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16:20 11.02.2014
Cornelius Gurlitt hortete nicht nur in seiner Münchner Wohnung wertvolle Gemälde - sondern auch in seinem von außen völlig verwahrlosten Haus in Salzburg. Quelle: dpa/Symbolbild
München

Es ist ein Geisterhaus: Vergitterte Fenster, ein verwahrloster Garten, Moos auf dem Dach. Doch hinter der von Spinnenweben verhangenen Eingangstüre lagerte ein Schatz. Der Kunstsammler Cornelius Gurlitt (81) hortete nicht nur in seiner Münchner Wohnung wertvolle Gemälde - sondern auch in seinem von außen völlig verwahrlosten Haus in Salzburg.

Was sein Sprecher Stephan Holzinger am Dienstag unter der unaufgeregten Überschrift „Weitere Exponate der Sammlung Gurlitt in sicherer Verwahrung“ mitteilte, ist eine kleine Sensation. Denn Gurlitts umstrittene Sammlung, die 2013 für die Kunstsensation des Jahres sorgte, ist damit noch größer als bislang gedacht.

Eine Zeichnung von Pablo Picasso ist unter den Salzburger Werken, wie Holzinger sagt, Bilder von Claude Monet, Pierre-Auguste Renoir und Édouard Manet. Auch nach dem spektakulären Münchner Fund schaute sich offenbar zunächst niemand in dem 1960er-Jahre-Haus im Salzburger Nobelstadtteil Aigen um, in dem Gurlitt jahrelang gelebt hatte - bis zu diesem Montag.

Die Kunstwerke wurden „vor Ort gesichtet, anschließend ge- und versichert“, hieß es in der Mitteilung Holzingers. Sie sollen „professionell betreut“ werden und sich nun an einem sicheren Ort befinden - außer Reichweite für Diebe und erstmal auch für die Taskforce „Schwabinger Kunstfund“, die sich mit der Herkunft der mehr als 1000 Bilder befasst, die 2012 in Gurlitts Münchner Wohnung gefunden wurden.

Zur Sichtung am Montag nämlich, die der Rechtsanwalt Christoph Edel als Gurlitts Betreuer veranlasst hatte, seien eigens einberufene Kunstexperten verpflichtet worden, berichtete Holzinger. Ihre erste Einschätzung: Kein Verdacht auf Nazi-Raubkunst. Allerdings gehen die Meinungen schon bei der Münchner Sammlung ziemlich weit auseinander. Während die Taskforce rund 600 Bilder für verdächtig hält, gehen Gurlitt und seine Anwälte, die inzwischen in Kontakt mit einigen Erben stehen, davon aus, diese Zahl sei viel zu hoch.

Nach Ansicht Gurlitts und seiner Anwälte wurde seine Sammlung zu Unrecht beschlagnahmt, wie Holzinger auch in seiner Mitteilung vom Dienstag behauptet. Nach seinen Angaben sollen die Salzburger Bilder aber weiter begutachtet werden. Die Überprüfung finde statt „im Auftrag von Cornelius Gurlitt“.

„Das Thema Salzburg ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht Gegenstand unserer Arbeit“, sagte ein Sprecher der Taskforce und sprach von einer „privaten Maßnahme“. „Unsere Aufgabe ist - wie der Name schon sagt - die Untersuchung des „Schwabinger Kunstfundes“.“ Allerdings sei man mit allen Beteiligten in Gesprächen, betonte der Sprecher, ohne Details zu nennen.

Die Augsburger Staatsanwaltschaft, die die Ermittlungen gegen den 81 Jahre alten Kunstsammler wegen des Verdachts auf ein Steuerdelikt leitet, wollte den Salzburger Fund am Dienstag nicht kommentieren. „Wir haben das mit Interesse zur Kenntnis genommen“, sagte ein Sprecher lediglich. Warum die Behörden nicht schon vorher in dem Haus nachschauten - dazu gab es keinen Kommentar.

Schon im vergangenen Jahr, als der spektakuläre Kunstfund erst seit einigen Wochen öffentlich war, hatte sich Gurlitts Nachbar Helmut Ludescher gewundert, weil nichts unternommen wurde, das Gelände zu durchsuchen. Als Gurlitt das Haus noch nutzte, habe hin und wieder ein „gespenstisches Licht“ im ersten Stock gebrannt, sagte der Nachbar. Vom Architekten habe er später erfahren, dass Gurlitt Wert auf einen Raum mit gutem Licht gelegt habe. Er und andere hätten den kleinen, elegant angezogenen Herrn seitdem für einen Maler gehalten.

Ob der Salzburger Fund die letzte Überraschung bleibt im Fall Gurlitt, gilt es abzuwarten. Holzinger will über mögliche weitere Verstecke nicht spekulieren.

dpa

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