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Letztes Hilfspaket für Griechenland beschlossen

Rettung vor Abschluss Letztes Hilfspaket für Griechenland beschlossen

Das Rettungsprogramm für Griechenland steht nach nunmehr acht teils dramatischen Jahren vor dem Abschluss. Der Finanzminister des Landes beschwört das Ende der griechischen Krise – und spricht von einem historischen Moment.

Eine EU-Flagge und griechische Flaggen wehen in Athen. Die Griechenland-Rettung geht nach acht Jahren zu Ende.

Quelle: dpa

Athen. Griechenland soll ein letztes Hilfspaket bekommen und ab August finanziell wieder eigenständig sein. Darauf einigten sich die EU-Finanzminister in der Nacht zum Freitag nach zähen Verhandlungen. Der Kompromiss sieht vor, Griechenland um zehn Jahre verlängerte Laufzeiten für die Kreditrückzahlungen zu gewähren, wie Eurogruppenpräsident Mário Centeno sagte. Damit verschafft sich Athen eine finanzielle Atempause. Das Land erhält außerdem eine letzte Hilfstranche von 15 Milliarden Euro.

Ziel ist, dass Griechenland zum Abschluss des dritten und letzten Rettungsprogramms ab 20. August aus eigener Kraft an Kapitalmärkten überleben kann. In den jüngsten Tagen schien eine Einigung auf das letzte Hilfspaket für Griechenland zum Greifen nahe, doch zogen sich die Gespräche der EU-Finanzminister über Donnerstag hinaus hin. Am frühen Freitagmorgen teilte ein ranghoher Vertreter einer EU-Nation schließlich mit: „Ja, der Deal ist da.“

„Das ist das Ende der griechischen Krise“

Griechenlands Finanzminister Euklid Tsakalotos zeigte sich zufrieden: „Es hat ein bisschen länger gedauert als erwartet, aber es ist sehr gut ausgegangen“, sagte er. „Ich denke, das ist das Ende der griechischen Krise ... ein historischer Moment.“

Im Laufe der acht Jahre langen Rettungsaktionen der Eurozone und internationaler Geldgeber bekam Griechenland rund 275 Milliarden Dollar an Finanzhilfen. In diesem Zeitraum sei das Land zwei Mal gefährlich nahe an einem Ausschluss aus der Eurogruppe gewesen, resümierte EU-Finanzkommissar Pierre Moscovici.

Im Gegenzug für die Hilfen hat sich Athen zu strikten Spar- und Reformmaßnahmen verpflichtet. Diesen Kurs soll das Land auch nach Ende der Rettungsprogramme im Sommer fortsetzen, was die Geber gründlich überprüfen werden. Auf Jahrzehnte hinaus muss Athen hohe Haushaltsüberschüsse erzielen. Die straffen Sparvorgaben haben die Finanzen vieler griechischer Bürger belastet und für einen tiefen Graben zwischen Athen und vielen EU-Staaten gesorgt.

Moscovici sprach denn auch von „enormen Opfern“, die gebracht worden seien. „Immerhin wird Griechenland nach acht Jahren schwieriger Reformen, harter Anpassungen in unseren Programmen in der Lage sein, auf seinen eigenen Beinen zu stehen“, erklärte er.

Letztes Hilfspaket mit weiterer Wirtschaftsreform verbunden

Auf dem Weg in das Marathontreffen hatte Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire Griechenland zugute gehalten, „seinen Job erfüllt zu haben.“ So habe sich das Land an seine Verpflichtungen gehalten.

Einer der Knackpunkte bei den Verhandlungen drehte sich um die Frage, wie Griechenland noch mehr Zeit für die Begleichung seiner Schulden eingeräumt werden kann - und dabei sichergestellt wird, dass die Kreditrückzahlungen nicht die Konjunktur lähmen. Seit Beginn der Schuldenkrise Ende 2009 ist die Wirtschaft des Landes bereits um rund 25 Prozent eingebrochen. Und Wachstum gilt als Schlüsselelement für den Abbau des Schuldenbergs.

Um den Deal über das letzte Hilfspaket möglich zu machen, hatte das Parlament in Athen vergangene Woche weitere Wirtschaftsreformen verabschiedet, die Geldgeber verlangt hatten. Dazu gehören erneut Rentenkürzungen sowie Steuerreformen.

Finanzminister Tsakalotos zeigte sich optimistisch, dass sein Land sich „sehr bald“ zu handhabbaren Zinsen Finanzmärkte erschließen könne. Der genaue Zeitpunkt sei aber noch unklar.

Von RND/dpa