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Kultur „Rogue One“: Stimmiger Kriegsfilm im Weltraum
Mehr Welt Kultur „Rogue One“: Stimmiger Kriegsfilm im Weltraum
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12:31 14.12.2016
Felicity Jones als Jyn Erso in einer undatierten Szene aus dem Film „Rogue One: A Star Wars Story“. Quelle: Lucasfilm/Disney
Hannover

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“ so beginnt auch der neueste „Star Wars“-Film „Rogue One“. 1977 las man diesen Satz zum ersten Mal auf der Leinwand. Damals überbrachte ein kleiner, blauweißer Droide, von der Gestalt her einem Mülleimer nicht unähnlich, die wichtigste Botschaft für die in der Defensive befindlichen Guten eines langen Sternenkrieges. Es waren die Pläne für den Todesstern der Bösen.

Diese gravierendste aller Massenvernichtungswaffen des Imperiums war am Ende jenes Films, der zunächst „Krieg der Sterne“ hieß, allerdings so einfach zum Zerplatzen zu bringen wie ein Blechbriefkasten durch Silvesterböller. Und als dann der Abspann lief und die erste Begeisterung der Science-Fiction-Fans abgeklungen war, fragte man sich doch, wie diese Ingenieursdilettanten von der Dunklen Seite je an die Macht gelangen konnten.

Genau diese Unstimmigkeit wird nun in „Star Wars: Rogue One“ Gegenstand eines „Star Wars“-Film, der außerhalb der regulären dritten Trilogie steht. Boshafte Zeitgenossen würden den Film die wohl teuerste Korrektur eines Plot-Lochs nennen.

Schauspieler Mads Mikkelsen als Wissenschaftler Galen Erso. Quelle: Lucasfilm

„Rogue One“ ist ein Kriegsfilm

Aber für solche Gemeinheiten ist „Rogue One“ viel zu gut gelungen. Das Brimborium trägt – zum Glück. Nicht nur, weil Felicity Jones und Diego Luna als Rebellenduo Jyn Erso und Cassian Andor ein so natürliches und identifikationsstiftendes Heldengespann abgeben. Regisseur Gareth Edwards, der zuletzt seine „Godzilla“-Echse 20 Nummern zu groß aufgeblasen hatte, macht alles wunderbar stimmig – ganz im Gegensatz zu seinem berühmten Kollegen J. J. Abrams („Lost“, „Star Trek“), der vorige Weihnachten mit dem Auftakt der offiziellen dritten „Star Wars“-Trilogie „Das Erwachen der Macht“ nur ein mittelprächtiges Déja-vu-Festival mit den Kult-Alteisen Han Solo und Luke Skywalker ablieferte.

Das eine Einzelstory erzählende Spinoff „Rogue One“ ist ein handfester Kriegsfilm, dessen Düsternis an Irvin Kershners „Das Imperium schlägt zurück“ (1980) erinnert, den zuvor besten Film des Franchise. Edwards verzichtet auch auf die gewaltsame Einschraubung von Witz und Witzfiguren, die schon so viele ernst gemeinte 200-Millionen-Dollar-Blockbuster ruiniert haben. Selbst sein schlaksiger, umgepolter Imperiumsdroide K-2S0, der – hätte er nur eins – das Herz auf dem rechten Fleck hätte, weigert sich standhaft, ein billiger Blechclown zu werden.

Diebstahl der Pläne für den Todesstern

Kein „Star Wars“-Film zuvor hat uns diese im Gefechtsstand befindliche Welt so nahe gebracht – eine Welt von Vereinnahmung, Widerstand, Flucht, Gewalt und Tod, in der Glück auf Dauer unmöglich scheint. Die Farmersfamilie Erso wird gleich zu Beginn von einer bewaffneten Delegation des Imperiums enttarnt.

Vater Galen (Mads Mikkelsen), ein flüchtiges Ingenieursgenie, soll zurückkehren, um dem Imperator den Todesstern zu bauen. Seine zornige Frau Lyra wird bei der Begegnung getötet, nur sein Töchterchen Jyn kann fliehen. Sie wird die sein, die noch von Hoffnung redet und noch an den glücklichen Diebstahl der Todessternpläne glaubt, als selbst die Mutigsten der Rebellen schon Kapitulation rufen. Und Hoffnung muss sein, schließlich beginnt am Tag nach dem Ende dieses Films die Handlung von „Krieg der Sterne“ alias „Star Wars IV – Eine neue Hoffnung“ wie der erste Film später umgetauft wurde.

Warum lassen sie sich eigentlich immer so leicht außer Gefecht setzen? Stormtroopers in „Rogue One: A Star Wars Story“. Quelle: Lucasfilm/DisneyFilm

Spektakuläre Auftritte von Darth Vader

Die Dosierung der Verbindungen zur „Star Wars“-Saga ist wohlfeil geraten, keiner dieser Momente wirkt aufgesetzt. Dass Darth Vader wieder mitmischt, war längst bekannt, der gefallene Jedi in Schwarz hat zwei spektakuläre Auftritte, mehr soll denn auch nicht verraten werden. Zwei Charaktere musste man animieren, ihre Künstlichkeit fällt indes kaum auf. Überraschungen gibt’s hier, buchstäblich bis der Abspann läuft.

„Rogue One“ wie alle „Star Wars“-Filme: Ein Film gegen Nationalisten, Rassisten, Populisten und alle bedenklichen -isten unserer Zeit, ein Film, der einem sagt, dass man alles wagen muss für die Freiheit, dass diejenigen von Übel sind, die Frieden reden und Tod betreiben. Gottseidank müssen sich all diese Weit-weg-Galaxis-Leute mit ihren tollen Raumschiffen noch mit Handfeuerwaffen, Lichtschwertern und Raumschiffscharmützeln behelfen, um die Dinge zu erreichen, die ein Sieg des Guten erfordert.

Nicht auszudenken, wie langweilig der Film geraten wäre, würde man dort so etwas wie russische Hacker kennen, die man vom Imperium für die Sache der Demokratie abgeworben hätte. Vielleicht erklärt uns ja der nächste der „Star Wars“-Spinoff-Filme mal mit einer ähnlich guten Story, wieso die weißen Sturmtruppler des Imperiums eigentlich immer so mühelos außer Gefecht zu setzen sind. Jede Wette, dass irgendein Saboteur der Rebellen das Ausbildungsprogramm entwickelt haben muss.

Von RND/Matthias Halbig

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