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Medien „Liebe deinen Feind“: Nazis vor Strandkulisse
Mehr Welt Medien „Liebe deinen Feind“: Nazis vor Strandkulisse
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18:22 17.04.2011
Von Stefan Stosch
Gesa (Katharina Wackernagel) und der ehemalige Wehrmachtsoffizier Friedrich (Stephan Kampwirth) sind durch das kalte Wasser der Nordsee voneinander getrennt. Quelle: ZDF

Auf den ersten Blick sieht es nach einer heimlichen Romanze mit großem Abenteuerpotenzial aus: Ein schlanker Badehosenträger steigt aus dem Meer, eine junge Frau wartet schon im Strandhafer auf ihn. Der Mann läuft geduckt über den Sand, lässt sich neben der Frau fallen, späht nervös über die Dünen. Aber so romantisch ist das alles gar nicht: Wenig später wird der Mann zurück Richtung Wasser rennen und rüber aufs Festland kraulen, wo er in einer Bunkerruine seine Kleidung versteckt hat – die Uniform eines Wehrmachtsoffiziers.

Hier lieben sich zwei kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und träumen von einer friedlichen Zukunft. Der angehende Architekt Friedrich (Stephan Kampwirth) befindet sich in britischer Kriegsgefangenschaft auf dem Festland. Die frühere Krankenschwester Gesa (Katharina Wackernagel) arbeitet auf der Insel Sylt in einer Wäscherei für die Engländer. Die kalte Nordsee kann das Liebespaar nicht trennen – das können nur die dramatischen Entwicklungen an Land, mit denen die beiden bald schon konfrontiert werden.

Herz und Schmerz, Krieg und Nationalsozialismus, eine delikate Gemengelage: TV-Routinier Niki Stein hat sie in „Liebe deinen Feind“ zu einem Melodram zusammengebracht.

Schon beim nächsten Besuch des Schwimmers verschärft sich die Lage entscheidend. Ein erschossener englischer Soldat liegt in den Sylter Dünen. Friedrich gilt als Hauptverdächtiger, obwohl er unschuldig ist und lediglich Schlimmeres verhindern wollte. Mit der Aufklärung des Falls wird ausgerechnet der britische Captain Simon (Benjamin Sadler) beauftragt – der hat sich soeben in Gesa verliebt. Und sie sich in ihn. Eine Frau zwischen zwei Männern: Das ist das dramaturgische Standardkonzept auch für diese Stunde zwischen Krieg und Frieden.

Große Gefühle und deutsche Geschichte prallen aufeinander. Die zeitlichen Grenzen verwischen, als die Briten ihre deutschen Gefangenen beauftragen, den Täter nach ihren eigenen (Unrechts-)Gesetzen abzuurteilen. Plötzlich ist gar nicht mehr recht zu entscheiden: Spielt der Film tatsächlich im Sommer nach der deutschen Kapitulation oder in den letzten Kriegswirren? Nationalsozialistisches Restpersonal tritt Gespenstern gleich vor idyllischer Strandkulisse auf. Ein Marinerichter schwadroniert begeistert von der „Ehre der Wehrmacht“ und vom „deutschen Soldatentum“.

Der geifernde Ankläger (überzogen theatralisch: Hubertus Hartmann) entspricht dem Klischeebild eines furchtbaren Juristen – so wie dieser Film seinen Figuren überhaupt als Stellvertreter fürs Ideologische herrichtet. Unverbesserliche Nazis und opferbereite Ehrenmänner tragen einen historisch verspäteten Konflikt aus. Sie alle fungieren mehr oder weniger als willige Vollstrecker im Dienste von Regisseur Stein, der auch fürs Drehbuch zuständig ist. Die Entnazifizierung übernimmt Simon: „Keiner von euch ist unschuldig“, schleudert er, der deutsch-jüdischer Herkunft ist, seiner geliebten Gesa wütend ins Gesicht.

In der zweiten Filmhälfte wechselt Regisseur Stein übergangslos ins Genre des Justizthrillers und versieht seine Romanze mit einem Gerichtsprozess. Zu mehr als einer holzschnittartigen Verhandlung reicht’s allerdings nicht mehr. Die Gewehre haben die Briten mittlerweile schon für das deutsche Erschießungskommando angeliefert. Jetzt könnte nur noch Simon das Schlimmste verhindern – und vielleicht der Regisseur, falls der sich zu einem Happyend nach Groschenheft-Art entschließt.

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