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Medien „Holland als persönliches Testlabor“
Mehr Welt Medien „Holland als persönliches Testlabor“
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14:19 21.02.2015
John de Mol ist einer der bekanntesten TV-Produzenten und testet seine Shows gerne in Holland. Quelle: dpa
Hannover

Herr de Mol, am Montag startet in Deutschland „Newtopia“ – ein Sat.1-Format, bei dem 15 Menschen ein Jahr lang abgeschirmt auf dem Land leben. Wir hatten schon Menschen, die im Container eingesperrt waren, andere wurden im Dschungel ausgesetzt. Was ist an „Newtopia“ neu?

Der große Unterschied ist, dass „Newtopia“ die purste Form von Reality ist. Wir greifen nicht von außen ein, es gibt keine Spielchen oder Ähnliches. Bis auf ein bisschen Startkapital sind die Kandidaten völlig sich selbst überlassen. Sie sollen ihre eigene Welt erschaffen, und am Ende werden wir uns fragen, ob es möglicherweise eine bessere Welt geworden ist.

In Holland geht das Format nach einem Jahr gerade in die Verlängerung. Warum dieser Regelbruch?

Weil ein Sender, der gerade gute Quoten hat, nur ungerne aufhört. Doch einfach mit einer neuen Staffel starten wollte ich auch nicht, weil ich das Gefühl hatte, dass das Experiment noch nicht zu Ende ist.

Was für Menschen bewerben sich für eine solche Show? 

Auf jeden Fall ganz andere als für andere Reality-Formate. Bei den Castings konnten wir feststellen, dass es den Kandidaten hier nicht um die 15 Minuten Ruhm geht, sondern um eine Idee. Von 8000 Bewerbungen würde ich schätzen, dass 99 Prozent einen Traum verfolgen. Das Niveau ist deutlich höher.

In wie viele Länder haben Sie „Newtopia“ bereits verkauft?

Derzeit läuft es in Holland und in der Türkei. Als Nächstes startet es in Deutschland und dann in China. Außerdem verhandeln wir derzeit mit fünf bis sechs weiteren Ländern. Aber da die Show sehr aufwendig ist, dauern diese Verhandlungen lange.

Gibt es für Formate wie „Big Brother“ oder auch „Newtopia“ keine kulturellen Grenzen? Funktioniert Reality weltweit nach dem gleichen Prinzip?

Am Anfang der Entwicklung steht immer eine Idee, die, wenn das Format steht, zunächst in Holland getestet wird. Wenn es dort erfolgreich ist, dann ist es das in der Regel auch woanders.

Ist Holland Ihr persönliches Testlabor?

So kann man das sagen. Am Anfang meiner Karriere habe ich mich immer geärgert, dass Holland so ein kleines Land ist. Aber ich musste schnell lernen, dass das ein Vorteil ist. Wenn etwas in Holland nicht funktioniert, dann hat es nicht so große Konsequenzen. Man ist flexibler, kann schneller etwas Neues probieren. Und Holland ist ein offenes Land, mit einer Gesellschaft, die gerne Grenzen überschreitet.

Welche Grenzen haben Sie, wenn es um die Entwicklung neuer Formate geht?
Meinen Sie moralische?

Ja.
Es gibt ganz klar moralische Grenzen, und das sind für mich auch die einzigen. Man kann das einfach umschreiben: Für mich ist nur wichtig, dass die Personen, die bei uns mitmachen, nicht beschädigt werden. Das steht und fällt mit dem Casting. Ein Beispiel: Wir haben vor Jahren das Format „All You Need Is Love“ entwickelt, in Deutschland bekannt als „Nur die Liebe zählt“. Da wollte ein junger Mann eine Videobotschaft loswerden. Allerdings war er so unsicher und zurückhaltend, dass ich beschloss, zunächst die Reaktion des Mädchens anzusehen. Die reagierte so knallhart und abweisend, dass ich mich gegen eine Ausstrahlung entschied.

Gab es während der holländischen Staffel von „Newtopia“ einen Moment, an dem Sie die Kameras lieber abgeschaltet hätten?

Nein, den gab es nicht. Wir leben schließlich im Jahr 2015 und haben ohnehin schon fast alles gesehen. Interessant ist, dass diese Frage immer uns gestellt wird. News-Formate, die mittlerweile ungeniert Tötungen durch IS-Terroristen zeigen, müssen sich mit diesen moralischen Fragen höchst selten auseinandersetzen.

Interview: Nora Lysk

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