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Medien So gut ist der neue "Tatort" aus Köln
Mehr Welt Medien So gut ist der neue "Tatort" aus Köln
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18:43 28.02.2016
Bonnie und Clyde vom Rhein: Laura (Ruby O. Fee) und Adrian (Rick Okon) sind furios unterwegs Richtung Abgrund. Quelle: ARD
Köln

Der "Tatort" aus Köln beginnt mit einem Paukenschlag: Ein Mann will wegfahren, geht dann doch noch mal ins Haus und wird dort vom Freund seiner Stieftochter erstochen. Der bislang praktisch unbekannte Sebastian Ko inszeniert den Einstieg in sein "Tatort"-Debüt blutig und mit unangenehmer Intensität.

Bonnie und Clyde in Köln

Filmisch aber ist das faszinierend, weil Ko mit einer Parallelmontage startet: In ihrem Zimmer tanzt eine junge Frau zu "When the Rain Begins to Fall"; derweil stirbt ihr Stiefvater in der Küche zu den Klängen der elegischen Arie aus Puccinis "Madame Butterfly". Der Mord dauert nur eine Minute, aber es ist eine der längsten der jüngeren "Tatort"-Geschichte; und die Tat eine der sinnlosesten, wie sich später zeigt. Kurz darauf wird der junge Mann einen zweiten Mord begehen, und nun ist sein Schicksal endgültig besiegelt; die Hinweise auf Bonnie und Clyde verdeutlichen früh, dass "Kartenhaus" kein gutes Ende nehmen wird.

"Tatort: Kartenhaus"
Krimi mit Klaus J. Behrendt und Dietmar Bär
ARD | Sonntag, 20.15 Uhr
Bewertung: 4 von 5 Sternen

Es ist klar, dass der Film die Intensität des Anfangs nicht durchhalten kann, und tatsächlich nimmt das Tempo mit dem Auftauchen der Kommissare Ballauf und Schenk (Klaus J. Behrendt, Dietmar Bär) spürbar ab. Aber das ist in Ordnung, schließlich sind die beiden mehr als doppelt so alt wie das Pärchen Laura und Adrian, das sich fortan auf den Spuren von Mickey und Mallory Knox wähnt, den verstörenden Antihelden aus Oliver Stones Gewaltsatire "Natural Born Killers" von 1994. Die junge Darstellerin Ruby O. Fee erinnert an die Laszivität von Juliette Lewis. Sie überzeugt vor allem in den Liebesszenen. Auch Rick Okon ist immer dann am glaubwürdigsten, wenn sein Adrian in Aktion ist.

Schön. Schicksalhaft. Tragisch.

Ihre Flucht führt Adrian und Laura in seine Heimat, eine heruntergekommene Hochhaussiedlung am Rande Kölns. Die Kamera fliegt über die Häuser hinweg, die Musik besteht in diesen Szenen nur noch aus Perkussionsinstrumenten. Die Liebe zum akustischen Detail offenbart sich auch in Gestalt einer klingenden Geburtstagskarte: Als Laura sie öffnet, ertönt die charakteristische Anfangsmelodie aus "When the Rain Begins to Fall" in Dauerschleife. Auf dem Parkplatz vor der Disco, in der Adrian kurz zuvor seinen Chef mit dessen Waffe erschossen hat, als der ihn beim Plündern der Kasse erwischt hat, schaut der junge Mann einer orangefarbenen Plastiktüte nach, die der Wind vor sich hertreibt und die schließlich vor dem Auto der (allerdings erst später eintreffenden) Polizisten landet. Schön. Schicksalhaft. Tragisch.

Das Drehbuch hat gewisse Schwächen, zu denen unter anderem Lauras mutmaßliche Wohlstandsverwahrlosung gehört; jedenfalls bietet der Film keine andere Erklärung für ihre Schwindeleien an. Ähnlich klischeehaft sind die Mütter ausgefallen: die eine (Julika Jenkins) ist reich und herzlos, die andere (Bettina Stucky) fett und Kettenraucherin, aber ihrem Sohn in bedingungsloser Liebe zugetan. Gefilmt ist "Kartenhaus" allerdings vorzüglich; beim Finale, das selbstredend auf einem der Hochhausdächer stattfindet, gelingt Kay Gauditz eine buchstäblich schwindelerregende Kamerafahrt.

Tatort mit einem bitteren Ende

Außerdem hat Tobias (Patrick Abozen), der Assistent von Ballauf und Schenk, endlich mal mehr zu tun, als bloß im Büro ans Telefon zu gehen, und prompt schwebt er in ähnlicher Gefahr wie seine Vorgängerin Franziska in ihrem letzten Einsatz für das Kölner "Tatort"-Team. Das Drehbuch war auch von Jürgen Werner. Der bittere Schluss löst mit einer erneut ungewöhnlichen Schnittfolge ein, was die ganze Zeit in der Luft lag; und das ausgerechnet zu Blacks Song "Wonderful Life".

Von Tilmann P. Gangloff

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