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Kultur Wer bekommt einen Oscar?
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23:15 20.02.2015
Von Stefan Stosch
Am Sonntag werden wieder die begehrten Oscars verliehen. Quelle: dpa

Die Königskategorie

Ob die mehr als 6000 Mitglieder der Oscar-Academy doch noch das schlechte Gewissen gepackt hat? Dann könnte das Martin-Luther-King-Drama „Selma“ den Oscar für den besten Film davontragen – dessen schwarze Regisseurin Ava DuVernay zum Verdruss vieler gar nicht erst nominiert wurde. Vermutlich aber machen Richard Linklaters Langzeit-Projekt „Boyhood“ über das schwierige Erwachsenwerden und Alejandro González Iñárritus Komödie „Birdman“ über einen krisengeschüttelten Hollywoodstar das Rennen unter sich aus. Es sei denn, Clint Eastwoods umstrittener „American Sniper“ (Kinostart bei uns: 26. Februar) schiebt sich noch nach vorn, weil sich darin sowohl die Irakkriegs-Gegner als auch dessen Befürworter wiederfinden. Aber nein, Hollywood befasst sich am liebsten mit sich selbst, und deshalb ehrt die Academy Regisseur Iñárritu in der Königskategorie und tröstet Linklater mit dem Regie-Oscar. Oder umgekehrt.

Die Konkurrenz der Darsteller

In Michael Keaton als „Birdman“ dürfte sich so mancher in der Oscar-Academy wiederfinden. Mit Comeback-Versuchen kennt sich Hollywood schließlich aus. Und wenn der Karriereneustart so schiefgeht wie beim „Birdman“ im Film, im wahren Leben aber so wunderbar funktioniert wie beim Ex-„Batman“ Keaton, dürfte einigen warm ums Herz werden. Andererseits: Als Topfavorit gilt der Brite Eddie Redmayne. In „Die Entdeckung der Unendlichkeit“ verwandelt er sich in den an ALS leidenden Physiker Stephen Hawking. Tapfere Kranke weiß die Academy zu schätzen. Das gilt auch für Julianne Moore: Sie spielt in „Still Alice“ (Kinostart 5. März) eine Professorin, die sich dem Schicksal Alzheimer stellen muss. Gegen diese feinfühlige Vorstellung dürften es Reese Witherspoon („Der große Trip – Wild“) oder Marion Cotillard („Zwei Tage, Eine Nacht“) schwer haben. Zudem Moore zwar schon viele Auszeichnungen im Schrank hat, ein Oscar aber noch fehlt.  

Der Rest der Oscar-Welt

Es heißt, die Gala sei dieses Jahr eine eher unpolitische Veranstaltung. Was die Auslands-Oscars betrifft, gilt das keinesfalls. In Russland ist um den Favoriten „Leviathan“ eine heftige Debatte entbrannt. Regisseur Andrej Swjaginzew wird vorgeworfen, er sei ein Nestbeschmutzer. Der Film um Korruption und Justizwillkür – ironischerweise vom Staat mitfinanziert – hat schon den Golden Globe gewonnen, liegt also auf Siegerkurs. Aber auch der Beitrag „Ida“ über Antisemitismus in Polen vor und nach 1945 birgt Erregungspotenzial: Von der Verantwortung der Deutschen am Holocaust sei in dem Schwarzweißfilm von Pawel Pawlikowski nicht die Rede, hieß es in Polen. Den Europäischen Filmpreis hat „Ida“ bereits gewonnen. Und dann ist da noch das Drama „Timbuktu“, das zeigt, wie der Islamismus und mit ihm die Dummheit in Mali Einzug hält - ein brisantes Thema. Unpolitisch kann die Academy also gar nicht entscheiden.

Und die Deutschen?

Wim Wenders ist schon in Los Angeles und gibt sich locker: „Wir haben keine Chance, also nutzen wir sie“, frotzelt er. Mit „Das Salz der Erde“ über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado könnte er den Oscar für die beste Doku gewinnen. Verdient hätte Wenders den Preis allemal. Erstens war er schon zwei Mal nominiert (mit „Buena Vista Social Club“ und „Pina“), und zweitens läuft der 69-Jährige gerade zu großer Form auf. Bei der Berlinale bekam er den Ehren-Bären, stellte sein intimes 3-D-Drama „Every Thing Will Be Fine“ vor, und im März widmet ihm das New Yorker MoMa eine Hommage. Die stärkste Konkurrenz dürfte Wenders in der Doku „Citizenfour“ über Edward Snowden erwachsen, die Regisseurin Laura Poitras in Berlin produziert hat  – das liberale Hollywood schlägt sich womöglich demonstrativ auf die Seite des Whistleblowers. Falls Wenders ohne Trophäe bleibt, ist immer noch Hans Zimmer auf Hollywood-Posten: Der aus Frankfurt stammende Komponist könnte 21 Jahre nach „Der König der Löwen“ mit dem Science-Fiction-Drama „Interstellar“ den zweiten Goldjungen holen. Und Potsdam-Babelsberg hofft mindestens auf den ein oder anderen Ausstattungs-Oscar für das vom Studio koproduzierte und gleich neun Mal (!) nominierte „Grand Budapest Hotel“. Falls auch das nicht klappt, war Deutschland trotzdem nur einen Hauch vom Sieg entfernt: Die 24 edlen Briefumschläge, in denen die Siegernamen stecken, stammen aus einer Papierfabrik in Gmund am Tegernsee.

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