Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Nur nicht einschlafen beim neuen „Tatort“
Mehr Welt Medien Nur nicht einschlafen beim neuen „Tatort“
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
15:22 23.12.2018
Der Schlaf der Gerechten: Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) sind so übermüdet, dass sie bei jeder Gelegenheit einschlafen. Für den Zuschauer besteht dazu bei diesem Krimi erfreulicherweise kein Anlass. Quelle: SWR-Presse/Bildkommunikation
Baden-Baden.

Ein ungeklärter Doppelmord, eine mysteriöse Brandleiche, zwei übermüdete Kommissare und ein verwirrter Jurastudent. Der „Tatort“ aus dem Schwarzwald bringt am Tag vor Heiligabend einen prominent besetzten Krimi auf den Bildschirm. „Damian“ ist der dritte Fall des Schwarzwälder „Tatort“-Teams, das seit mehr als einem Jahr für die ARD-Krimireihe im Einsatz ist. Er gibt, nicht nur den Ermittlern, viele Rätsel auf.

In der Rolle der Schwarzwälder „Tatort“-Kommissarin Franziska Tobler ist erneut Eva Löbau zu sehen. Die 46-Jährige muss diesmal ohne ihren Partner Hans-Jochen Wagner alias Kommissar Friedemann Berg auskommen, erzählt sie. Weil Wagner bei den Dreharbeiten krank war, ist er in dieser Folge nicht dabei. An Löbaus Seite ermittelt daher ausnahmsweise Carlo Ljubek als Freiburger Kollege Luka Weber.

Bleierne Müdigkeit über dem Geschehen

Beim nächsten Schwarzwald-Fall ist dann wieder Wagner mit dabei – und hoffentlich gut ausgeruht. Denn in der aktuellen Folge „Damian“ liegt eine wahrlich bleierne Müdigkeit über dem ganzen Geschehen. Die beiden Kommissare sind so überarbeitet, dass sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit einschlafen, und auch die Titelfigur, der Student Damian, liegt einmal schlafend auf dem Boden der Freiburger Uni-Bibliothek. Aber nicht nur das: Als er dann von einem Angestellten aufgeweckt wird, eilt er hektisch in einen Hörsaal wegen einer wichtigen Klausur. Und erfährt dort, dass diese bereits vor drei Wochen geschrieben worden ist.

Eine seltsame Szene, und sie ist nicht die einzige in diesem im wahrsten Sinne des Wortes müden Film. Der Zuschauer jedoch darf sich auf keinen Fall anstecken lassen von dieser Schläfrigkeit, sonst versteht er bald rein gar nichts mehr. Und besonders der Schluss ist so irritierend und verwirrend, dass der Betrachter wohl ratlos und womöglich verärgert zurückgelassen wird. Der von Stefan Schaller inszenierte und (mit Lars Hubrich) geschriebene „Tatort“ spielt nämlich auf verschiedenen Zeit- und vor allem Wahrnehmungsebenen. Das macht es selbst ausgeschlafenen Zuschauern nicht gerade einfach.

Die zwei Freiburger Ermittler müssen den Mord an einer 17-Jährigen und ihrem Tennislehrer aufklären. Hinzu kommt ein weiterer Todesfall: In einer niedergebrannten Hütte im Wald wird eine Leiche gefunden. Spuren und Zeugen bringen den Kommissaren kein klares Bild.

Ein Schuss Humor hilft beim Wachbleiben

Das Wachbleiben lohnt sich, weil die fast schon elegische Stimmung dieses sonderbaren Krimis faszinierend ist. Weil die Titelfigur vom erst 24-jährigen Südtiroler Thomas Prenn herausragend verkörpert wird. Und weil auch der Humor nicht zu kurz kommt. Für ihn sorgen Johann von Bülow, der einen gar komischen Bauarbeiter mit einem Hang zur Damenunterwäsche verkörpert, und vor allem die wunderbare Österreicherin Nora Waldstätten, die eine schrullige Mitarbeiterin der sogenannten Polizeilichen Beratergruppe umwerfend lustig spielt. Auch die beiden Kommissare agieren zwar gut, aber die Bühne gehört dennoch Thomas Prenn.

Seine Figur Damian gehört zu den Hauptverdächtigen im Falle des Mannes, der in einer Waldhütte verbrannt ist, weil er mal nachts leicht bekleidet joggend in Nähe des erste Tatorts aufgegriffen und polizeilich überprüft wird, dabei merkwürdige Dinge erzählt und sowieso äußerst verwirrt erscheint. Damian leidet nämlich ganz offensichtlich unter einer schweren psychischen Störung. Er hat Halluzinationen, fühlt sich verfolgt und wird mit dem Prüfungsdruck an seiner Uni nicht fertig. Und Prenn spielt diesen kranken Menschen mit einer Intensität, wie man sie nicht oft in einem Fernsehkrimi sieht. Dabei ist das seine erste große Fernsehrolle, an deren Entwicklung der junge Schauspieler selbst mit beteiligt gewesen ist.

Die Auflösung des Doppelmords ist dann allerdings ziemlich banal, während der Fall des verbrannten Mannes am Schluss eine so überraschende Wendung nimmt, dass man nur staunen kann, Oder man fühlt sich arg veräppelt, weil man die Geschichte einfach nicht verstanden hat. Und dagegen hilft nur eins: Wach bleiben und ganz genau aufpassen.

„Tatort: Damian“, Sonntag, 23. Dezember, 20.15 Uhr, ARD

Von Ernst Corinth und Jürgen Ruf

Der Fall des fälschenden „Spiegel“-Journalisten Claas Relotius erschüttert die Medienwelt. „Zeit“-Chefredakteur macht sich Sorgen über die Folgen für seine Branche. Und erklärt, warum Relotius einen bestimmten Preis nicht gewonnen hat.

22.12.2018

Schauspieler Wolfgang Stumph holt den beliebten TV-Kriminalisten Wilfried Stubbe mit „Tod auf der Insel“ aus dem Ruhestand zurück. Im Gespräch erklärt Stumph, warum auch für ihn der Unruhestand eine Herausforderung ist und was eigentlich Loriot mit allem zu tun hat.

21.12.2018

Die neue ARD-TV-Parodie „Trixie Nightmare – Der tiefe Fall der Trixie Dörfel“ von Olli Dittrich ist große Satirekunst – und entlarvt nebenbei die Mechanismen der Klatschmenagerie.

20.12.2018