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Kultur Anderson zeigt „The Grand Budapest Hotel"
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19:04 06.02.2014
Von Stefan Stosch
Auftakt der Berlinale: „The Grand Budapest Hotel“ von Wes Anderson mit Ralph Fiennes, Tilda Swinton, Tony Revolori und Paul Schlase. Quelle: dpa (Screenshot)
Berlin

Den Beruf eines Festivalchefs muss man sich wohl so ähnlich wie den eines Hoteldirektors vorstellen: Der eine steht auf dem roten Teppich, der andere in der Lobby, beide begrüßen liebe Gäste persönlich. Je mehr anreisen, desto mehr fühlen sie sich als Gastgeber wertgeschätzt.
Berlinale-Direktor Dieter Kosslick jedenfalls hat sich am Donnerstagabend über gute Buchungszahlen freuen können: 1600 Gäste kamen zum Eröffnungsempfang. Zum Eröffnungsfilm „The Grand Budapest Hotel“ checkten Ralph Fiennes, Willem Dafoe, Jeff Goldblum, Bill Murray, Edward Norton und Tilda Swinton am Potsdamer Platz ein.

Angeführt wurden sie von US-Regisseur Wes Anderson, den Berlinale-Gänger schon von den Filmen „The Royal Tenenbaums“ und „Die Tiefseetaucher“ kennen. In acht Produktionen hat er inzwischen eine prominente Filmfamilie um sich geschart. Der Zuschauer hat diesmal aber Mühe, das ein oder andere Mitglied klar zu identifizieren. Einige haben Kürzestauftritte in abstrusen Verkleidungen: Tilda Swinton als runzelige, sexuell aktive Greisin oder Harvey Keitel als glatzköpfiger Knastbruder. Offenbar ist für sie alle die Arbeit mit Anderson ein besonderer Spaß: „Uns wurden Überstunden, niedrige Löhne und trockenes Brot versprochen“, flachste am Donnerstag Bill Murray, der auch bei „Monuments Man“, dem nächsten wichtigen Berlinalefilm auftritt.

Seiner einzigartigen Art, Geschichten zu erzählen, ist der stilbewusste Anderson diesmal treu geblieben. Er spielt mit dem Kino wie mancher Erwachsene mit der elektrischen Eisenbahn. Seine Stars versetzt er in eine detailverliebt ausgestattete Puppenstube.

Das titelgebende Hotel erinnert an eine Nobelabsteige der K.-u.-K-Monarchie, die in sozialistischer Tristesse versank und dann mit Barbie-Puppen-Charme aufgehübscht wurde. Gefunden hat Anderson dieses Jugendstilparadies nicht in der ungarischen Hauptstadt, sondern im sächsischen Görlitz. In dem Hotel tummeln sich ein Concierge (Ralph Fiennes) und sein Hotelboy (Tony Revolori), die in einen Erbschaftsstreit und ein paar Morde verwickelt werden. Aber die Geschichte ist nicht wichtig. Bei Anderson geht es ums Wie, nicht ums Was. Etwas aber ist neu: Die Stimmung bei dem Fest der Sonderlinge kippt bisweilen ins Bedrohliche. Die Schrecknisse des 20. Jahrhunderts hallen in Andersons Kunst-Welt wider. Nur wirkt diese Zeit verrutscht, verschoben. So stellen sich Amerikaner womöglich europäische Geschichte vor, wenn sie über verschrobenen Humor verfügen, in Fernsehdokus vom „Blitzkrieg“ hören und vielleicht schon mal in Budapest in einer Badewanne aus Kaisers Zeiten geplanscht haben. Inspirieren ließ sich der Regisseur nach eigenen Worten von Stefan Zweigs Erinnerungen „Die Welt von gestern“.
Für die 64. Berlinale war dieser Film ein toller Auftakt, zumal „The Grand Budapest Hotel“ um den Goldenen 
Bären konkurriert. Stargespickte US-Knüller laufen sonst eher außer Konkurrenz, weil sie zuvor anderenorts zu sehen waren. Das gilt unter anderem für „American Hustle“ (deutscher Kinostart: 
20. Februar), dekoriert mit zehn Oscar-Nominierungen. Im Wettbewerb ist nur ein anderer echter US-Kandidat gemeldet: Richard Linklaters Langzeitprojekt „Boyhood“.

Kosslick macht das Beste aus dieser Zweitverwertung. Wenn Hollywood die Berlinale allein für Werbezwecke nutzt, nutzt er eben Hollywood umgekehrt für die Berlinale und sucht im Wettbewerb nach Entdeckungen. Das kann schiefgehen, doch mit dem Bären- und späteren Oscar-Sieger Asghar Farhadi („Nader und Simin – Eine Trennung“) hatte er schon einmal einen guten Riecher.

Bei der Stardichte an diesem Wochenende versteht man Kosslicks Lockerheit jedenfalls. Auf die Frage, welche Berühmtheiten er 2014 erwarte, antwortete er: „Eigentlich alle. Bis auf ein paar.“

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