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Mehr Welt Medien Ein "Tatort", den man gesehen haben sollte
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00:15 30.12.2015
„Wir sind hier doch nicht in Münster!“: Im neuen „Tatort“ spielt Ulrich Tukur (M.) – hier mit zwei Polizisten – sich selbst – mit ganz unweihnachtlichem blauem Auge. Quelle: ARD

So klettert das blutüberströmte Opfer nach der ersten Klappe aus dem Kofferraum und holt sich mit dem Fernsehermittler einen Kaffee vom Cateringtisch.

Bei den Dreharbeiten zum „Tatort“ also nach einer durchzechten Nacht im Casino liegt der Aufnahmeleiter tot in seinem Auto, der Glücksspielgewinn ist verschwunden und findet sich schließlich im Hotelzimmer von Tukur, der zum Hauptverdächtigen wird. So weit, so originell. Doch nach dem Wahnsinns-„Tatort“: Im Schmerz geboren“ mit Tukur und Ulrich Matthes, der 2014 Auszeichnungen wie die Goldene Kamera und den Grimme-Preis abräumte, ist der Zuschauer doch enttäuscht, wie wenig Regisseur und Drehbuchautor Bastian Günther aus dem Konzept macht.

Gezeigt wird die eitle Welt des deutschen TV-Krimi-Business’, hinter unverbindlicher Bussi-Kumpelei lauern Egoismus („Du musst doch auch mal an mich denken!“) und Missgunst („Der XY hat den größeren Wohnwagen. Der Ulli darf einen Nazi nach dem anderen spielen!“) Das neue Frankfurter „Tatort“-Team gibt als Gastpaar in Talkshows Phrasen von sich und giftet sich hinter den Kulissen an. Der Knarrenfetischist Wolfram Koch bittet Tukur, er möge „jetzt, wo er ja ohnehin mit der Polizei zu tun hat“, doch mal fragen, ob man auch mit einer Hand schießen könne. Sähe halt cooler aus. Und Statist Martin Wuttke steckt nach dem Aus des „Tatorts“ in Leipzig in finanziellen Schwierigkeiten und bettelt um eine Beteiligung am Casinogewinn. Das ist alles so  selbstreferentiell, überdreht und wenig subtil, dass das Spiel im Spiel leider schnell seinen Reiz verliert. Der gesamte Krimi wirkt wie im Theater hektisch und mit explizitem Verweis auf den Rollenbruch beiseite gesprochen.

Kleine Spitzen auf den „Tatort“-Betrieb („Wir sind hier doch nicht in Münster!“) versöhnen den Zuschauer teilweise. Als Tukur, der sich an den Abend nicht mehr erinnern kann, zu straucheln beginnt, überlegen die Mitarbeiter des Hessischen Rundfunks, ihn durch Matthias Schweighöfer zu ersetzen. Das ist eine schöne Anspielung auf die Inflation neuer junger Kommissare im ARD-Sonntagskrimi. Die beiden „echten“ Kommissare sind ironischerweise fürchterliche Bürokratiehengste und kommen der Wirklichkeit so vermutlich näher als all die anderen „Tatort“-Kommissare mit ihren Extravaganzen.

Erst gegen Ende, als dann auch noch ein Doppelgänger Tukurs auftaucht, wird das Spiel mit Rollen und Identitäten, auch dem Zusammenhang zwischen Spiel und Spieler, interessant. Leider zu spät, um diese Ausgabe auf eine Ebene mit dem letzten Tukur-„Tatort“ zu heben. Dennoch ist „Wer bin ich?“ ein Krimi, den man gesehen haben sollte.

von Nina May

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