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Kultur Vor 200 Jahren starb Königin Luise
Mehr Welt Kultur Vor 200 Jahren starb Königin Luise
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18:26 18.07.2010
Von Kristian Teetz
Königinnen im Wald: Luise (links) und Friederike. Quelle: dpa

Popstars sind keine Erfindung der Moderne. Auch frühere Jahrhunderte kannten schon diese leuchtenden Menschen, die mehr waren als bloß öffentliche Personen, mehr als nur profane Herrscher.

Die preußische Königin Luise war ein Popstar auf dem Thron. Als sie heute vor 200 Jahren am 19. Juli 1810 im Alter von nur 34 Jahren in Hohenzieritz starb, trauerte zwar nicht wie beim Tod von Michael Jackson oder Lady Di die ganze Welt, aber zumindest Preußen hielt den Atem an. „Der Zulauf der Menschen war unglaublich“, schrieb Wilhelm von Humboldt an seine Frau Caroline über den Trauermarsch in Berlin. „Aber eine Stille, die man sich kaum vorstellt, man hörte nicht einmal das sonst bei großen Haufen fast unvermeidliche dumpfe Gemurmel.“

Wer war diese Frau, um die ein ganzes Land trauerte und die der zeitgenössische Dichter August Wilhelm Schlegel 1798 eine „Königin der Herzen“ nannte? Wer war die Frau, die Dichter und Künstler, Bürger und Hofstaat gleichermaßen begeisterte und über die Heinrich von Kleist 1810 schrieb: „Dein Haupt scheint wie von Strahlen mir umschimmert/Du bist der Stern, der voller Pracht erst flimmert/Wenn er durch finstre Wetterwolken bricht.“

Am Anfang steht Hannover, hier wird Luise von Mecklenburg-Strelitz am 10. März 1776 geboren. Ihr Vater dient dem Kurfürsten von Hannover, der als englischer König Georg III. in London regiert und residiert, als Militärgouverneur. Traditionell bewohnt der Gouverneur das Alte Palais in der Leinstraße gegenüber dem Leineschloss – heute befinden sich dort der Hinrich-Wilhelm-Kopf-Platz und das niedersächsische Sozialministerium. Luise verlebt die ersten sechs Jahre ihres Lebens in der Leinestadt, bis ihr Vater nach dem Tod ihrer Mutter sowie seiner zweiten Ehefrau mit den sechs Kindern nach Darmstadt geht. Zeugnisse über Luises Zeit in Hannover gibt es nur wenige, die Verbindung ihrer Familie zur Stadt wird aber bestehen bleiben: 1837 wird ihre jüngere Schwester Friederike Königin von Hannover. An die Ehefrau Ernst Augusts I. erinnern unter anderem noch das Friederikenstift und die Friederikenbrücke im Großen Garten. Nach Luise wiederum sind die Galerie Luise und die Luisenstraße benannt.

Zunächst aber zieht es beide, Luise und Friederike, nach Berlin. Sie heiraten auf einer Doppelhochzeit am Heiligen Abend des Jahres 1793 den preußischen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und dessen jüngeren Bruder Ludwig. Berlin ist bezaubert von der Schönheit der beiden, aber: Welche ist die Schönere? Der Bildhauer Johann Gottfried Schadow verweigerte eine Entscheidung und haute einfach beide in Stein: So entstand das berühmte Königinnendenkmal, dessen Original in der Alten Nationalgalerie in Berlin steht. Eine Nachbildung aber schenkte Luises Urenkelsohn, Kaiser Wilhelm II., vor genau einhundert Jahren der Stadt Hannover. Sie steht am Rand der Eilenriede in der Yorckstraße.

Luises popstarhafte Beliebtheit bis ins 20. Jahrhundert hat drei Gründe: Erstens bringt sie neuen Schwung an den von großer Strenge geprägten Berliner Hof. Dafür steht eine kleine Geschichte – ob sie stimmt, ist nicht belegt, sie pflegt aber den Mythos: Als Luise zwei Tage vor ihrer Hochzeit erstmals nach Berlin kommt, wird sie von jubelnden Untertanen und einem Blumenmädchen begrüßt, das ein Gedicht am Brandenburger Tor aufsagt. Luise nimmt das Mädchen zum Dank in die Kutsche und küsst es auf die Stirn. Ihre Hofdame ist entsetzt, das Volk liebt sie dafür. Gegen alle Regeln lässt sich Luise bei Hof nicht grüßen, sondern grüßt selbst. Wie sie mit Prinz Louis Ferdinand auf offener Straße flirtet, würde heute die Klatschspalten füllen – zumal ihre kleine Schwester später eine Affäre mit ihm beginnt. Und als Partygirl der High Society tanzt Luise die Nächte durch, bis ihr Mann sie um Mäßigung bittet. Während im revolutionären Paris die Jakobiner herrschen, mögen die Berliner in diesen Jahren ihr Königtum.

Zweitens leben Luise und König Friedrich Wilhelm III. trotz mancher Schwärmerei der Königin eine geradezu bürgerliche Form von Zweisamkeit. Ihre Ehe resultiert zwar aus einer typisch höfischen Zwangsheirat, doch die beiden haben Glück: Sie lieben sich. Davon zeugen herzergreifende Briefe. Dabei konnten die zwei unterschiedlicher nicht sein: Er ist spröde, schüchtern und spricht abgehackt. Als Friedrich Wilhelm einmal eine neue Uniform ablehnt, sagt er: „Alte Sachen in Ehren halten. Rock noch ganz gut. Ihn noch manches Jahr tragen.“ Luise dagegen schreibt in ihrer sympathischen Aufgedrehtheit vor einem Besuch an ihren Vater: „Bester Päp, ich bin tull und varucky.“ Um ihre sieben Kinder – sie war zehnmal schwanger, drei sterben früh – kümmern sich die Eltern königlich. Sie überlassen die Erziehung nicht nur Ammen und Erzieherinnen, sondern spielen selbst mit dem Nachwuchs. Und weil Luise mit Friedrich Wilhelm IV. nicht nur einen späteren preußischen König, sondern mit Wilhelm den ersten deutschen Kaiser zur Welt bringt, kann sie als eine frühe „Mutter der Nation“ gelten.

Doch neben all diesen privaten und persönlichen Seiten der jungen Königin gab es, und dass ist der dritte Grund für die Luise-Begeisterung, in ihrem Leben auch eine politische Dimension. Preußen befindet sich 1806 nach der Niederlage gegen Napoleon bei Jena und Auerstedt in seiner größten Krise. Für Luise, die ihren entschlussschwachen Ehemann zu einem Bündnis mit dem befreundeten Zaren Alexander und zum Krieg gegen Frankreich überreden will, beginnen schwierige Jahre. So lässt Napoleon ihre schwärmerischen Briefe an Alexander, die ihm in die Hände gefallen sind, in französischen Zeitschriften veröffentlichen. Die Königin fühlt sich bloßgestellt. Nach der verlorenen Schlacht muss Luise bei Eiseskälte mit ihren Kindern bis an den äußersten Zipfel des preußischen Reichs fliehen. Der schlimmste Tag aber ist ihr Zusammentreffen mit Napoleon in Tilsit. Die Friedensverhandlungen in der ostpreußischen Stadt zwischen ihm und Friedrich Wilhelm waren ins Stocken geraten. Nun soll Luise dem Mann gegenübertreten, der sie gedemütigt hatte. Mit den Worten „Es ist mir, als wenn ich in den Tod ginge“ macht sie klar, welche Überwindung sie die Friedensmission kostet. Doch trotz Luises Charmeoffensive bringt das Gespräch nichts, Preußen verliert die Hälfte seiner Gebiete.

In dieser Zeit entsteht die Legende, Luise sei am „verzehrenden Kummer“ über das Schicksal ihres Landes gestorben. Der Historiker Otto Hintze rückt diesen Mythos 1910 zurecht: Nicht an gebrochenem Herzen, sondern an einer Lungenentzündung sei sie gestorben. Die Legendenbildung aber war eine andere. Und so ruft der preußische General Blücher 1814 beim Blick vom Montmartre auf das besiegte Paris: „Jetzt endlich ist Luise gerächt.“ Popstars können halt nicht einfach sterben.

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