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Kultur Viktoria Tolstoy und Jacob Karlzon im Jazz-Club
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15:44 08.02.2016
Von Stefan Arndt
Die Schwedin Viktoria Tolstoy im Jazz-Club Hannover. Quelle: Tim Schaarschmidt
Hannover

Irgendwann gibt es kein Halten mehr: Die dicken Tropfen der Regenmusik haben sich zu Fäden verdichtet, die nicht mehr abzureißen scheinen. Unaufhörlich fließen die Klänge tiefer und tiefer in jeden Winkel der Kellerräume bis sie das Herz auch des letzten Zuhörers im Jazz-Club angefüllt hat. „Red Rain“ heißt das Stück von Peter Gabriel, mit dem die schwedische Sängerin Viktoria Tolstoy ihren hannoverschen Auftritt beendet. Es ist das berauschende Finale eines ansonsten erstaunlich intimen, anspruchsvollen Konzertes.

Tolstoy ist eine der Gallionsfiguren des skandinavischen Jazz, dessen oft kühle, das Gefühl von Weite vermittelnde Arrangements auch nach 25 Jahren noch ein Erfolgsrezept sind. Im randvoll gefüllten Jazz-Club präsentiert sich die Sängern, die eigentlich Kjellberg heißt und nur auf den Bühne den Namen ihres berühmten russischen Ururgroßvaters Leo Tolstoi führt, von einer ganz anderen Seite. Sie lässt sich allein von dem Pianisten Jacob Karlzon begleiten. Und der ist weit davon entfernt, ein gemütlich weiches Klangbett für die Stimme seiner Partnerin zu bereiten.

Karlzon und Tolstoy erweisen sich als experimentierfreudiges Duo. Reaktionsschnell nimmt der eine die Impulse der anderen auf, ständig kann die Musik die Richtung wechseln. Die vermeintlich feste Grundlage eines Songs ist dabei nur der Boden, von dem sie sich abstoßen, um meilenweit entfernt doch wieder gemeinsam anzukommen.

Popsongs von Gabriel und dessen Genesis-Kollegen Phil Collins, Jazzballaden von Herbie Hancock und Pat Metheny oder vorsichtig volkstümliche Eigenkompositionen von Karlzon: Tolstoy und ihrem Pianisten sind viele Vorlagen für ihre von keiner Zielvorgabe beengten Expeditionen in die Klangwelt recht. Schließlich brauchen sie dabei nie zu fürchten, ihren Partner zu verlieren, auch wenn der improvisierend einmal auf abschüssiges Gelände gerät.

Wahrscheinlich ist es gerade das, was auch die Zuhörer fasziniert: All die anregenden, schönen, überraschenden Klänge, die Tolstoy und Karlzon den Stücken abgewinnen, sind grundiert von einem besonderen Gefühl das zwischen diesen beiden Musikern herrscht: warmes, unverbrüchliches Vertrauen.

Montagabend spielt die chinesisch-texanische Pianistin Helen Sung im Jazz-Club, am Freitag ist Gitarrist Gregor Hilden mit seinen UK-Blues-Allstars zu Gast. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr.

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