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Kultur Verloren in Zeit und Raum: Sam Rockwell in „Moon“
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00:19 16.07.2010
Von Stefan Stosch
Verloren in Zeit und Raum: Sam Rockwell in „Moon“. Quelle: Koch Media

Richtig ruhig war es im Weltall in den vergangenen Jahren selten. Raumfähren donnerten zu fremden Galaxien, exotische Kriegerheere gingen aufeinander los, seit „Avatar“ turnen auch blaue Riesen durch die Urwälder weit entfernter Planeten. Spätestens in den Achtzigern hat das Blockbuster-Kino vom All Besitz ergriffen. Georg Lucas’ martialische Abrundung der „Star Wars“-Saga war der mit Spezialeffekten gespickte Höhepunkt dieser Entwicklung. Wie soll man bei diesem Lärm noch der Verlorenheit des Menschen in Zeit und Raum nachlauschen?

Sam Bell (Sam Rockwell) tut es, oder jedenfalls könnte er es tun. Seit beinahe drei Jahren schon hockt der Mann auf dem Mond und überwacht den Abbau von Helium 3, das in nicht allzu ferner Zukunft zu einem Gutteil den Energiebedarf auf der Erde deckt – die Parole von der sauberen Energie ist endlich wahr geworden. Riesige Erntemaschinen durchpflügen den Boden, ab und zu holpert Sam im Lastwagen durch die Mondwüste.

Viel mehr ist nicht zu tun, weshalb er sich in seiner Raumstation wie in einer Männerwirtschaft eingerichtet hat, der eine Putzkraft ganz gut bekäme. Vom antiseptischen Look anderer hochgerüsteter Weltraumunterkünfte ist wenig geblieben: Gelbe Notizzettel kleben überall, in seiner Freizeit bastelt Sam an ­Miniaturmodellen, er trainiert auf dem Laufband oder schaut sich Videobotschaften seiner Frau von der Erde an – die direkte Kommunikation ist unterbrochen, angeblich aus technischen Gründen.

Zwischendurch lässt sich der leicht verwahrloste Sam von Gerty die Haare schneiden. Gerty ist sein Bordcomputer, der im Original mit der freundlich-sonoren Stimme von Kevin Spacey spricht („Sam, do you want breakfast?“).
Wer jetzt an Stanley Kubricks Computer Hal 9000 aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ und an die Boshaftigkeit von Maschinen denkt, liegt nicht ganz richtig. „Moon“, das Regiedebüt des US-Filmemachers Duncan Jones, ist zwar gespickt mit Verweisen auf die Klassiker des Science-Fiction-Kinos, zugleich geht der Regisseur aber auf Distanz zu den berühmten Vorgängern. Gerty zum Beispiel ist, anders als HAL 9000, ein menschenfreundlicher Begleiter. Im Notfall legt er Sam schon mal tröstend einen Greifarm auf die Schulter.

Genauso zitiert der Regisseur Andrej Tarkowskijs „Solaris“: Wir sehen in diesem Film bald schon, wie einem Menschen die Wirklichkeitswahrnehmung verloren zu gehen droht. Sam kann seiner eigenen Erinnerung nicht mehr trauen.

Denn kurz vor seiner routinemäßigen Dienstablösung und der Rückkehr zur Erde geschieht Seltsames auf dem Mond. Ein Doppelgänger Sams taucht auf, der ebenso Sam Bell heißt und über einen ähnlichen Gefühls- und Wissensstand verfügt. Die gedoppelten Einsiedler kommen einem Geheimnis auf der Spur: Ihr Arbeitgeber, der Energiekonzern ­Lunar Industries, hat ganz andere Pläne mit ihnen. Die Rückkehr zur Erde gehört nicht dazu.
In diesem Moment koppelt sich „Moon“ von der Kinogeschichte ab. Die philosophische Dimension geht weitgehend verloren, ein wenig fühlt sich der Kinozuschauer um ein noch viel größeres Denk­abenteuer betrogen. Ergebnisorientiert geht es von nun an weiter: Sam muss handeln, wenn er überleben will. Der Film wechselt ins Thrillerfach, bewahrt aber die entrückte Stimmung eines ungewöhnlichen Weltraumausflugs.

Ganze fünf Millionen Dollar hat der vergleichsweise bescheidene Film gekostet. Das würde bei den Effektspezialisten von Lucas’ Trickschmiede „Industrial Light and Magic“ kaum fürs Catering reichen. Regisseur Jones beweist, dass man sich im Weltall immer noch einsam fühlen kann. Das könnte mit seinen ­familiären Wurzeln zu tun haben: Jones’ Vater ist David Bowie, und der hat Ende der Sechziger seine „Space Oddity“ gesungen. Zu der Zeit, als die Amerikaner auf dem Mond landeten, ging Bowies Major Tom irgendwo im All verloren. Und dieses Schicksal droht auch Sam.

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