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Kultur Sonntag werden 99. Richard-Wagner-Festspiele eröffnet
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23:05 22.07.2010
Von Rainer Wagner
Einsatz für Kulissenschieber: Ein Bühnenelement des Wagner-Stücks „Das Rheingold“ in einem Depot des mythischen Festspielhauses am Grünen Hügel. Quelle: dpa

Es ist der Sommer der Debütanten. Womit nicht die beiden neuen Festspiel-Chefinnen Eva Wagner-Pasquier und Katharina Wagner gemeint sind. Denn die konnten bereits im vergangenen Jahr erstmals präsentieren, was Patriarch Wolfgang Wagner langfristig festgezurrt hatte.

Auch die mutmaßlich spektakuläre Neuinszenierung der diesjährigen ­Richard-Wagner-Festspiele ist noch unter der Federführung des Patriarchen Wolfgang Wagner (und seiner einflussreichen zweiten Ehefrau Gudrun) geplant worden. Beide sind mittlerweile verstorben. Jetzt blickt alles auf Wolfgangs Töchter. Die immerhin verbuchen können, mit dem Bayreuth-Debütanten James Rutherford als Hans Sachs eine – überfällige – frische Stimme zu präsentieren. Nicht nur deshalb dürften die Reprisen von Katharina Wagners „Meistersinger von Nürnberg“-Inszenierung und Stefan Herheims bildermächtigem „Parsifal“ mehr Interesse finden als Tankred Dorsts dröger „Ring des Nibelungen“. Der dürfte auch im fünften Jahr kaum spannender werden – für den Dirigenten Christian Thielemann wieder einmal die Chance, ungestört als Superstar zu strahlen.

Doch die Konkurrenz schläft nicht. Und der junge Lette Andris Nelsons, der an diesem Sonntag zur Festspiel-Eröffnung den „Lohengrin“ dirigiert, kann ja nicht nur auf Wagner-Erfahrung (etwa mit einem halben „Ring“ in Riga) zurückblicken, sondern auf eine Karriere, die in jüngster Zeit bemerkenswerte Eroberungen aufzuweisen hat. Nelsons sprang etwa an der Wiener Staatsoper für den erkrankten Mariss Jansons ein – und brillierte. Vorsichtshalber aber hat der Chef des City of Birmingham Orchestra Wagners „Lohengrin“ Mitte Juni in Birmingham konzertant aufgeführt – was die britischen Kritiker zu Lobeshymnen hinriss. Rupert Christiansen schrieb im „Telegraph“ schlicht: „Glückliches Bayreuth“. Und Kollege Christopher Morley meinte in der „Birmingham Post“, dies sei kein Probelauf gewesen, sondern habe Maßstäbe gesetzt. Da müssten die Bayreuther hart arbeiten, um mithalten zu können.

Dass der neue „Lohengrin“ zum Spiel der Debütanten wird, ist noch nicht die Sensation. Schließlich gibt es für jeden Wagner-Interpreten auf dem Grünen Hügel ein erstes Mal. Erstaunlich ist aber schon, dass nicht nur der Dirigent Andris Nelsons und der Regisseur Hans Neuenfels erstmals in Bayreuth arbeiten, sondern dass auch drei der vier Hauptrollen mit Bayreuth-Neulingen besetzt sind. Nur Evelyn Herlitzius hat schon Bayreuth-Erfahrung: Sie sang 2002 erstmals die Brünnhilde und war auch als Kundry zu hören. Jetzt übernimmt sie die Ortrud. Als deren Gatte Telramund ist Lucio Gallo erstmals in Bayreuth mit dabei. Und die beiden Hauptfiguren werden von den jungen Stars der Opernszene gesungen: Annette Dasch will Wagner gleich im Wagner-Tempel Bayreuth erobern und wagt sich an die Elsa von Brabant. Sie erzählt gerne, sie habe es zuerst gar nicht recht glauben können, dass Wolfgang Wagner sie zum Vorsingen eingeladen hat.

Gelassener geht Tenor Jonas Kaufmann an die Titelrolle heran, schließlich hat er den Lohengrin im vergangenen Festspielsommer schon in München gesungen. Und zwischen München und Bayreuth pendelt er auch jetzt: Er probt in Bayreuth und fährt zwischendrin immer mal wieder nach München, um bei den dortigen Opernfestspielen den Cavaradossi in Puccinis „Tosca“ zu singen. Vielleicht kommt so ein bisschen Italianità in den Wagner-Gesang. Dem Meister wär’s wohl nicht unrecht.

Dessen gern zitiertes Motto „Kinder, schafft Neues“ trifft zwar nicht unbedingt auf die Verpflichtung von Hans Neuenfels zu, aber doch auf das, was der Altmeister der Opernprovokation sich einfallen lassen wird.

Erstaunlich an diesem Engagement ist vor allem, dass es so spät kommt. Allerdings machte Neuenfels lange einen weiten Bogen um Wagner, brachte lieber Verdi oder Mozart auf die Bühne. 1974 hatte der damals 33-jährige Schauspielregisseur, Autor und Filmemacher seine erste Oper inszeniert. Sein bildermächtiger „Troubadour“ in Nürnberg wurde zum Skandal und ist uns Augenzeugen noch immer im Gedächtnis. Mit seiner dritten Verdi-Inszenierung, der Frankfurter „Aida“ von 1981, wurde er dann als der Mann, der Aida den Putzeimer in die Hand drückte, auch bei Nichtopern­kennern berühmt-berüchtigt. Schlagzeilen machte er eher unfreiwillig, als 2006 die überängstliche Intendantin der Deutschen Oper Berlin, Kirsten Harms, die Wiederaufnahme seiner „Idomeneo“-Inszenierung aus Angst vor islamistisch motivierten Anfeindungen vom Spielplan absetzte: Bei Neuenfels werden im Epilog der Oper die abgeschlagenen Köpfe von Poseidon, Christus, Buddha und Mohammed gezeigt.

1994 wagte Neuenfels sich in Stuttgart an Wagners „Meistersinger“ und schickte Hans Sachs symbolisch ins Haus der deutschen Geschichte, wo der sich allerdings mit einem verfilmten „Wahn“-Monolog in der Cinemathek verlief. Neuenfels’ „Tannhäuser“ in Essen kam da 2008 schon viel besser an.

Der Neuenfels kennt, der ahnt, was ihn erwartet – oder erwarten könnte. Zu den typischen Neuenfels-Zutaten gehören Hunde, Lederkluft, Menschen im Rollstuhl, Engel, Madonnen und Verdopplungen.

Aus Bayreuth hört man gerüchteweise, dass diesmal der Schwan ein schwarzes Federkleid tragen soll. So viel verrät Neuenfels: „Der Schwan geht durch!“ Der Regisseur liebt Schwarz, und es würde gut zu Ortruds Plänen passen. Auch Ratten sollen mitspielen. Wenn Neuenfels inszeniert, ist mit vielem zu rechnen. Da beißt – auch in Bayreuth – die Maus keinen Faden ab.

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