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00:15 28.02.2014
Kammerspiel um Kontrollverlust: Christian Wulff (Kai Wiesinger) mit Ehefrau Bettina (Anja Kling). Quelle: SAT.1

Was weiß man wirklich über die wörtliche Kommunikation zwischen Christian und Bettina Wulff während dieser letzten 68 Tage im Amt?
Zwangsläufig wenig. Was das Ex-Präsidentenpaar unter vier Augen besprochen hat, ob sie sich mehr stritten oder mehr – wie am Abend im Film gezeigt – aneinander festklammerten, muss über weite Strecken Fiktion bleiben. Die Wulffs haben nicht am Film mitgewirkt, und auch Bettina Wulffs Selbstenthüllungsbuch „Jenseits des Protokolls“ ist nicht Teil des Drehbuchs. Das hinderte Kai Wiesinger und Anja Kling allerdings nicht daran, glaubwürdig ein Paar in der Krise darzustellen – im doppelten Sinne. Bettina-Darstellerin Kling will nicht spekulieren, ob die Wulffs eine Chance gehabt hätten, ihre Ehe zu retten: „Man weiß ja, wie es ausgegangen ist.“

Wurde das Verhältnis zwischen Wulff und seinem Berater Olaf Glaeseker im Film zutreffend dargestellt?
Wulff macht seine Fehler im Film einsam, Glaeseker wird zunehmend nicht mehr um Rat gefragt, sondern nur noch als Prügelknabe benutzt – „nah an der Wahrheit“, findet das der Glaeseker-Darsteller Holger Kunkel. Glaeseker hatte mit ihm ein langes Gespräch geführt. Als Wulff kurz vor Weihnachten seinen Berater feuert, macht der sich mit einem fulminanten Monolog Luft. Wulffs Unbelehrbarkeit habe „ihm schon in Hannover keine Freunde gemacht“, wütet Glaeseker. „Trotzdem war es schön, ihn groß zu machen.“ Nicht unwahrscheinlich, dass Glaeseker diese Sätze direkt ins Drehbuch hat schreiben lassen.

Nico Hofmann, Chef der Produktionsfirma UFA Fiction, wünscht sich, dass „jeder, der in dem Film gezeigt wird, damit etwas anfangen kann“. Gilt das für jeden? Oder gibt es Interpreten realer Figuren, die etwas weiter vom „Original“ abweichen?
Einige Mitwirkende machten von ihrem Recht Gebrauch, nicht namentlich im Film aufzutauchen, da sie eher Randfiguren und damit nicht Personen der Zeitgeschichte seien. Wulffs Sprecherin Petra Diroll kommt nur als „die Sprecherin“ vor, der Protokollchef bleibt namenlos. Und Wulffs Kreditgeberin Edith Geerkens setzte durch, dass Zeitungsbilder von ihr nur verpixelt gezeigt werden.

Regisseur Thomas Schadt betont: „Für jede Szene gibt es jemanden, der bezeugen kann, dass es etwa so abgelaufen ist.“ Gilt das auch für die Anekdote mit den Schoko-Nikoläusen?
Das ist unklar. Der Präsident hat einen größeren Schoko-Nikolaus als seine Berater, doch die „Bild“-Reporter haben den allergrößten. So sind die Machtverhältnisse gleich zu Beginn der Geschichte klar und platt symbolisiert. Der gefeuerte Glaeseker schmeißt später beim Aufräumen den angestaubten, aber nicht einmal angeknabberten Nikolaus in den Papierkorb. Vielleicht hat er das so erzählt, vielleicht ist es Fiktion. Die Schoko-Nikoläuse erfüllen vor allem eine Funktion: Da fast ausschließlich in Büros gedreht wird, gäbe es sonst kaum einen Hinweis auf die Jahreszeit. Und der Film beginnt nun einmal am 5. Dezember, also im Advent.

„Bild-“Chefredakteur Kai Diekmann kritisierte per Twitter, dass er von Hans-Jochen Wagner gespielt wird („Hans-Jochen wer? Ich hatte mir für mich so sehr Matthew McConaughey gewünscht!“). Wie gut ist Diekmann getroffen?
Was Kai Diekmann vielleicht noch mehr ärgerte: Er hat nur einen Miniauftritt. Der allerdings hat es in sich. Der Film-Diekmann ist hundertmal schmieriger, als es der reale „Bild“-Kommandeur selbst zu seinen ölreichsten Haareszeiten war. Grinsend drückt er den Anruf Wulffs weg, telefoniert lieber weiter mit seiner Redaktion, die Mailbox springt an. Ab diesem Moment ist klar, wer hier wen in der Hand hält.

Das Magazin „Der Freitag“ schrieb, die Residenz in Kuwait sehe aus, „wie sich ein deutsches Möbelhaus den Orient vorstellt“. War die Ausstattung der Schauplätze glaubwürdig?
Das Kammerspiel um Macht- und Kontrollverlust nimmt zum Großteil in öden Büros seinen Lauf, die das Präsidialamt darstellen sollen. Riesig und unbehaust wirkt das Präsidentenarbeitszimmer in Bellevue, vollgestellt und deplatziert die Hinterzimmer der Golfpaläste. Der einzige wirklich menschliche Ort im Film ist ironischerweise die Küche der wulffschen „Klinkerhölle“ in Großburgwedel.

„Ohne diese Faktengenauigkeit wäre der Film nicht möglich gewesen“, sagt auch Produzent Nico Hofmann. Mit wem wurde denn im Vorfeld gesprochen?
Regisseur Schadt und sein Berater Jan Fleischhauer vom „Spiegel“ sprachen natürlich mit den „Bild“-Reportern Martin Heidemanns und Nikolaus Harbusch, auf deren Buch „Affäre Wulff“ der Film basiert. Darüber hinaus sagen sie nicht, wer beteiligt war. „Das haben wir unseren Gesprächspartnern versprochen“, erklärt Schadt. Klar ist nur: Glaeseker war dabei, die Wulffs nicht.

Weicht der Film der Frage aus, ob Wulff sich schuldig gemacht hat? Und kam er nur zwei Jahre nach der Affäre vielleicht zu früh?
Christian Wulff sei kein Opfer der Medien, sagt Regisseur Schadt, „weil er eine Eigenverantwortung für seine Handlungen und sein Krisenmanagement hatte“. Auf die Fragen nach seinem Hauskredit reagiert er mit einer Mischung aus Unverständnis und Bockigkeit („Was wollen die von mir?“), sowohl seine Salamitaktik als auch der Versuch eines Befreiungsschlags („Ich stelle alles ins Netz“) heizen die Affäre erst richtig an. Um juristische Schuld geht es dem Film nicht. Ihm geht es vordergründig um den Kampf eines Politikers mit den Medien, hauptsächlich aber um die Erosion der Beziehungen der Bellevue-Besatzung untereinander. Keine Helden, keine Schuldfrage – und keine Läuterung.

Von Jan Sternberg

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