Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Medien Band gesucht
Mehr Welt Medien Band gesucht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
09:50 27.02.2014
Von Imre Grimm
Wer wird für Deutschland beim Eurovision Song Contest 2014 antreten? Das sind die Kandidaten. Quelle: Handout
Hamburg

Grand Prix? – da hat ja schon wieder jemand „Grand Prix“ gesagt, eine Journalistin, nichts ahnend. „Grand Prix?!“, keckert Barbara Schöneberger. „Dafür hätte Ihnen der ARD-Unterhaltungsschef Thomas Schreiber jetzt schon gekündigt!“ Also: Es heißt Eurovision Song Contest. Ein für alle Mal. EU-RO-VI-SION-SONG-CON-TEST. Und an Schöneberger führt dabei in diesem Jahr kein Weg vorbei: Die 39-Jährige moderiert nicht bloß den deutschen Vorentscheid „Unser Song für Dänemark“ am 13. März in Köln. Sie ist auch Gastgeberin der ESC-Finalparty am 10. Mai auf der Hamburger Reeperbahn. Und sie führt am Donnerstagabend durch das Livekonzert im Hamburger Klub „Edelfettwerk“, wo der letzte Startplatz für den Vorentscheid vergeben wird. Das NDR Fernsehen, EinsPlus sowie eurovision.de übertragen ab 22 Uhr live.

EinsPlus – den der SWR gerade zum Jugendsender umwandelt – unternimmt dabei ein Social-Media-Experiment: Auf dem Bildschirm werden parallel zur Show Instagram-Fotos, Tweets oder
Facebook-Kommentare eingeblendet. Man spricht vollmundig von einem „einzigartigen interaktiven Liveerlebnis“, das es „so im deutschen Fernsehen beim ESC noch nie“ gegeben habe. Nun ja.

Das Klubkonzert ist quasi ein Vorentscheid zum Vorentscheid. Der NDR hat damit die Möglichkeit geschaffen, gleich siebzehn Bewerbern eine Chance zu geben; aufgeteilt in zehn fröhliche Halbamateure am Donnerstagabend sowie sieben etabliertere Profiacts, die ihr Ticket für den Vorentscheid am 13. März live in der ARD schon in der Tasche haben.

In Köln sind dabei: der etwas eckige Berliner Grübelkünstler Das Gezeichnete Ich, dann Madeline Juno – die seit ihrem Titelsong zum Kinohit „Fack Ju Göhte“ die Runde macht –, die Pop-Harfinistin MarieMarie, die Hamburger Kosmopolitin Oceana – die 2012 den offiziellen Fußball-EM-Song „Endless Summer“ lieferte –, die schleswig-holsteinischen Seeräuberjungs und Shanty-Neuerfinder von Santiano, die Retro-Rock’n’Roller The Baseballs, die noch aus dem allerletzten Diskoheuler eine Chuck-Berry-Nummer basteln – und natürlich Unheilig, der prominenteste Bewerber in diesem Jahr. Fraglich allerdings, ob das lyrisch-leidende Pathosgebrummel des Grafen mit dem Dreiecksbärtchen auf die europäische Kitschbühne passt. Der ehemalige Hörgeräteakustiker und Zeitsoldat Bernd Heinrich Graf ließ seine Facebook-Fans darüber abstimmen, ob sich Unheilig in die ESC-Mühle begeben sollte. Von 33 430 Teilnehmern stimmten 31 265 mit Ja. Das klingt so unmissverständlich, als habe der ADAC seine Finger im Spiel gehabt. Nun ist der Graf also Favorit.

Das Klubkonzert am Donnerstag ist ein Versuch, die „Marke ESC“ weiter aufzufächern. 2240 Künstler hatten sich beworben. „Wir haben versucht, die richtige Mischung aus ganz jungen Talenten und Newcomern zu finden“, sagt Schreiber. Das Ergebnis ist ein sehr junger, aber charmanter Mix. Mit dabei sind Singer/Songwriterin Cassie Greene, das Trio Elaiza, der 21-jährige Gitarrist Max Krumm, die 16-jährige Multiinstrumentalistin Melanie Schlüter, Straßenmusiker Simon Glöde und die Kölner Sängerin Valentina. Für einen Schuss Internet-Credibility sorgen die beiden jungen YouTube-Hoffnungen Nicole Milik und Ambre Vallet.

Es wird freilich – nach dem ziemlich unglamourösen 21. Platz für die Diskobombe Cascada („Glourious“) 2013 in Malmö – nicht ganz leicht, das deutsche Publikum aus der Reserve zu locken. Noch sind – nach den Herzblut-Jahren mit Stefan Raab und dem Triumph von Lena 2010 als Höhepunkt – die Katerjahre im Gang. Schöneberger, deren Verpflichtung ein Glücksgriff ist, müht sich redlich, als lebende Leuchtkraftverstärkerin für den ESC zu trommeln. Allein, es fehlt an emotionalen Anknüpfungspunkten. „Der ESC hat sich gut und zeitgemäß verändert“, lobt sie. „Er war ja Schlager, dann wurde es vor zehn Jahren sehr homosexuell special-interest-mäßig. Und dank Stefan Raab wurde er in ein neues Zeitalter geführt. Heute ist das ein moderner Wettbewerb, der total up to date ist.“

Das entspricht vollständig den Fakten. Aber „moderner Wettbewerb“? Das klingt so nach routinierter Leblosigkeit, nach Sponsorenfähnchen, Plastikbechern und braven Künstlern. Der ESC aber funktioniert nicht wie ein Pferderennen, wo es vollkommen ausreicht, wenn alles so ist wie immer. Wenn die Pferdchen im Kreis laufen und am Ende eines gewinnt. Der ESC muss sich häuten, winden, neu erfinden. Ein Thema muss her, das aus dem Spektakel mehr macht als ein Wettsingen. Nur noch 3,24 Millionen Zuschauer verfolgten 2013 den deutschen Vorentscheid. Und auch beim ESC-Finale gehen die Quoten zurück: Sensationelle 14,7 Millionen Menschen hatten 2010 Lenas Sieg in Oslo gesehen, gefolgt von 13,89 Millionen Menschen beim Heim-ESC in Düsseldorf 2011. Dann ging’s auf Sinkflug: 8,29 Millionen Zuschauern sahen 2012 zu, 8,21 Millionen waren es 2013. Zeit für einen Künstler, der mal wieder eine Geschichte erzählt beim Grand Prix. Verzeihung: beim Eurovision Song Contest.

Die Sendungen

  • Wer darf zum Vorentscheid? Das Klubkonzert aus Hamburg: Heute, 22 Uhr, NDR Fernsehen und EinsPlus
  •  „Unser Song für Dänemark“ – Der deutsche Vorentscheid aus Köln: Donnerstag, 13. März, 20.15 Uhr, ARD
  • Die ESC-Halbfinals in Kopenhagen: Dienstag, 6.  Mai, und Donnerstag, 8. Mai, jeweils 21 Uhr
  •  ESC-Party aus Hamburg und „ESC 2014 – Das Finale“ aus Kopenhagen: Sonnabend, 10. Mai, 20.15 Uhr, ARD

Leise rieselt das TV-Programm: Zu Weihnachten zeigen die Sender wieder Perlen, die man das Jahr über auch gern mal sähe. Die HAZ gibt ihnen einen Überblick über die sehenswerten Programmpunkte.

06.01.2016

Viele kennen das: In der Küche stapeln sich die leeren Pfandflaschen, die man eigentlich längst mal zum Supermarkt zurück bringen müsste - und immer wieder vergisst. Die Online-Plattform pfandgeben.de bietet die Möglichkeit, das Leergut an Flaschensammler zu spenden.

29.02.2016

Der Apple-Konzern lockert seine strenge Vorgaben für die Entwickler von Apps für iPhone und iPad. Vorgaben zur Verwendung bestimmter Programmier-Werkzeuge fallen demnach künftig weg. Das Geheimnis um die Auswahl der Mini-Programme bleibt wohl aber weiter ungelüftet.

29.01.2016