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Kultur Schwere Zeiten für den Buchhandel?
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12:12 28.02.2015
Von Martina Sulner
Augen auf beim Bücherkauf: Denn manche Buchhandlung - wie etwa Livraria Lello & Irmão in Porto, Portugal - ist wunderschön. Quelle: Imago

Da ist zum Beispiel Bobby. Seine Mutter ist verschwunden. In der Schule wird der 12-Jährige von Gleichaltrigen drangsaliert, zu Hause vom Vater entweder ignoriert oder geprügelt. Bobby ist ein introvertierter, einsamer Junge - bis zu dem Zeitpunkt, als er Val, einer literaturbegeisterten Putzfrau, begegnet. Dank der 40-Jährigen lernt der Junge die Welt der Literatur kennen und lieben. Als Val, ihre Tochter Rosa, Bobby und der Gefängnisausbrecher Joe dann noch eine fahrbare Bibliothek kapern und damit kreuz und quer durch Großbritannien fahren, scheint das Glück für eine Weile vollkommen.

„Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“ heißt der neue, gerade veröffentlichte Roman von David Whithouse. Mit einem Doppeldeckerbus wird der Mittdreißiger von 9. März an durch Deutschland touren und bei Buchhandlungen Lesestation machen. Whithouse beschwört in seinem Buch die Kraft der Literatur - und die von Bibliotheken und Buchhandlungen.

Mit diesem Motiv steht er nicht allein; gleich mehrere aktuelle Bücher erzählen begeistert vom Buchhändlerdasein. Dabei sieht die Realität eher mau aus: Im deutschen Buchhandel ist der Umsatz im vergangenen Jahr um 2,1 Prozent zurückgegangen; kleine, inhabergeführte Geschäfte hatten etwas weniger Einbußen. Der Internethandel wird immer wichtiger. In England, wo der Roman von Whithouse sich gut verkauft, ist die Situation noch drastischer.

Das Sortimenterleben ist nicht eben einfach - und das Monatsgehalt überschaubar. In Niedersachsen zum Beispiel verdienen Berufseinsteiger nach der Ausbildung 1548 Euro brutto. Doch in einer Buchhandlung zu arbeiten oder gar eine zu betreiben - das ist für viele der vielleicht schönste Beruf der Welt. Petra Hartlieb erzählt davon in „Meine wundervolle Buchhandlung“. Die zweifache Mutter und Journalistin kaufte zusammen mit ihrem Mann in einem Moment ausgeprägter Spontaneität einen Buchladen in Wien; sie lebten zu der Zeit in Hamburg. Nach dem Kauf fühlt sie sich hin- und hergerissen: „Super Idee. Völlig schwachsinnig das Ganze. Undurchführbar. Unsere Zukunft. Unser Ruin.“

In dem temperamentvoll geschriebenen, liebenswerten Buch beschreibt die Autorin zwar auch die Schwierigkeiten der Branche, doch die Freude darüber, „unseren Traum zu leben“, überwiegt. „Wir verkaufen das schönste Produkt, das es gibt. Wir verkaufen Geschichten“, schreibt Petra Hartlieb, die sich gemeinsam mit Claus-Peter Bielefeld solche Geschichten auch ausdenkt: Beide veröffentlichen eine Krimireihe um Ermittler aus Berlin und Wien.

Das vermeintlich schönste Produkt der Welt kaufen besonders oft nette Menschen. „Hartliebs Bücher“ in Wien ist alles andere als eine Insel der Glückseligen, doch finden - so die Autorin - auffallend viele sympathische und hilfsbereite Menschen den Weg in den Laden.

Das ist ein gängiges Muster auch in der Belletristik: Figuren, die mit Büchern nichts anzufangen wissen, sind tendenziell fies - wie Bobbys trunksüchtiger Vater in „Die Reise mit der gestohlenen Bibliothek“. Auch in Christopher Morleys Roman „Das Haus der vergessenen Bücher“ - im Original bereits 1919 erschienen, auf Deutsch erst jetzt veröffentlicht - entpuppen sich die Nichtbibliophilen als gemein. Mit Witz und mit Pathos erzählt der amerikanische Autor von dem Antiquar Roger Mifflin, in dessen Geschäft sich wunderbare Dinge zutragen: Menschen entdecken ihre Zuneigung zu Literatur, Liebespaare finden sich. Zudem wird noch einem Bombenleger - ein Deutscher, meist „der Hunne“ genannt - das Handwerk gelegt.

Morley stimmt das Loblied auf die Schönheit von Buchläden an: „Der Laden war in ein warmes, behagliches Dunkel gehüllt, eine Art schummrige Dämmerung, aus der hie und da unter grünen Schirmen gelbe Lichtkegel leuchteten ...“ Ein Ort, an dem man sich vor den Zumutungen der Realität retten kann, ein Ort, in dem Leser Trost und Zuspruch finden - darin ähneln sich Buchhandlungen in der Belletristik frappierend. Je rauer die Welt da draußen, desto behaglicher und liebevoller geht es zwischen den Bücherregalen zu. Das hat mit der Realität zwar nur bedingt zu tun, wärmt aber das Herz. Viele Buchliebhaber lesen nun mal gern über Buchliebhaber. In Katarina Bivalds Roman „Ein Buchladen zum Verlieben“ verknallt sich die junge Ladenbesitzerin Sara sogar, obwohl sie Bücher immer als liebenswerter als Menschen empfand.

Christopher Morleys Held Mifflin glaubt nicht nur, das Bücher Ehen stiften können, sondern auch, dass Literatur sogar Kriege verhindern kann. Hätte jeder Deutsche vor 1914 Thomas Hardys Drama „The Dynasts“ über den napoleonischen Krieg gelesen, glaubt Mifflin, hätte es den Ersten Weltkrieg nicht gegeben.

Unabhängig davon hat Morley noch ein paar Tipps für Buchhändler parat: „Streiten Sie nie mit dem Kunden. Geben Sie ihm einfach das Buch, das er haben will, selbst wenn er nicht weiß, dass er es haben will.“ Heutzutage, schreibt Petra Hartlieb, seien Buchhändler allerdings vielseitig gefordert: „Marketingexpertin, Werbefrau, Grafikerin, Controllerin, Webdesignerin, Veranstaltungsprofi, Verpackungskünstlerin, Psychotherapeutin.“ Aber fürs schönste Produkt der Welt macht man das ja gern.

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