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Kultur Plan B: Des Rappers reine Seele
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00:03 30.07.2010
Böse gucken, geschmeidig singen: Ben Drew alias Plan B. Quelle: Parks

Dieser Blick ist – ja, was denn nun? Traurig? Fragend? Drohend? Und dieser Typ vor dem Billardtisch ist – ja, wer denn nun? Strickland Banks? Ben Drew? Fragen über Fragen, und die Antwort, mein Freund, kennt ganz allein der Soul. Der junge Mann mit dem kurzen Haar heißt Benjamin Paul Drew, kommt aus London und hat die britische Insel mit seinem Schaffen seit dem Frühjahr ziemlich im Griff. Denn der 26-Jährige ist Musiker, Schauspieler, Regisseur und Konzeptkünstler, wahrscheinlich hat er noch eine ganze Reihe anderer Talente, aber fürs Erste reicht das eigentlich.

Auslöser für die diffuse Hysterie, die er in England auslöst, ist sein Album „The Defamation of Strickland Banks“ (Die Verleumdung von Strickland Banks), das drüben direkt an die Chartsspitze durchgestartet ist und hüben am Freitag erscheint. Es ist ein Konzeptalbum, der 26-jährige Soulsänger Ben Drew erzählt die – nicht biografische – Geschichte des 26-jährigen Soulsängers Strickland Banks, der mit gefühlvoller Fistelstimme Liebeslieder singt, bis er zu Unrecht der Vergewaltigung bezichtigt wird und ins Gefängnis muss. Dort hat es sich mit dem Liebesliedersingen erst einmal erledigt, der Ton wird härter, die Sitten werden rauer. Banks tötet in Notwehr einen Mithäftling, der ihn angreift. Ein weiterer Insasse, der ihm dabei zur Seite steht, nimmt die Schuld für die Tat auf sich. Banks’ Vergewaltigungsfall wird anschließend wieder aufgerollt. Und ob er freikommt – das, meine Damen und Herren, hören Sie wahrscheinlich in der Fortsetzung der Geschichte um Strickland Banks.

Ein Krimi als Popalbum – nicht schlecht und schon als solches bemerkenswert. Doch viel bemerkenswerter ist, mit welcher Selbstverständlichkeit Drew hier feinsten Northern Soul, Stax und Motownsound aus dem Ärmel schüttelt. So, als ob das gar keine Verbeugung vor alten Helden wäre, so, als ob Synthesizer, Samples und Homerecording noch nicht erfunden wären.

Dabei ist Drew bislang nicht als Sänger in Erscheinung getreten, sondern warf als Rapper der nicht besonders ­erziehungsfreundlichen Stilrichtung ­Grime (Schmutz) mit Obszönitäten nur so um sich.

Trotzdem galt sein Album mit dem ambitionierten Titel „Who needs Actions when you got Words“ (2006) als eines, das einem reinen Genrealbum schon entwachsen war. Und nun also der Wandel? „Nein“, hat Drew in einem Interview erklärt, „ich bin eigentlich Soulsänger und habe mich entschieden, für mein erstes Album zu Hip-Hop zu wechseln. Deshalb ist mein Künstlername Plan B.“

Nun also wieder Plan A. Der Sound ist geschmeidig, nur den bösen Blick hat er sich aus der Rapzeit noch nicht abgewöhnt. So haben wir eine Mischung aus Eminem und Al Green mit einer Prise Mick Hucknall, Charles & Eddie und ­Michael Jackson – oder wie ein englischer Kritiker unverbesserlich schrieb: „Er trillert wie ein Smokey Robinson, der Angst hat, die Seife in der Gefängnisdusche aufzuheben.“ Tatsächlich bekommt Drew diese Gratwanderung zwischen säuselndem Kopfstimmengesang und bösen Texten meist gut hin. In den feinen Liebesliedern wie „Love goes down“ oder „Writing’s on the Wall“, vor allem aber in der großen, mit einem Gospelchor aufgeblasenen Weltumarmungshymne „Welcome to Hell“, die jedem Kirchentag und jeder Eröffnungsfeier gut stünde, die Hoffnung ausdrückt, Freiheit und Perspektive – die aber den Einmarsch des Häftlings Strickland Banks in den Knast beschreibt, den Gang in die Unfreiheit. Wie fies, wie zynisch, wie spannend!

Nur manchmal bricht aus dem Soulcrooner, der mit lockerem Schlips kniewippend und fingerschnippend vor seiner Band steht, der alte Rapper hervor. Dann feuert er wie in „Stay too long“ Sprechgesangsalven ab, überzieht das soeben noch selig lauschende Publikum mit „Fuckfuckfuck“-Tiraden – und zielt damit ziemlich ins Leere. Plötzlich steht das wütende Getöse als Rapperparodie da, und „Fuck“ verkommt zum hohlen Rapperräuspern, das Brüllwort wird zum Füllwort.

Trotzdem: „The Defamation of Strickland Banks“ ist ein großes Album, bei dem man die Wahl hat, einfach nur den Songs zu lauschen oder sich der Geschichte zu widmen. Wer mehr will: Der unermüdliche Ben Drew dreht gerade den Film zur Platte – und die Rapversion der Geschichte soll auch noch kommen. Dass der Soul das Konzeptalbum und die großen Popgeschichten wiederentdeckt (siehe Janelle Monáe und ihr „ArchAndroid“) ist überraschend. Aber Über­raschungen haben der Popmusik noch immer gut getan.

Zurück zum Konzept?

Welches ist die Mutter aller Konzept­alben? Schwierig, schwierig und natürlich absolute Geschmackssache. Aber stellen wir mal die Mütter der Porzellankiste vorne an: Frank Zappa und seine Mothers of Invention machten auf „Freak out!“ viel Krach, verbanden die Stücke aber schon mit Soundcollagen und einer lockeren Geschichte über Hippies und ihre Themen Mitte der Sechziger. „Sgt. Pepper“ von den Beatles löste dann kurz darauf eine Welle aus, obwohl auch hier Invention und Experiment im Vordergrund standen. Pink Floyds „The Wall“, ein gutes Jahrzehnt später erschienen, erzählt die mehr oder weniger biografische Lebensabrechnung von Sänger Roger Waters – und wurde auch als Film von Alan Parker erfolgreich. Flipperkönig „Tommy“ von The Who machte Film- und Musicalkarriere.

Während die Artrockbands mit ihren Phantasiegeschichten wieder verschwanden, blieben viele Hardrockbands wie Manowar, Iron Maiden oder Blind Guardian beim Konzept-Konzept. In diesem Jahrtausend überraschte die Funpunkband Green Day gleich mit zwei mehrfach grammydekorierten Konzeptalben: „American Idiot“ und „21st Century Breakdown“. Und jetzt kommen die Souler.

Und was ist Ihr Lieblingskonzept? Diskutieren Sie mit.

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