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Mehr Welt Medien Es muss nicht immer Whatsapp sein
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00:15 21.12.2015
Von Helmuth Klausing
Whatsapp hat die SMS praktisch abgelöst – und schert sich wenig um den Schutz der Nutzerdaten. Quelle: Andrea Warnecke
Hannover

Einfach und kostenlos mit Freunden, Kollegen oder Verwandten in Kontakt treten: Messenger-Dienste wie Whatsapp haben die klassische SMS-Textnachricht bei vielen Smartphone-Besitzern inzwischen nahezu abgelöst. Das bringt Vorteile. So lassen sich beispielsweise per Messenger auch Fotos, Videos oder Sprachaufzeichnungen komfortabel verschicken.

Aber wer liest mit? Und welche Informationen über die Nutzer dieser Dienste werden gespeichert? Seit den Enthüllungen Edward Snowdens ist bekannt, dass praktisch alles, was über ein Handy gesendet wird – Gespräche und Datenverbindungen – abgehört und ausgewertet werden kann. Und wenn es nicht der Nachrichtendienst NSA oder andere US-Behörden sind, die diese Daten sammeln, dann nehmen sich die Anbieter der Messenger selbst das Recht heraus, persönliche Informationen ihrer Kunden zu speichern.

Whatsapp kopiert komplette Kontaktliste

So kopiert beispielsweise Whatsapp die komplette Kontaktliste jedes Handys, auf dem die App installiert ist. Alle Namen, Adressen und Telefonnummern werden von dem Unternehmen, das zum sozialen Netzwerk Facebook gehört, auf Servern außerhalb Deutschlands gespeichert. Der Datenabgleich soll Whatsapp-Neulingen in erster Linie gleich anzeigen, wer von seinen Kontakten ebenfalls Whatsapp bereits runtergeladen hat und jetzt über den Dienst erreichbar ist. Das ist freilich bequem. Aber wie kann man sicher sein, dass dies der einzige Zweck ist, dem die Daten dienen? Können wir Whatsapp vertrauen?

"Das ist keine gute Idee", sagt der hannoversche Datenschutzexperte Peter Leppelt und schüttelt den Kopf. "US-Unternehmen unterliegen der Rechtsprechung ihres Landes – und die ist beim Datenschutz deutlich laxer als die deutsche." Auch wenn sich
Whatsapp tatsächlich nicht selbst weiter für all diese Daten interessieren sollte, so lägen die Informationen dennoch "lesbar" auf den Servern, wie Leppelt betont. Jeder, der den Server hackt, könne die Daten auslesen – nicht nur die NSA.

Privatsphäre schützen

Wer diesen Gedanken unschön findet, der sollte etwas unternehmen, um seine Privatsphäre zu schützen, rät Leppelt. "Es gibt Messenger, die eine sogenannte Ende-zu-Ende-Verschlüsselung aller Daten vornehmen." Damit würden die Daten bereits auf dem Gerät des Absenders vor dem Verschicken verschlüsselt, sie würden verschlüsselt übertragen und erst auf dem Gerät des Empfängers entschlüsselt.

Nicht einmal das Messenger-Unternehmen selbst weiß bei diesem Verfahren, welche Daten übertragen werden und kann es auch nachträglich nicht mehr herausfinden, betont Leppelt. Auch wer dann eine Datenbank des Messenger-Betreibers knackt, könne mit den Informationen nichts anfangen, weil sie nicht lesbar seien.

Alternativen zu Whatsapp

Leppelt mahnt allerdings, beim Thema Verschlüsselung genauer hinzuschauen. Manchmal werde auch eine reine sogenannte Transportverschlüsselung als besonders sicher angepriesen. "Das reicht aber nicht", sagt er. Damit seien die Daten nur während der Übermittlung geschützt, würden dann aber für alle lesbar auf Großrechnern abgespeichert.

Wer seine Privatsphäre schützen möchte, sollte sich Messenger wie Textsecure oder Chatsecure ansehen, sagt Leppelt. Diese böten eine verlässliche Ende-zu-Ende-Verschlüsselung für die Betriebssysteme Android sowie iOS. Ein ähnliches Problem wie bei den Messengern sieht der Experte auch bei sogenannten Cloud-Speicherdiensten wie Dropbox oder Apples iCloud. Wer sie nutzt, speichert seine Daten – meist sind es Fotos – auf den Servern des jeweiligen Anbieters und nicht mehr bei sich zu Hause auf der Festplatte oder auf dem Handy. Das hat vor allem drei Vorteile: Der Nutzer schont den oft knappen Speicherplatz seiner Endgeräte, er kann seine Fotos von jedem Punkt der Erde online abrufen und sie sind auch noch da, falls das Handy verloren geht oder der Laptop gestohlen wird.

Fotos nur verschlüsselt speichern

Der Nachteil: "Wenn ich Fotos in die Cloud lade, dann sind die veröffentlicht. Davon muss ich ausgehen", sagt Leppelt. Immer wieder gebe es Berichte über geknackte Cloud-Speicher von Prominenten, deren dort abgelegte Nacktaufnahmen plötzlich im Internet für alle sichtbar die Runde machen.

Wer sichergehen will, dass Privatfotos auch privat bleiben, sollte sie allenfalls verschlüsselt, aus Leppelts Sicht also vor allem Ende-zu-Ende-verschlüsselt, in die Cloud geben. Leppelt empfiehlt die Software Truecrypt in der Version 7.1a zur Verschlüsselung auf dem heimischen Rechner. Einen kostenlosen Download bietet etwa Heise.de an. Das Fraunhofer-Institut für Informationstechnologie in Darmstadt hat erst im November bestätigt, Truecrypt sei grundsätzlich sicher.

Auch die Software Megasync biete eine geeignete Verschlüsselung an. Sie lässt sich beispielsweise bei Chip.de herunterladen. Eine Lösung für mobile Geräte wie Smartphones und Tablets gibt es allerdings noch nicht.

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