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00:15 14.09.2014
Von Imre Grimm
Quelle: dpa
München

Sein Haar war schlohweiß, lange schon. Die Brauen, die Schläfen. Nur die Augen blitzten bis zuletzt. Es war, als weigerten sie sich, mitzualtern. Und während Joachim „Blacky“ Fuchsberger nach sechs Jahrzehnten im Rampenlicht auf der Zielgeraden seines Lebens zum Kronzeugen des Alterns wurde, zum Sprachrohr von Millionen im Herbst ihrer Zeit auf der Suche nach einer Philosophie des Abschieds, blieben seine Augen beharrlich jung. Wenn sie der Spiegel der Seele sind, dann verrieten Fuchsbergers Augen, was bis zu seinem Tod am Donnerstag in seiner Villa in Grünwald bei München unter der Haut des 87-Jährigen steckte: ein neugieriger Junge, dem die Zeit an den Kragen will.

 ,Altwerden ist scheiße“

„Altwerden ist nichts für Feiglinge“, hat er 2010 sein bekanntestes Buch genannt. „Aber wenn ich beim Schreiben schon gewusst hätte, was da wirklich kommt“, sagte er im vergangenen Mai, „dann hätte ich es genannt: ,Altwerden ist scheiße‘.“ Klarer Satz, klare Kante, Augenzwinkern, Schalk und Charme. Die letzten Jahre waren hart für ihn: ein erster Schlaganfall 2003 auf der Bühne, dann starb 2010 sein Sohn Thomas mit 53 Jahren, sein Kompagnon und Gefährte, Road Manager der gemeinsamen TV-Reportagen in Australien. Er stürzte, einer Diabateserkrankung wegen, in Kulmbach in einen Bach und ertrank. „Tommy sagte oft: Daddy, take it easy“, sagte Fuchsberger. „Wir hatten gehofft, dass das Sprichwort stimmt: Die Zeit heilt alle Wunden.‘ – Aber das tut sie nicht. Sie vernarben, aber der Schmerz bleibt.“

 Dann folgte im Sommer 2013 ein zweiter Schlaganfall, dazwischen Herzoperationen, nun ging es nicht mehr. „Die Organe haben versagt“, teilte seine Frau Gundel gestern mit. 60 Jahre lang stand sie ihm zur Seite, als Freundin, Managerin und „Navigationsgerät“, wie er sagte („Sehr oft hat sie gesagt: Wenn möglich bitte wenden“). Am 2. Dezember hätte das Paar seine Diamantene Hochzeit gefeiert.

Dann folgte im Sommer 2013 ein zweiter Schlaganfall, dazwischen Herzoperationen, nun ging es nicht mehr. „Die Organe haben versagt“, teilte seine Frau Gundel gestern mit. 60 Jahre lang stand sie ihm zur Seite, als Freundin, Managerin und „Navigationsgerät“, wie er sagte („Sehr oft hat sie gesagt: Wenn möglich bitte wenden“). Am 2. Dezember hätte das Paar seine Diamantene Hochzeit gefeiert.

 Nichts deutete darauf hin, dass aus dem eloquenten Sohn eines Linotype-Setzmaschinenvertreters einmal eine bundesrepublikanische Ikone werden würde. 1927 wurde Fuchsberger in Stuttgart geboren. Noch als Schüler wurde er zum Reichsarbeitsdienst verpflichtet und geriet dann, gegen Kriegsende, als blutjunger Fallschirmjäger an der Ostfront  Kriegsgefangenschaft. Einen Schulabschluss hat er nie gemacht. Sein Einsatzname damals: „Jackie“. Eine französisch sprechende Freundin machte daraus „Blacky“. Der Name blieb haften. Später erzählte er die Geschichte, wie er beim Bayerischen Rundfunk mal leicht angetüddelt für einen Kollegen einsprang und der Programmdirektor ihn ermahnt habe, vor den Livesendungen doch bitte keine „Blackies“ (Black & White-Whisky) mehr zu trinken. Wie auch immer: Blacky wurde zu Blacky.

Es folgte eine berufliche Tour de Force – Zechenarbeiter, Druckmaschinenmonteur, Werbemann, Dichter – bis er als Hörfunksprecher in München einstieg. Das war die Tür, die zum Schauspiel führte. 1954 machte ihn die Hauptrolle des blitzgescheiten Gefreiten Asch im Dreiteiler „08/15“ über Nacht bekannt. Und die Edgar-Wallace-Verfilmungen der sechziger Jahre trugen ihn dann endgültig zu Starruhm: als unerschrockener Beschützer von Witwen und Waisen, als smarter Inspektor Higgins in „Der Hexer“ (1964), „Der Mönch mit der Peitsche“ (1967) und „Im Banne des Unheimlichen“ (1968), als Detektiv Richard Gordon in „Der Frosch mit der Maske“ (1959), als Gutsverwalter (1963), Versicherungsagent (1961), reicher Schnösel (1962) und natürlich Inspektor Wade von der Flusspolizei (1962). 2007 nahm sich Fuchsberger dann selbst auf die Schippe in Bastian Pastewkas, Oliver Kalkofes und Oliver Welkes Edgar-Wallace-Kinoparodie „Neues vom Wixxer“.

1972 dann einer seiner schwierigsten Jobs: Als offizieller Stadionsprecher der Olympischen Spiele von München bekam er während der Schlussfeier am 11. September – wenige Tage nach dem Attentat der palästinensischen Terrororganisation „Schwarzer September“ auf die israelische Olympiamannschaft – die (falsche) Nachricht, dass sich ein Flugzeug möglicherweise in Terrorabsicht dem Stadion nähere. Evakuieren oder nicht? Hilflose Offizielle überließen Fuchsberger die Entscheidung. Er war dagegen, um eine Massenpanik zu verhindern.

Millionen liebten ihn dann als Moderator, vor allem in der ARD-Spielshow „Auf los geht’s los“ (1977–1986, wo er lange vor Harald Schmidt, Stefan Raab und Thomas Gottschalk kleine Fluchten aus der TV-Routine zelebrierte, in Hausschlappen und Nachthemd etwa, nach einer verlorenen Gottschalk-Wette. Sein Mittel: Witz, Chuzpe, Schlagfertigkeit, Mut zur Sperrigkeit. Doch die zunehmende Reibereien mit Kritikern und Kollegen zermürbten ihn. Zwischendurch zog er sich in seine zweite Heimat Australien zurück – bis zuletzt hatte er den deutschen und den australischen Pass–, die später zum Mittelpunkt seiner Reportagereihe „Terra Australis“ wurde. Zuletzt war er vor knapp einem Jahr in der ARD-Komödie mit dem programmatischen Titel „Die Spätzünder 2 – Der Himmel soll warten“ als rebellierender und rockender Seniorenresidenzbewohner zu sehen.

„Wenn man 87 ist, dann macht sich das Leben so langsam aber sicher aus dem Staub“, sagte er mal, mild lächelnd wie meist. Es ist nicht die Dauerpräsenz allein, die Fernsehmenschen zu Legenden macht. Sonst wäre mancher heute ein Mythos. Das passiert nur, wenn jemand seiner Ära präzisen Ausdruck verleiht, zu seiner Zeit ganz und gar in die Gegenwart passt. Fuchsberger tat das, vor allem, weil er immer die Fähigkeit behielt, sich selbst und die Welt aus wohlwollender, geerdeter Distanz zu betrachten. Krisen – wie die Depression 1978, als er von einem Schimpansen gebissen und wegen Hepatitis B vier Monate in der Klinik behandelt wurde – sah er als Wegschwellen des Lebens.

Dem Tod begegnete er mit Respekt, aber Akzeptanz und Offenheit. In einem Gedicht zum 85. Geburtstag 2012 schrieb er: „Aus hohlen Augen grinst er Dich an und sagt: Kommst Du freiwillig mit, alter Mann? / Wehren ist zwecklos, mach Dich bereit, für den letzten Schritt in die Ewigkeit. / Du schaust und legst zum Ende, in seine Hände Deine zitternden Hände. / Im brechenden Auge ein Hoffnungsschimmer, und dann gibste den Löffel ab – für immer.“ Sandra Maischberger, die ihn erst im April zu Gast hatte, würdigte ihn gestern als einen „großartigen Entertainer, der keine Scheu hatte, mit seiner Persönlichkeit auch anzuecken“. Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmornannte ihn einen „Grandseigneur der Fernsehunterhaltung“.

Was kommt danach, nach dem Sterben?, wurde „Blacky“ mal gefragt. „Nichts“, sagte Fuchsberger, der Agnostiker. „Für mich nichts. Da liegste flach. Da zündet noch einer ein Streichholz an, und das war’s dann.“

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