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Kultur „Nachdenklich und Schlägerei“
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19:02 01.04.2016
„Zacki-zacki“: SSIO im Capitol. Quelle: Samantha Franson
Hannover

Vorn steht der Rapper SSIO auf der Bühne. Hinter ihm schmückt eine gezeichnete Straßenszene den Bühnenraum, die aussieht wie eine Parodie auf die frühe „Mein Block“-Attitüde von Sido. An einem Stand dieses Stilllebens kann man bei Rapper SSIO Drogen kaufen, etwa Marihuana der Sorte „Amnesischer Windhund“. „Wer hat Gras dabei?“, fragt SSIO gleich zu Beginn des Konzerts. Auch die Zuschauer, die nicht an einer süßlich riechenden Selbstgedrehten ziehen, jubeln. Die deutsche Drogenpolitik mag gestrig sein, ein Joint in der Öffentlichkeit ist noch immer ein einfaches Zeichen der Auflehnung.

SSIO ist ein deutscher Rapper mit afghanischen Wurzeln. Sein zweites Album „0,9“ stieg im Januar auf Platz eins der deutschen Charts. Seine Tracks sind „Kopfnicker-Stücke“, wie er sie selbst nennt. Härtere Drums, angelehnt an die dicken Beats, die in den Neunzigerjahren in den USA beliebt waren. In viele Tracks baut er die Bi-Sprache ein, eine Art Sprachvertuschung, die seit einigen Jahren Jugendslang ist. SSIO baut also etwa nach einem Vokal ein „Bi“ ein. Seine Stücke heißen „Ich fibicke jeden“ oder „Pibissstrahlen auf 808 Bässe“.

Es ist nicht leicht auszumachen, wo bei diesem 27-Jährigen aus Bonn die Ironie anfängt und wo das Wort und das Gehabe doch nur plumper Sexismus und aufgepumptes Macho-Getue sind. Er rappt über Sex, Schnellrestaurants und Geld. Es geht oft derb zu, und live gewinnt sowieso der flache Humor. Er mag keine Frauen mit Zahnstocherbeinen, sagt SSIO, eher Dönerspieße. Zwei Frauen sollen dann auf die Bühne kommen. Die beiden jungen Fans mit langen blonden Haaren machen gern mit. Eine würde den Rapper sogar heiraten, wie sie aufgeregt ins Mikrofon trällert, während SSIO sie streichelt.

Der Mann hat sein Publikum im Griff. „Arme nach oben, Schultertraining, zacki-zacki“, ruft SSIO - die Arme sind oben. Dann sollen die Fans eine Gasse bilden. „Wenn ich ,jetzt‘ sage, müsst ihr aufeinander losrennen wie die Affen im Zoo, eine Mischung aus nachdenklich und Schlägerei“, sagt er. Nun, eher Letzteres. Denn Affen laufen einander nicht ständig um. Im Capitol klappt es, ein bisschen Punk-Attitüde im sonst eher auf Coolness bedachten Publikum.

Von Gerd Schild

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