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17:15 24.02.2016
Auf dem "Mobile World Congress" demonstrierten Stefan Vögeding und Frank Kressmann (li.) von Procter & Gamble, wie die smarte Zahnbürste funktioniert: Sie analysiert, wie gründlich der Nutzer putzt. Quelle: Markus Werning
Barcelona

Stefan Vögeding steht vor einem Waschbecken und schaut auf sein Smartphone. Eine App wertet gerade aus, wie gründlich er seine Zähne geputzt hat. In den vergangenen Tagen hätte er sich mehr Mühe geben können. Aber dieses Mal hat Vögeding keine Stelle ausgelassen. Die App gibt ihm die volle Punktzahl. Vögeding lächelt zufrieden. Als habe er etwas gewonnen. 

Eine Zahnbürste mit Bewegungssensor

Vögeding arbeitet für den Konsumgüterhersteller Procter & Gamble. In dieser Woche ist er deshalb auf dem "Mobile World Congress" in Barcelona und putzt sich die Zähne – mehrmals täglich, weil er mit seinem Kollegen Frank Kressmann das neue Produkt des Unternehmens vorstellt: die Oral-B Genius mit Bluetooth und einem Drei-Achsen-Beschleunigungssensor, wie er in Smartphones steckt. Damit die Zahnbürste weiß, wo sie ist – links unten im Mund oder oben rechts im Mund.

Das kann sie aber nicht allein erkennen. Der Benutzer muss deshalb sein Smartphone mit einem Saugnapf an den Badezimmerspiegel aufhängen – in Kopfhöhe, damit die Frontkamera sein Gesicht erfassen kann. Die App von Procter & Gamble wertet dann die Videoanalyse und die Daten des Bewegungssensors aus und zeigt dem Benutzer, wie gründlich er putzt. 

Eine App bestimmt die Reinigungsquote 

Dafür teilt sie das Gebiss in sechs Zonen auf, und jeder Quadrant muss solange gereinigt werden, bis die Farbe auf dem Bildschirm von Blau zu Weiß wechselt. Wird die Bürste zu fest aufgedrückt, leuchtet das Display rot. Am Ende bewertet die App die Leistung des Nutzers. Diese Reinigungsquote speichert das Programm ab.

Nach einigen Tagen kann der Benutzer deshalb sehen, ob er sich verbessert hat und ob er bestimmte Zähne regelmäßig vernachlässigt. Er kann diese Daten auch seinem Zahnarzt zeigen. Krankenversicherungen könnten sich ebenfalls dafür interessieren. Einige wollen heute schon wissen, wie viel sich ihre Mitglieder bewegen. Fitnessarmbänder sammeln diese Daten. Genauso nützlich könnten für Krankenkassen Informationen über die Mundhygiene ihrer Mitglieder sein. 

Zähneputzen soll zu einem Spiel werden 

Aber diese Werte blieben beim Nutzer, versichert Vögeding. „Die Entscheidung, was damit passiert, liegt beim Konsumenten.“ Auch Procter & Gamble wisse nicht, wie gründlich jemand seine Zähne putze. Das Unternehmen sammle und werte die Daten nur anonymisiert aus. Zum Beispiel: Wie lange putzen die Benutzer der App ihre Zähne? 

Auf die Antwort ist Kressmann stolz, denn es sind mehr als zwei Minuten und damit doppelt so lang wie der deutsche Durchschnitt. Das konnte Procter & Gamble auswerten, weil der Konzern schon vor zwei Jahren eine erste smarte Zahnbürste auf den Markt gebracht hat. Sie erfasste zwar noch nicht so viele Daten wie die neue Generation. Sie speicherte aber, wie lange der Benutzer seine Zähne putzt. 

Das Ergebnis ist für die Mitarbeiter des Herstellers der Beweis: Wenn aus etwas ein Spiel gemacht wird, dann ist es keine Pflicht mehr – dann kann sogar Zähneputzen Spaß machen. Weltweit hätten auch schon mehr als 900.000 Menschen die App heruntergeladen. Die Zahnbürste dazu ist allerdings nicht ganz billig. Der Preis des ersten smarten Modells lag bei etwa 250 Euro. Der Nachfolger soll im Sommer auf den Markt kommen und mindestens genauso viel kosten.

Von Markus Werning

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