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Kultur Mit Floß in die Stadt mit dem kleinen Meer
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18:08 22.08.2014
Von Martina Sulner
Spielt in Linden: Heinz Ratz. Quelle: Philipp von Ditfurth

Und die - bis auf Leila - Musikerinnen sind. Am Donnerstag standen sie auf der Bühne der Warenannahme in Hannover und sangen von den Ländern, aus denen sie kommen: Djamila aus der Elfenbeinküste, Akram aus dem Iran und Dama aus Kenia. Lieder in Sprachen, die man hier nicht versteht. Gesungen von Frauen, die kaum verschiedener sein könnten: die junge quirlige Djamila mit ihrer tiefen Stimme, die Klavierprofessorin Akram aus Teheran und die große Dama im türkisfarbenen T-Shirt, die tanzt und trotzdem schüchtern wirkt. Das einzige was sie alle eine, sagt die Syrerin Leila, die eigentlich anders heißt, aber wegen ihres noch offenen Aufenthaltsverfahrens keine öffentliche Aufmerksamkeit will, sei ihr Status als Flüchtling.

In den Heimen mache das die Situation komplizierter als sie ohnehin schon ist: Auf engstem Raum und unter oft fragwürdigen Bedingungen träfen Menschen aufeinander, die sich nicht kennen, die sich vielleicht nicht einmal mögen. Menschen, die nicht die gleichen Traditionen und Religionen teilen - aber unter Umständen Tisch und Bett.

Der Liedermacher Heinz Ratz, Kopf der Band Strom & Wasser, steht am Rand der kleinen Bühne und hört zu. Aufmerksam, dabei hat er Geschichten wie diese auf seiner Reise durch die Flüchtlingsunterkünfte schon oft gehört. 2012 startete er mit männlichen Flüchtlingsmusikern eine Tour durch Deutschland, die der Film „Can’t be silent“ dokumentiert. Die diesjährige Floßfahrt „Strom & Wasser und die Flüchtlingsfrauen“ ist das Anschlussprojekt. Donnerstag machte die Gruppe an der Faustwiese fest. Dort begrüßte man sie mit einem Kinderfest, das von mehreren Flüchtlingsinitiativen aus Hannover organisiert worden war.

Als Ratz am Abend selbst zum E-Bass greift, seine Bandkollegen zu Keyboard, Gitarre und Schlagzeug, als er ans Mikrofon tritt, ist sein Stimme rau. Er singt von „Realitäten, die nunmal verletzen“, vom Glück, das aus offenen Fenstern besteht. Er singt sein scharfes „Herr Minister“, das im September mit dem diesjährigen Liederpreis der Liederbestenliste ausgezeichnet wird. Ratz und seine Musik sind nicht neutral und nicht versöhnlich. Kritik steckt in jeder dieser eigenwilligen Melodien, jedem bösen Gitarrenriff.

Obwohl das oft drastisch ist, entschieden polemisch, stößt es nicht vor dem Kopf. Im Gegenteil: Man sieht hin, hört zu. Selbst, wenn man die Sprache, in der Ratz singt, noch nicht ganz versteht. Dem jungen Ivorer, der in der Pause draußen an einem Geländer lehnt, gefalle es, sagt er. Es gefalle ihm auch in Hannover, dieser Stadt mit dem kleinen Meer, wie er den Maschsee nennt. Er würde sich freuen zu bleiben. Er lacht.

Ein Lachen, das ein bisschen an den befangenen Tanz von Dama erinnert. An Akrams schnelle Verbeugungen. Und daran, wie Djamila manchmal die Augen schließt, wenn sie singt. Diese Frauen sind so mutig, sich auf eine Bühne zu stellen. Sie erzählen Menschen von, die allenfalls eine Ahnung davon haben, wie es ihnen auf der Flucht ergangen sein mag und seit ihrer Ankunft in Deutschland. Sie tun es selbst dann, wenn sie sich lieber verstecken würden, und obwohl es nicht viel Platz zum Verstecken für sie gibt, wie Leila sagt.

Ihre Tour geht weiter: Heute legen die Flöße in Wolfsburg an, Mitte September in Berlin.

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