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Medien Mörder in Nadelstreifen
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00:16 09.09.2014
Von Christiane Eickmann
Kommissar Flückiger (Stefan Gubser, li.) kann nicht so ganz glauben, was der IT-Fachmann Thomas Behrens (Alexander Beyer) ihm auftischt. Quelle: ARD

Eine Frau fährt ihre Tochter zur Schule. Hypernervös und ängstlich begleitet sie die Sechsjährige bis zur Tür, dreht sich immer wieder um. Und richtig: Ein schwarzes SUV ist den beiden gefolgt. Ilka Behrens (Karina Plachetka) und ihre kleine Tochter Mia sind nicht die Einzigen, die im neuen Schweizer „Tatort“ verfolgt werden. Ebendarum trägt der Fernsehkrimi dies schon im Titel.

Behrens’ Ehemann Thomas (toll: Alexander Beyer) gerät darüber sogar derart in Panik, dass er sich nur noch rennend durch Luzern bewegt, in einem Hutladen einen vermeintlichen Verfolger verprügelt und sich schließlich auf einen Polizeiwagen wirft und um Hilfe bittet. Kommissar Reto Flückiger (Stefan Gubser) und seine Kollegin Liz Ritschard (Delia Mayer) staunen nicht schlecht, schließlich versuchen die beiden, den Mord an der Geliebten von Behrens aufzuklären.

Der aber streitet alles ab und berichtet Flückiger eine abenteuerliche Geschichte: Er sei im Besitz von illegal heruntergeladenen Kontodaten, mit denen Steuerbetrug im großen Stil bewiesen werden könne – begangen von Deutschen mithilfe von Schweizer Bankern. Und diese Banker hätten nun Killer auf ihn angesetzt. „Sie haben fremdes Eigentum gestohlen und lassen sich dafür bezahlen“, poltert Flückiger zunächst. Als Behrens sich als ehrenwerten „Whistleblower“ darstellt, entfährt es dem Kommissar: „Hören Sie auf mit diesem Wikilikischeiß.“ Doch nachdem sich Flückinger länger mit Ilka Behrens unterhalten hat, kommen dem Ermittler Zweifel: Was ist ,wenn die Geschichte des IT-Experten stimmt?

Tempo, Spannung und eine vielschichtige Story: Regisseur Tobias Ineichen und Drehbuchautor Martin Maurer ist ein sehenswerter Verschwörungsthriller mit einem wunderbar bösen Ende gelungen, der die bisher so behäbig hölzernen „Tatorte“ aus der Schweiz vergessen lässt. Schade nur, dass auch dieses Mal wieder kein Protagonist Schwy­zer­dütsch sprechen darf.

Der bisher immer etwas fahrige und langsame Flückiger macht in diesem Krimi eine erstaunliche Entwicklung. Schließlich legt er sich ganz resolut mit Bankern an und schwingt sich zum Verteidiger der Wahrheitssuchenden gegen die Übermacht des Kapitals auf. Zum Helden wird er dabei allerdings nicht. Überhaupt kommt niemand in diesem Krimi gut weg: fiese Bankmanager, dümmliche Deutsche und unzuverlässige Polizisten.

Ganz so böse ist die Wirklichkeit freilich nicht: Schweizer Geldinstitute nehmen mittlerweile auf Druck der USA und EU nur noch Geld von Menschen an, die nachweisen können, dass sie im Heimatland ordnungsgemäß Steuern zahlen. Dennoch hat der „Tatort“ reale Bezüge. Dazu gehört, dass Schweizer Behörden nicht etwa Bankmitarbeiter verfolgen, die Schwarzgeld von Ausländern angenommen haben, sondern diejenigen, die Daten an ausländischen Behörden weitergeben. Und dass ein Thriller, der mit Verschwörungstheorien spielt, die Wirklichkeit zuspitzen und karikieren muss, hat das US-Serienfernsehen („24“, „Homeland“) erfolgreich vorgemacht.

Fernsehtipp

„Tatort“: „Verfolgt“. Heute, 20.15 Uhr auf ARD.

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