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Kultur Wien hat das Theater des Jahres
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09:01 28.08.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Bestes Haus: Das Burgtheater in Wien. Quelle: Marijan Murat

Manchmal ist Zögern nicht so gut. Mit großer Mehrheit haben Theaterkritiker jetzt „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz zum besten deutschsprachigen Stück des Jahres gewählt - in Hannover allerdings war es bisher nicht zu sehen.

Es hat hier erst zu Beginn der kommenden Saison (am 13. September) Premiere. Das hängt mit der Entschleunigungstaktik zusammen, die Intendant Lars-Ole Walburg pflegt: Er will gute Stücke lieber nachspielen lassen, als vorn im Rennen um Ur- und Erstauf­führungen mitzumischen. Immerhin aber war Noah Haidles „Alles muss glänzen - The Homemaker“ bereits am Schauspiel Hannover zu sehen. Dieses Stück haben die Theaterkritiker zum besten ausländischen Stück des Jahres gekürt.

Die Zeitschrift „Theater heute“ hatte für ihr Jahrbuch 42 Theaterkritiker nach Höhepunkten der Saison befragt. Bei den besten Stücken waren sich die Kritiker einig, bei der Frage nach der Gesamtleistung eines Theaters gab es viele unterschiedliche Angaben. Immerhin sechs Kritiker konnten sich auf das Wiener Burgtheater einigen - so wurde die von Karin Bergmann geleitete Bühne zum Theater des Jahres gewählt.

Schauspielerin des Jahres ist Stefanie Reinsperger, die in Wien in Wolfram Lotz’„Die lächerliche Finsternis“ und in Ewald Palmetshofers „die unverheiratete“ auf der Bühne steht. Schauspieler des Jahres ist Samuel Finzi, der als Wladimir in Ivan Panteleevs Beckett-Inszenierung „Warten auf Godot“ am Deutschen Theater in Berlin zu sehen ist. Zum Ärgernis des Jahres haben die Kritiker mal wieder vor allem die Kulturpolitik gewählt.

Ein wichtiges Thema des Jahrbuchs von „Theater heute“ ist die Frage des Theaterensembles. In dieser Diskussion hat sich auch Hannovers Intendant Lars-Ole Walburg zu Wort gemeldet. Er schreibt, dass man für ein gutes Ensemble vor allem „Menschen mit Charakter, die den Mund aufmachen und keine Angst haben, Widersprüche zu erzeugen“, brauche.

Und dass man die Existenz eines guten Ensembles auch an dem Gefühl erkennen könne, das man hat, wenn man die Theaterkantine betritt.

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