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18:11 08.02.2015
Bodensee-„Tatort“: Weinkenner Hans Lichius (Felix von Manteuffel, r.) belehrt Klara Blum (Eva Mattes) und Matteo Lüthi (Roland Koch). Quelle: ARD
Konstanz

Auch die zuvor gelösten Fälle wirkten eher bedächtig denn abendfüllend fesselnd. Doch mit „Château Mort“ gelingt wieder eine spannendere Kriminalgeschichte. Diese Folge des grenzüberschreitenden „Tatorts“ zeigt, was fehlen wird, wenn es ab 2016 keine Folgen mehr aus Konstanz mit Thurgau geben wird.

Im aktuellen Fall geht es um die Frage, die sich einige vermögende Deutsche in den vergangenen Monaten gestellt haben dürften: Wohin mit dem Schwarzgeld, das Steuerflüchtlinge seit Kurzem nicht mehr sicher bei Schweizer Banken parken können? Da bietet es sich an, in Antiquitäten, Gemälde oder andere Raritäten zu investieren. Ein paar Flaschen eines 170 Jahre alten, überaus wertvollen Hochzeitsweins einer berühmten Dichterin ist durchaus eine Option für die Zwischenlagerung unversteuerter Gelder. So beginnt die Jagd nach den „Tränen der Annette von Droste-Hülshoff“.

Dramaturgie-Experiment kurz vor dem Ende

Matteo Lüthi (Roland Koch) von der Thurgauer Polizei ist auf der Spur von Steuerflüchtlingen und kreuzt dabei die Wege von Klara Blum (Eva Mattes) und Kai Perlmann (Sebastian Bezzel). Die müssen den Mord an einem jungen Arbeitslosen aufdecken, dessen Leiche mit einem Rucksack voller Weinflaschen im Bodensee aufgetaucht ist. Die Ermittler beschließen, auf dem kleinen Dienstweg zusammenzuarbeiten, und befragen Weinkenner-Papst Hans Lichius (Felix von Manteuffel) und Auktionshauschefin Susann Tobler (Sibylle Canonica).

Da es offenbar nicht ausreicht, dass Weinfälschung, Schwarzgeld und Mord in Zusammenhang stehen, ist auch die geplatzte Hochzeit der Annette von Droste-Hülshoff („Der Knabe im Moor“, „Die Judenbuche“) im Jahr 1848 mit dem aktuellen Fall verknüpft. Der  Regisseur Marc Rensing lässt die Erzählung auf kreative Weise zwischen Badischer Revolution und Gegenwart hin- und herspringen. Versucht sich der Bodensee-„Tatort“ hier kurz vor dem Ende noch an einem Dramaturgie-Experiment nach der Fasson des zuletzt höchst erfolglosen Ulrich-Tukur-Krimis?

Zu abrupt, zu holprig und lustlos

Bei all den verschiedenen Themen und Handlungssträngen dauert es allerdings knapp die Hälfte der gesamten Folge, bis die Gemengelage vor dem Auge des Zuschauers ausgebreitet ist. Bis dahin könnte der Kopfmensch an der schieren Komplexität der Erzählung seinen Spaß haben.

Doch dann versuchen die Drehbuchautoren auch noch die Herzmenschen glücklich zu machen. Allerdings gelingt es Regisseur Rensing und Drehbuchautor Stefan Dähnert nicht, Poesie in das Zusammenspiel der Protagonisten zu hauchen: Dass Klara Blum plötzlich einen Kollegen küsst, ist nur eine der Szenen, die stutzig machen. Zu abrupt, zu holprig kommt diese Annäherung. Derartige Szenen sind der Grund, weshalb dieser „Tatort“ abgesetzt wurde. Eva Mattes wirkt manchmal lustlos. Vielleicht ist sie der Rolle der Klara Blum nach so vielen Jahren einfach etwas überdrüssig. Das Drehbuch, dessen Ansatz mit der „neuen Art der Steuerhinterziehung“ angenehm aktuell ist, hat im menschlichen Bereich seine Schwächen – immer wieder. Womit ein elementarer Teil in einem packenden Krimi fehlt: menschliche Abgründe oder charakterliche Stärken zu beleuchten, ohne Vorschlaghammerpsychologie.

Da das Ende des Konstanzer „Tatorts“ besiegelt ist, bewegt die Menschen im Süden momentan vor allem die Suche nach dem neuen Schauspielort. Bereits jetzt rangeln Baden-Baden, Freiburg, Ulm und das kleine Bad Wildbad um die Nachfolge. Es wäre schade, wenn es dann keine schweizerisch-deutschen Ermittlungen mehr geben würde.

Von Matthias Pöls

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