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Kultur Willkommen im La La Land: Sing mal wieder!
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14:40 24.02.2017
Können auch tanzen: Emma Stone und Ryan Gosling in La La Land. Quelle: Studiocanal GmbH/ Dale Robinette
Hannover

Wer im Stau steht, ist zum Nichtstun verdammt und sollte sich den eigenen Nerven zuliebe dem Schicksal ergeben. Vielleicht gibt’s aber auch noch eine andere Möglichkeit: In dieser ganz besonderen Blechlawine in Los Angeles öffnen sich alsbald Autotüren, treten Menschen auf die Fahrbahn, recken sich, proben erste Tanzschritte, der ein oder andere wagt sogar einen Salto auf dem Autodach, und bald singen alle lauthals um die Wette.

Mitten im Stillstand ist die Lust auf Bewegung und Gesang ausgebrochen. Ganz kurz begegnen sich auf dem Asphalt auch zwei Menschen, die sich später ineinander verlieben werden. Aber das wissen nur wir Zuschauer, nicht die beiden.

Das moderne Kino hat das Tanzen weitgehend verlernt

Reine Träumerei das alles? Genau! „La La Land“ von Damien Chazelle ist eine Einladung zum Träumen im Hier und Jetzt. Der Regisseur hat ja selbst zu träumen gewagt und ein Musical inszeniert. Dabei hat das moderne Kino – abgesehen vielleicht von Bollywood – das Tanzen doch weitgehend verlernt.

Fred Astaire und Ginger Rogers, Gene Kelly und die gerade verstorbene Debbie Reynolds: Diese Paare gehören einer weit, weit entfernten Vergangenheit an. Hollywood lernte zu tanzen, als der Tonfilm erfunden wurde, und flüchtete bald schon vor der Weltwirtschaftskrise Ende der Zwanzigerjahre in Revue-Märchen. Spätestens mit dem Niedergang des Studiosystems aber verschwand dieses Kinogenre wieder von der Leinwand.

Romantik und Realität spielerisch leicht verquickt

Einzelne Regisseure versuchten später immer wieder, das Musical zu reaktivieren, zum Beispiel Jacques Demy mit „Die Regenschirme von Cherbourg“ (1964), Martin Scorsese mit „New York, New York“ (1977), Woody Allen mit „Alle sagen: I love you“ (1996) oder Rob Marshall mit „Chicago“ (2002). Aber kaum einer hat dabei Romantik und Realität so spielerisch leicht verquickt wie nun der US-Regisseur (außer natürlich „Hair“-Regisseur Milos Forman).

Chazelle sorgte schon mit seinem Musikfilm „Whiplash“ vor drei Jahren gehörig für Furore, auch da zeichnete Justin Hurwitz für die Musik verantwortlich. Nun präsentieren die beiden eine ganz unironische, hingebungsvolle Hommage ans große Zeitalter der US-Musicals, ohne sich jedoch der Nostalgie zu ergeben. Dafür gab’s gleich sieben Golden Globes.

Im Strudel der Gefühle

In dem Stau in Los Angeles stecken auch die aufstrebende Schauspielerin Mia (Emma Stone), die ihr Geld einstweilen noch als Kellnerin in einem Café auf dem Gelände des Filmstudios Warner Bros. verdient, und der Jazzpianist Sebastian (Ryan Gosling), der allabendlich eine verhasste Setlist in einem Restaurant abarbeiten muss. Mia quält sich seit Jahren schon von einem demütigenden Vorsprechen zum nächsten. Sebastian träumt von seiner eigenen Jazzbar, kann deswegen das Improvisieren wieder mal nicht lassen und wird von seinem Chef schnurstracks entlassen (ausgerechnet von J. K. Simmons, dem sadistischen Musiklehrer aus „Whiplash“!).

Als sich der anfängliche Stau auflöst, prescht Sebastian wütend hupend an der für seinen Geschmack zu langsam startenden Mia vorbei. Jeder Tanz geht einmal zu Ende und das Leben dann ganz unromantisch weiter, so auch in diesem Film. Doch Mia und Sebastian treffen wieder aufeinander. Sie wehren sich zunächst gegen das, was mit ihnen passiert, aber allmählich lassen sie sich von ihren Gefühlen hinreißen.

Zwei, die gemeinsam ihre Träume verwirklichen

Irgendwann tanzen sie wie einst Astaire und Rogers in den glitzernden Sternenhimmel über L. A. – wenn auch nicht so gekonnt wie diese berühmten Vorbilder. Aber das schadet nichts, denn das Unperfekte machen sie locker durch Charme wieder wett (schon zweimal, in „Crazy Stupid Love“ und „Gangster Squad“, waren die beiden ein Leinwandpaar). Von nun an unterstützen sich Mia und Sebastian gegenseitig bei der Verwirklichung ihrer Träume.

Da ist der Film gerade zur Hälfte rum, fürs Happy End ist’s also noch viel zu früh. Chazelle, der auch das Drehbuch schrieb, treibt seine Geschichte ein Stück weiter und dockt erstaunlich unverkrampft an unsere Gegenwart an. Was, wenn sich Karriereträume nicht mit privatem Glück synchronisieren lassen? Was, wenn gerade die Erfüllung der beruflichen Ziele der großen Liebe im Wege steht?

Bis zum bitterzarten Finale

Mag dieser Film auch „La La Land“ heißen, der Regisseur stürzt seine „törichten Träumer“ (Mia) in heftige Konflikte und Missverständnisse. Weil Chazelle aber weiß, dass Kinozuschauer in einem Musical am liebsten bis zum Ende träumen, hat er sich ein bitterzartes Finale ausgedacht, in dem sich Freude und Schmerz elegant die Waage halten.

Emma Stone und Ryan Gosling sollten jedenfalls schon mal ein paar Tanzschritte für die Oscar-Verleihung einstudieren, denn diese glücklich machende Wiederbelebung des Musicals steht ganz weit oben auf der Favoritenliste.

Von RND/Stefan Stosch

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