Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur „Teheran Tabu“ – Striptease im Gottesstaat
Mehr Welt Kultur „Teheran Tabu“ – Striptease im Gottesstaat
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:00 15.11.2017
Ob sie hier auf Gerechtigkeit hoffen darf? Die Prostituierte Pari beim Richter. Quelle: Foto: Camino Filmverleih
Hannover

Pari arbeitet in Teheran als Prostituierte, um den Lebensunterhalt für sich und ihren fünfjährigen Sohn zu verdienen. Ihre Nachbarin Sara leidet unter ihrem strenggläubigen Ehemann, der ihr verbietet zu arbeiten. Donya könnte ein ähnlich tristes Hausfrauendasein bevorstehen. Doch bevor sie in wenigen Tagen heiratet, sucht sie nach einem One-Night-Stand einen Gynäkologen, der ihre Jungfräulichkeit wiederherstellt.

In seinem Spielfilmdebüt verknüpft der in Köln lebende gebürtige Iraner Ali Soozandeh das Schicksal dieser drei Frauen und erzählt – zuweilen recht plakativ – von der Doppelmoral einer Gesellschaft. Hinter der religiösen Fassade des Gottesstaates werden Drogenexzesse und Korruption sichtbar. Da zwingen Richter Frauen zum Sex, da ist es möglich, im Fernsehen vom Staatssender zum Striptease-Kanal umzuschalten.

Verfremdungseffekt spiegelt Scheinheiligkeit

Um diese Innenansichten auf die Leinwand zu bringen, wählte Ali Soozandeh das Rotoskopie-Verfahren, bei dem die Schauspieler vor einem Green Screen gefilmt und dann durch aufwendige Animation ins heutige Teheran versetzt wurden. Der Verfremdungseffekt passt bestens zur Scheinheiligkeit des repressiven Systems und zu einer Kultur, in der Bilderverbote noch eine große Rolle spielen. Einen Film wie „Teheran Tabu“ hätte Soozandeh im Iran niemals drehen können.

Von Claudia Palma / RND

Der sich wiederholende Tag ist im Kino immer öfter zu sehen. In „Happy Deathday“ (Kinostart am 9. November) wird die Horrorvariante ausgelotet. Eine junge Frau muss immer wieder ihren letzten Geburtstag (und Todestag) erleben. Kommt sie da raus?

15.11.2017

Warum schlau, wenn’s auch doof geht. Regisseur Zack Snyder kann nicht anders als Krawall machen. Und so wird die erste Versammlung der „Justice League“ (Kinostart am 16.November) zur inspirationslosen Klopperei. Das Publikum wird aus der Illusion geworfen, dasGanze wirkt wie Erwachsenenfasnacht. Und auch „Wonder Woman“ kann nichts mehr retten.

15.11.2017

Die Flüchtlinge und das Kino: Ai Weiweis monumentales Projekt „Human Flow“ (Kinostart am 16. November) sucht den Einzelnen im großen Menschenstrom. Ein schwieriges Unterfangen, in dem sich der Künstler zu oft in den Mittelpunkt stellt.

15.11.2017