Datensätze seien. ,,Die TomTom-Technologie ist hervorragend, warum sollten wir sie nicht für unsere Zwecke nutzen?“, sagté ein Polizeisprecher. Der Navi-Hersteller sammelt die Informationen über die Straßennutzung, um Autofahrern bei Staus eine Ausweichmöglichkeit anzubieten und die schnellste Route errechnen zu können.

Nachdem niederländische Medien den Fall aufgedeckt hatten, beeilte sich TomTom seine Kunden zu besänftigen. Man habe zu keinem Zeitpunkt personenbezogene Daten verkauft, weder die Polizei noch andere Behörden hätten Bewegungsprofile von Autofahrern erstellen können. Es sei jedoch nicht vorgesehen gewesen, dass die Polizei direkten Zugriff auf die Daten bekomme. „Wir haben aus dem Fall in den Niederlanden gelernt und werden die Lizenz entsprechend ändern“, sagte ein Sprecher. Er verwies zugleich darauf, dass jeder Nutzer bei der Konfiguration seines Geräts gefragt werde, ob er der Datenerfassung zustimme oder nicht. „Die Zustimmung können Sie jederzeit widerrufen“, hieß es in der Stellungnahme.

Ob die Zustimmung des jeweiligen Nutzer bewusst oder unbewusst erfolgt – juristisch befindet sich TomTom auf der sicheren Seite. „Wenn die Daten anonymisiert übermittelt werden, ist das datenschutzrechtlich in Ordnung“, sagt Rainer Hämmer, stellvertretender Datenschutzbeauftragter des Landes Niedersachsen. Der Fall zeige aber erneut, dass Kunden sich sehr genau durchlesen sollten, welchen Datenschutzbestimmungen sie mit dem Kauf oder der Aktivierung eines Geräts zustimmen. Wer unsicher sei, ob persönliche Daten an Dritte weitergeleitet werden, könne direkt beim Hersteller nachfragen. Diese seien zu einer Auskunft verpflichtet.

Frerk Schenker / Helmut Hetzel

Mehr zum Thema

Sony schlägt Alarm: Hacker haben die Daten von Millionen Kunden gestohlen, darunter auch Nutzer der Spielekonsole Playstation. Sicherheitsexperten werfen dem Konzern einen schlampigen Umgang mit den Daten vor.

27.04.2011

Eine Woche nach Berichten über die unbefristete Speicherung von Ortsdaten auf iPhone und iPad hat der Hersteller Apple eine Änderung dieser Praxis angekündigt.

27.04.2011

Der Druck auf Apple wächst: Wegen automatisch auf dem iPhone gespeicherter Ortsdaten wächst bei vielen Nutzern die Wut. Der bayerische Datenschutzbeauftragte Thomas Kranig drohte dem Konzern sogar mit einem Bußgeld, sollte das Unternehmen bis zum 10. Mai keine Erklärung vorlegen.

25.04.2011

Sony schlägt Alarm: Hacker haben die Daten von Millionen Kunden gestohlen, darunter auch Nutzer der Spielekonsole Playstation. Sicherheitsexperten werfen dem Konzern einen schlampigen Umgang mit den Daten vor.

27.04.2011

Eine Woche nach Berichten über die unbefristete Speicherung von Ortsdaten auf iPhone und iPad hat der Hersteller Apple eine Änderung dieser Praxis angekündigt.

27.04.2011

Für den einstigen Pionier der sozialen Netzwerke sucht der Besitzer News Corp. einen Käufer. 2005 hatte das Unternehmen noch 580 Millionen Dollar für die Plattform bezahlt. Inzwischen ist MySpace vom Konkurrenten Facebook abgehängt worden.

27.04.2011