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Welt „In Deutschland gibt es Alltagsrassismus“
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06:21 30.07.2018
Teilnehmer des CSD in Köln halten ein Plakat gegen Rassismus Quelle: imago/Ralph Peters
Berlin

Die im Internet unter dem Schlagwort #MeTwo gesammelten Rassismuserfahrungen befeuern auch im politischen Berlin die Debatte über Fehler und Versäumnisse bei der Integration.

In Deutschland gebe es Alltagsrassismus, „das zeigen auch die vielen #MeTwo-Schilderungen ganz eindeutig“, sagte die Inte­grationsbeauftragte der Bundesregierung, Annette Widmann-Mauz, dem RND. Die CDU-Politikerin sieht jeden einzelnen Bürger in der Pflicht. Von allen sei „eine klare Haltung gefragt“, so Widmann-Mauz. „Das fängt bei der Sprache an, geht über ein klares Nein zu Diskriminierung in der Schule, bei Bewerbungen, am Arbeitsplatz bis in den Alltag eines jeden von uns.“ Es brauche eine „Kultur des Widerspruchs“.

SPD zeigt sich selbstkritisch

Nach Ansicht von Michael Roth, Staatsminister im Auswärtigen Amt, offenbaren die unter #MeTwo veröffentlichten Rassismuserfahrungen „einen großen Schmerz, den wir nicht einfach ignorieren oder relativieren dürfen“. Selbstkritisch räumte der SPD-Politiker ein: „Trotz aller Erfolge rächt sich, dass wir niemals in Deutschland eine breite gesellschaftliche Verständigung darüber gesucht haben, was uns zusammenhält.“ Es müsse die Frage verhandelt werden, wie viel Gemeinsamkeit in einer immer bunter werdenden Gesellschaft nötig und wie viel Vielfalt möglich sei, so Roth. „Politik muss weniger technisch und abwehrend, sondern stärker empathisch und einladend argumentieren“, forderte Roth.

Grünen-Chef Robert Habeck warnte vor einer „emotionalen Ausbürgerung“. „Die Gesellschaft fällt in lauter Grüppchen und Individuen auseinander“, sagte Habeck dem RND. „Zu viele fühlen sich nicht verstanden, gesehen und anerkannt – nicht selten sind es Menschen mit Migrationsgeschichte.“ Man dürfe sie deshalb nicht ausgrenzen. „Im Land ihrer Vorfahren gelten sie als Deutsche, hier aber ist es genau umgekehrt. Solche Erfahrungen können heimatlos machen.“

Nur ein „erster Schritt“

Die FDP fordert einen stärkeren Fokus auf positive Beispiele. „Es braucht mehr sichtbare Vorbilder für gelungene Integration – etwa im öffentlichen Dienst – und mehr gegenseitige Wertschätzung“, sagte der FDP-Bundestagsabgeordnete Konstantin Kuhle. „Wir müssen uns stärker bemühen, Menschen mit Migrationshintergrund zu Verbündeten beim Eintreten für das demokratische Gemeinwesen zu machen.“

Die Türkische Gemeinde in Deutschland begrüßte die #Me­Two-Initiative. Sie sei aber nur „ein erster Schritt“ hin zu einer breiteren Diskussion über Rassismus, sagte ihr Vorsitzender Gökay Sofuoglu. Auch er hat eigene Diskriminierungserfahrungen geteilt. „Es ist erstaunlich, wie die Erfahrungen der Menschen von einigen relativiert und in Abrede gestellt werden“, sagte Sofuoglu. „Allein das zeigt, dass wir eine Debatte über Rassismus führen müssen.“

Von Marina Kormbaki

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