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22:33 18.09.2014
Ein Gewächs der früheren Innovationskultur bei den dritten Programmen: Harald Schmdit. Quelle: dpa (Archiv)

Auf den ersten Blick mögen Günther Jauch, Harald Schmidt, Jürgen von der Lippe, Hape Kerkeling, Frank Plasberg und Friedrich Küppersbusch außer ihrem Ruhm nicht viel gemeinsam haben. Tatsächlich aber weisen die beruflichen Biografien der TV-Stars eine ganz entscheidende Parallele auf: Ihre erste Fernsehbühne war das dritte Programm. Doch das ist lange her. Wenn die Dritten in den nächsten Wochen und Monaten ihr fünfzigjähriges Bestehen feiern, werden sich manche Zuschauer womöglich wehmütig an jene Jahre erinnern, als die Regionalprogramme noch der Talentschuppen der ARD waren.

Anfangs hatten die Sender eine völlig andere Ausrichtung als heute. Das „Dritte“ des Bayerischen Rundfunks zum Beispiel startete als „Studienprogramm“ und machte dieser Bezeichnung auch alle Ehre: In den Anfangsjahren sollten die Sender in erster Linie den Bildungsauftrag erfüllen. Vormittags wurde fast nur Schulfernsehen veranstaltet. Erst 1973 gab der BR dem Programm den Namen „Bayerisches Fernsehen“.

Letztlich verdanken die Programme ihre Existenz dem ZDF: Als das „Zweite“ 1963 auf Sendung ging, wurde das erste Programm populärer gestaltet. Den Bildungsauftrag delegierte die ARD an die Dritten. In den frühen siebziger Jahren dann begann der Bayerische Rundfunk als erste ARD-Anstalt, sein Regionalprogramm nicht mehr in erster Linie als Ergänzung zum Ersten zu verstehen. Diese Entwicklung zu einem Vollprogramm mit verstärktem Unterhaltungsanteil vollzog sich anschließend überall.
Mit den ersten Erfolgen des Privatfernsehens besannen sich die Programme dann auf einen Bereich, in dem sie gegenüber allen anderen Sendern ein Alleinstellungsmerkmal besaßen: die regionale Information. Vonseiten der Politik mussten sie keinen Einspruch befürchten, denn die im Überregionalen eher selten präsenten Landespolitiker hofften in ihren jeweiligen Landesprogrammen auf größere Fernsehpräsenz. Die Fragmentierung des Fernsehmarktes hat diese Tendenz natürlich noch verstärkt.
Erfolgreichstes Drittes im eigenen Sendegebiet ist der MDR; der Marktanteil betrug im ersten Halbjahr 2014 8,7 Prozent. Bundesweit lagen WDR und NDR mit 2,4 Prozent gleichauf. Mit einem Durchschnittsalter von 65 Jahren haben die Regionalprogramme von allen öffentlich-rechtlichen Sendern das älteste Publikum. Ihre vermeintlichen Interessen versuchen alle Dritten zu bedienen: Trost, Rat, Heimat, Schlager, Landidyll.

In den siebziger und achtziger Jahren dagegen wurden die Dritten noch als Versuchslabor für jugendliche Sendungen wie „Extra drei“ (NDR), „Schmidteinander“ (WDR) oder „Live aus dem Alabama“ (BR) genutzt, die im Ersten keine Chance gehabt hätten. Hier etablierte sich auch das für das deutsche Fernsehen noch ungewohnte Talkshowgenre. Innerhalb weniger Jahre profilierten sich alle  Dritten mit Gesprächssendungen, die regelmäßig für Aufsehen sorgten und Vorbildfunktion hatten: „Je später der Abend“ vom WDR, „3 nach 9“ von Radio Bremen, die „NDR Talkshow“. Radio Bremen setzte darüber hinaus mit seinem Regionalmagazin „Buten un binnen“ Maßstäbe, die bis heute gelten. Doch die Innovationskraft kam den ARD-Töchtern abhanden. Ein neuer Harald Schmidt ist nicht in Sicht. Im Grunde ist das 1998 gestartete Politmagazin „quer“ (BR) die letzte echte Innovation eines dritten Programms.

Seit einiger Zeit trauen sich die Sender immerhin zumindest vereinzelt, auch junge Zuschauer stärker anzusprechen. Der SWR versucht das zum Beispiel erfolgreich mit dem von Pierre M. Krause moderierten Magazin „SWR3latenight“. Comedy- und Kabarettsendungen erreichen ohnehin ein eher jüngeres Publikum. Der NDR schaffte das Kunststück, mit seiner fast stiefmütterlich im Programm versteckten Serie „Der Tatortreiniger“ zweimal hintereinander den Grimme-Preis zu gewinnen. Davon abgesehen jedoch regiert eine Maxime, die mit Ausnahme von Einsplus und ZDF Neo für praktisch alle Vollprogramme von ARD und ZDF gilt: bloß keine Experimente.

Tilmann P. Gangloff

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