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17:02 24.02.2016
Welche Nährwerte sind in der Tomate? Scio scannt feste und flüssige Stoffe und gibt Auskunft über ihre chemische Zusammensetzung. Quelle: Markus Werning
Barcelona

Die Klopfmethode dürfte nicht mehr nötig sein, wenn die Firma Consumer Physics ihren Spectrometer Scio auf den Markt bringt. Mit dem kleinen Gerät lassen sich flüssige und feste Stoffe analysieren: Kunststoff, Gold, Leder, Tabletten, der Mensch, aber auch Gemüse und Obst. Anstatt also im Supermarkt auf eine Melone zu klopfen und zu hören, ob sie hohl klingt, könnte der Verbraucher Scio auf die Frucht halten – dann wüsste er, ob sie reif ist, erklärt ein Mitarbeiter der Deutschen Telekom auf dem Mobile World Congress (MWC) in Barcelona.

Der Konzern aus Bonn ist Geschäftspartner der israelischen Firma. Auf dem MWC demonstriert er, wie das Produkt des Start-ups funktioniert – zum Beispiel an einer Tomate. Dafür hält der Telekom-Mitarbeiter das Spectrometer an das rote Gemüse, eine Lampe leuchtet auf, und ein Sensor misst das Lichtspektrum, das die Tomate reflektiert. Die Messdaten sendet Scio über ein Smartphone an einen Server, der die Informationen mit seiner Datenbank abgleicht. Das Ergebnis erscheint kurz darauf auf dem Smartphone, und der Benutzer weiß, was da vor ihm liegt.

Alternative zu Nährwerttabellen

Im Fall der Tomate sind es - hochgerechnet für 100 Gramm: „3,5 Prozent Kohlenhydrate, 20 Kalorien, 94,4 Prozent Wasser.“ In einem Glas Limonade misst Scio einen Zuckeranteil von etwa zwölf Prozent. Und in 100 Gramm Käse findet er 21 Gramm Fett, 43 Gramm Wasser sowie 32 Gramm Eiweiß. Außerdem erfährt der Benutzer, dass die 320 Kalorien in diesem Stück Käse 16 Prozent des empfohlenen Tagesbedarfs abdecken. Für jemanden, der auf seine Ernährung achtet, ist das eine nützliche Information.

Während er heute schon recht genau messen kann, wie viele Kalorien er am Tag verbraucht, kann er nur schätzen, mit Hilfe von Nährwerttabellen und den Angaben auf den Lebensmittelverpackungen, wie viele er zu sich nimmt. Scio könnte deshalb Schrittzähler und Fitnesstracker ergänzen, zumal sich mit dem Spectrometer auch der Körperfettanteil des Nutzers messen lässt. Das sei aber nur ein mögliches Anwendungsszenario, über das nachgedacht werde, sagt der Telekom-Mitarbeiter auf dem MWC. Ein anderes: die Suche nach Plagiaten. 

Zum Beweis legt der Mann eine Tablette unter den Hosentaschen-Spektrometer. Kurz darauf zeigt die App, dass ein Schmerzmittel vor ihm liegt. Wäre die Tablette ein Placebo, hätte Scio sie erkannt, versichert der Mitarbeiter. Dasselbe gelte für Produktfälschungen, die angeblich aus Gold oder Leder hergestellt worden sind. Voraussetzung sei nur, dass die erforderlichen Informationen über einen Stoff in der Datenbank hinterlegt seien. Und der Nutzer muss ein halbwegs aktuelles Smartphone besitzen. Außerdem befindet sich der Hosentaschen-Spectrometer noch in der Testphase. Für 250 Dollar kann er aber schon im Onlineshop des Herstellers vorbestellt werden.

Von Markus Werning 

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