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Medien Medienwächter rügen die RTL-„Super Nanny“ Katia Saalfrank
Mehr Welt Medien Medienwächter rügen die RTL-„Super Nanny“ Katia Saalfrank
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18:58 15.04.2011
Von Gunnar Menkens
Bilder sieht man gern bei RTL: „Super Nanny“ Katia Saalfrank als Familienretterin – zurzeit aber steht sie in der Kritik. Quelle: dpa

An diese Bilder im Fernsehen erinnert sich die Kölnerin Marlis Herterich noch gut. „Leider“, sagt die Vizepräsidentin des Deutschen Kinderschutzbundes. Ein fünfjähriges Mädchen ist ein bisschen bockig, es will und will seine rote Strumpfhose nicht ausziehen, und bald verliert seine Mutter die Geduld. Sie schlägt ihre Tochter auf den Po. Das Kind weint, aber die Mutter schreit das Kind weiter an und trifft die Fünfjährige noch viermal. Ein RTL-Kamerateam filmte den Gewaltakt, griff aber nicht ein. „Das war eine üble Geschichte“, sagt Herterich und sieht sich bestätigt in ihrer Kritik, dass Kinder in diesem Reality-Format in entwürdigender Weise öffentlich zur Schau gestellt werden.

Die Szene stammt aus einer Folge der RTL-Reihe „Die Super Nanny“. Katia Saalfrank ist die Frau, die zu den Familien kommt, seit Jahren schon. Es sind echte Eltern, echte Szenen, echte Hilf­losigkeit und echte Ratschläge. Und weil auch die Schläge echt waren, hat jetzt die Kommission für Jugendmedienschutz (KJM), eine Instanz der Landesmedienanstalten, die brutalen Sequenzen gerügt. Die Medienwächter sehen einen Verstoß gegen die Menschenwürde. Das Kind sei in seinem „sozialen Achtungsanspruch“ verletzt worden. Die Sendung, die bereits am 5. Mai 2010 ausgestrahlt wurde, dauerte 56 Minuten, die beanstandete Sequenz wurde dreimal gezeigt, ein Trailer warb mit den Schlägen um Zuschauer. Jetzt soll RTL 30.000 Euro Strafe zahlen. Der Sender will klagen. Ein Argument: Andere Kontrollinstanzen hätten nichts beanstandet. Offenbar gibt es unterschiedliche Ansichten darüber, ob man zeigen sollte, wie Kinder geschlagen werden.

Der Sender befinde sich „im Dialog“ mit den Medienkontrolleuren, sagte RTL-Sprecherin Anke Eickmeyer. „Da wir die Beanstandung der fraglichen Folge nicht nachvollziehen können und für unangemessen halten, haben wir gegen die Bescheide selbst Rechtsmittel eingelegt.“ Die Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen (FSF) habe bei der nachträglichen Prüfung der fraglichen Folge keinen Verstoß gegen die Menschenwürde festgestellt, zudem habe die Staatsanwaltschaft nichts Strafbares entdeckt, meinte Eickmeyer. Künftig würden nun alle Sendungen von „Die Super Nanny“ vor Ausstrahlung der FSF vorgelegt. Katia Saalfrank selbst erklärte, es sei häusliche Gewalt, die die Menschenwürde verletze – nicht deren Aufdeckung und Thematisierung. Warum die Szene dafür gezeigt werden musste, sagte die 39-Jährige nicht.

„Die Super Nanny“ bekam die spektakulärste Rüge, die die Kommission im ersten Quartal dieses Jahres aussprach. 31 weitere Verstöße gegen Jugendschutzbestimmungen ahndeten die Kontrolleure, wobei es ausschließlich um Privatsender und Internetseiten ging. Regelmäßig sprechen die Mitarbeiter Rügen aus, wenn jugendgefährdende Szenen zu unangemessenen Sendezeiten ausgestrahlt werden. RTL zeigte eine Sendung, die sich um 22.50 Uhr im Detail mit Sexualpraktiken in einem Dominastudio beschäftigte. „Jamba TV“ zeigte Erotikwerbung am frühen Morgen, Kabel 1 sendete um 20.15 Uhr einen Spielfilm mit „kaltblütigen und zynisch kommentierten Tötungsszenen“. Im Internet monierten die Prüfer zumeist pornografische Inhalte.

Nur 32 beanstandete Darstellungen auf allen deutschen kommerziellen Sendern und im deutschen Netz – für den Ulmer Psychologieprofessor Manfred Spitzer ist dieses Ergebnis ein schlechter Witz. „Es werden überall, nur als Beispiel, so viele Szenen gezeigt, die Frauen erniedrigen, dass es lächerlich ist, wenn die Kommission vier Schläge auf den Po rügt“, sagte er. Damit will Spitzer die gesendete Szene nicht verteidigen; aber der Psychologe betrachtet die Einsprüche der Landesmedienanstalten als „vordergründiges Ablenkungsmanöver, es soll zeigen, dass Kontrolle funktioniert“.

Der Ulmer Hochschullehrer forscht seit Langem über die Folgen von Gewaltkonsum, sei es im Fernsehen, Internet oder bei Computerspielen. Er hält es für erwiesen, dass virtuelle Gewalt bei Jugendlichen die Schwelle senkt, selbst Gewalt auszuüben. Spitzer hat sich deshalb dafür ausgesprochen, „die Auswüchse von Gewaltdarstellungen zu verbieten“. Eine Strafe von 30.000 Euro – „darüber lacht RTL doch“.

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