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20:54 14.09.2014
„The Red Piece“ Quelle: Maarten Vandem Abeele
Hannover

So viel Testosteron im Gleichschritt. Sechs Männer schreiten in Modelmanier über die Bühne. Mal in Zeitlupe, dann schnell, Hauptsache cool und Hauptsache mit einem Blick, der Erfolg signalisiert. Nebel wabert dazu über die Bühne. Hysterisches Geschrei der Fans kommt aus Lautsprecherboxen. Das Setting mit den vom (Bühnen-)Himmel herabhängenden Mikrofonen in Ann Van den Broeks Choreografie „We Solo Men“ ist zunächst eindeutig: Es beschreibt eine Wettbewerbsatmosphäre wie bei „Deutschland sucht den Superstar“.

Den sucht die flämische Choreografin nicht, sie sucht und untersucht Verhaltensmuster. Typische Posen und Gesten, die subtil stilisiert, abstrahiert und wiederholt werden. An diesem letzten der zehn Abende des Festivals Tanztheater International nimmt sich Ann Van den Broek die Welt derer vor, die partout berühmt sein wollen. Im Falle von „We Solo Men“ sind das Männer, vermeintlich Männer. Tatsächlich stellt sich bei zweien der sechs Tänzer im letzten Drittel des gut 70-minütigen Spektakels heraus, dass es sich um Tänzerinnen handelt, die im Schritt gut gepolstert sind. Gefesselt in ihrer Egowelt sind beide Geschlechter.

Für „We Solo Men“ erhielt Ann Van den Broek vor vier Jahren den hoch dotierten Mouson-Preis des Frankfurter Künstlerhauses Mousonturm. Die Jury hatte unter anderem überzeugt, dass die Produktion den Zuschauer irritiere und amüsiere. Und ein „leises Schaudern“ entfache.

Gänsehaut entsteht aber auch während Ann Van den Broeks jüngstem Tanzstück „The Red Piece“, einer deutschen Erstaufführung, die am Abend zuvor, ebenfalls in der ausverkauften Orangerie Herrenhausen, gezeigt worden war. Alles ist hier in den Farben Rot und Weiß gehalten, sogar das Strickzeug, mit dem die Choreografin im verschatteten Hintergrund der Bühne mitwirkt.

Auch diesmal geht es um Gefühle, die sich in Bewegung ausdrücken, und die Ann Van den Broek von ihren sechs Tänzern (wieder zwei Frauen, vier Männer) überhöhen und wiederholen lässt, um deren Zwanghaftigkeit sichtbar zu machen. Deshalb sind die sechs zu Anfang auch gefesselt. Bewegungen werden von einem geradezu obsessiven, harten Rhythmus bestimmt. Im Männer-Stück liefert diesen Nick Cave mit dem Song „More News from Nowhere“, der leitmotivisch vorwärtspeitscht. Der pulsierende Rhythmus fürs Rot-Stück stammt von der belgischen Band Dez und von den Tänzern selbst. Und von Van den Broek. Denn sie strickt nicht nur, vielleicht mit dem mythologischen Ariadnefaden, mit dem Theseus den Weg aus dem Labyrinth (des Lebens) herausfand. Die Choreografin, in obligatorischem Schwarz, gibt mit hartem Stiefelknallen auch den Takt ihres theatralischen Tanzstücks vor. Leidenschaftlich wie beim Flamenco wirkt es, und doch auch analytisch. Energiegeladen. Und beklemmend intensiv.

So ging die 29. Ausgabe des Festivals Tanztheater International zu Ende. Mit der flämischen Choreografin und ihrer 2000 gegründeten Compagnie „WArd/waRD“, die Festivalintendantin Christiane Winter erstmals eingeladen hatte. Und mit einer Erfolgsbilanz: einer Auslastung von gut 99 Prozent. Rund 3000 Besucher sahen in zehn Tagen zwölf Tanzproduktionen von acht Compagnien, darunter vier deutsche Erstaufführungen und drei Uraufführungen. Der künstlerische Erfolg des Festivals liegt jedoch tiefer: im Spektrum des Gezeigten. Solo und 16-köpfiges Ensemble, Performance, Bewegungsstudie, Tanztheater, alles war bei Festivalintendantin Christiane Winter möglich. Deshalb „Save the Date“: vom 3. bis 12. September 2015 ist die 30. Ausgabe von Tanztheater International geplant.

Von Alexandra Glanz

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