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Kultur „Sommernachtstraum“ im Gartentheater Herrenhausen
Mehr Welt Kultur „Sommernachtstraum“ im Gartentheater Herrenhausen
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09:49 31.07.2010
Er liebt es, wenn ein Plan funktioniert: Elfenboss Oberon (Timo Ben Schöfer, rechts) und sein Knecht Puck (Felix Martin). Quelle: Martin Steiner

Der Sommernachtstraum hat jetzt einen Motor. Zwar nur einen kleinen, aber vom Jahr 2010 an braucht Shakespeare in Hannover Sprit. Der Motor gehört einer italienischen Biene, der Piaggio Ape, einem fahrbaren Lastenesel, der Handwerkern und Landarbeitern im Süden noch heute gute Dienste leistet. In Hannover transportiert die blaue Biene selbst Handwerker. Sie schaukelt die Männer zu einem Treffpunkt im Wald, wo die Hobbyschauspieler ein Stück einstudieren. Ein Stück im Stück.

Alt ist es, das große Stück, noch älter als das dreirädrige Fahrzeug mit seinem bröckelnden Lack. Doch seit Jahrhunderten wird Shakespeares Waldgeisterkomödie in neuen Inszenierungen aufgefrischt. Gestern Abend nun ging im Gartentheater die Neufassung der Musicaladaption von Heinz Rudolf Kunze und Heiner Lürig über die Freiluftbühne. Eine Auffrischung der Auffrischung. Mit einem (fast) komplett neuen Ensemble, neuen Kostümen, einem neuen Bühnenbild – und mit Motor. Bei der ursprünglichen Inszenierung waren die Handwerker noch mit dem Fahrrad unterwegs.

Diese erste Fassung hat noch Gerhard Weber eingerichtet. Das war 2003, und seitdem ist eine Menge passiert. Weber war seinerzeit noch Intendant der Landesbühne Hannover. Erst ging Weber (nach Trier), dann ging die Landesbühne (im Theater für Niedersachsen auf), und mittlerweile ist auch das TfN raus aus der Produktion. Das Leitungsteam hatte sich ziemlich übel mit Kunze und Lürig verkracht, man bewarb sich getrennt für einen Weiterbespielung des Gartentheaters, und die Autoren bekamen schließlich mit Hannover Concerts im Rücken den Zuschlag.

Und so ist es fast logisch, dass die Inszenierung von Christian von Götz (der auch schon das zweite Kunze-Lürig-Shakespeare-Musical „Kleider machen Liebe“ gestaltet hat) viele Relikte der Landesbühnen/TfN-Zeit ersetzt. Grad so, als ob nichts an die zerbrochene Liaison erinnern soll. Tut es natürlich doch. Denn Musik (Lürig) und Libretto (Kunze) haben sich nur in Nuancen geändert. Sie kriegen aber teils einen anderen Sound, weil sie von neuen Darstellern interpretiert werden.

Die zentrale Rolle des Puck spielt nach dem eher schmächtigen Jens Krause nun der hochgewachsene Felix Martin. Ein erfahrener Musicaldarsteller, der den subtilen, manchmal tuntigen Humor, mit dem Krause die Rolle prägte, durch viel Stimme und körperbetontes Spiel ersetzt. Dass er sich dabei kleiner macht als er ist, liegt daran, dass er einen halben Kopf größer ist als Oberon (Timo Ben Schöfer), und der ist nun mal hierarchisch der Größte im Elfenwald.

Die beiden bringen das Treiben im Wald ziemlich durcheinander. Ein Zauberkraut lässt zwei durch den Wald irrende Liebespaare in völlig falschen Konstellationen zusammenfinden. Der eigentliche Grund für den Spuk ist aber, das Wutkopf Oberon seiner zickigen Frau Titania (Anke Fiedler) eins auswischen will. Das Kraut, eine Art Bewusstseins-Viagra, macht die rassige Titania spitz auf den schüchternen Handwerker Bottich, den Puck zu allem Überfluss auch noch in einen Esel verwandelt hat.

Am Ende passt auf jeden Pott der richtige Deckel, bis dahin wird im Gartentheater viel gelacht und – vor allem nach der Pause, als das Tempo merklich anzieht – viel applaudiert. Kunzes lockerer, nur gelegentlich flapsiger, aber immer sorgfältiger Umgang mit Shakespeares Text ist eine angemessene Aktualisierung und hätte vermutlich auch den Meister zum Schmunzeln gebracht. Lürigs Liederzyklus ist Melodiepop im Dreiminutenformat, der sich angenehm von andrewlloydwebberscher Pathosseligkeit abhebt. Die Band spielt wie ein Uhrwerk, nur bei Lürigs manchmal vertrackten Gesangssätzen fallen die Schauspielerstimmen (wie schon in der Vorgängerinszenierung) gelegentlich auseinander. Was aber den Gesamteindruck nicht schmälert.

Regisseur Christian von Götz hat Webers Vorlage nicht komplett auf den Kopf gestellt, sondern an einigen Ecken klug nachgebessert. Er gibt dem Komödiantischen viel Raum. Mirja Regensburg, die wieder in der Rolle der Helena zu sehen ist, hat nicht umsonst im Comedyfach Fuß gefasst. Wenn sie darf, ist sie sehr lustig. Hier darf sie. Bei den Handwerkern ist ein Kollege mit Migrationshintergrund eingewechselt worden, Chef Quincy (Jörg-Heinrich Benthien) kommt dem Zungenschlach nach aus der Hamburger Gegend. Und Bottich (Bernd Tauber) blödelt sich mit großen Ohren und großem Timing wundervoll durch seine Eselszeit.

Die Zuschauer werden in den 25 geplanten Inszenierungen kein neues Musical sehen, sondern ein leicht variiertes, neudeutsch würde man von Update sprechen. Zwei Stunden angenehme Gartenunterhaltung. Und wenn die Biene mit Motor nicht so viel Abgasdreck macht, ist auch der Gärtner zufrieden.

Bis 5. September. Karten und Infos unter shakespeare-herrenhausen.de oder (05 11) 44 40 66.

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