Menü
Oberhessische Presse | Ihre Zeitung aus Oberhessen
Anmelden
Kultur Eine Träne schadet nicht
Mehr Welt Kultur Eine Träne schadet nicht
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
22:27 17.06.2013
Kampf gegen die Tränen: Peer Steinbrück. Quelle: dpa
Berlin

Wer sich als Politiker auch mal eine Träne aus dem Gesicht wischt, kann auf Sympathien hoffen. Emotionen zu zeigen, das macht menschlich. Für einen Moment wurde jetzt auch Peer Steinbrück von den Gefühlen übermannt. Steinbrück, der sich vor Jahren über die „Heulsusen“ in seiner Partei mokiert hatte, konnte vor Rührung nicht weitersprechen, nachdem seine Frau auf dem SPD-Parteikonvent Freundliches über ihn gesagt hatte. Mit dem Gefühlsausbruch befindet sich der SPD-Kanzlerkandidat in guter Gesellschaft. Die Liste der Politiker, die schon mal gegen Tränen angekämpft haben, ist lang. Geschadet hat es keinem von ihnen. Wer weint, zeigt immer zweierlei: Gefühl und Kontrollverlust. Beides stellt Nähe zum Publikum her und demonstriert gleichzeitig Größe. Wer Tränen vergießt, lässt sich zwar überwältigen, zeigt aber auch, dass er sich das leisten kann.

Ganz oben auf der Liste der Tränenvergießer dürfte Helmut Kohl stehen. Der CDU-Altkanzler war in den 16 Jahren seiner Regentschaft häufiger so ergriffen, dass er zum Taschentuch greifen musste. Die deutsche Einheit, die europäische Idee, die Versöhnung über den Gräbern mit Frankreich und nicht zuletzt er selbst rührten den Machtmenschen erster Güte immer wieder. Kohl war bewegt und empfindsam, aber keineswegs gefühlsduselig. Denn Emotionen müssen in der Politik wohldosiert sein. Schließlich soll ein Politiker zwar menschlich, aber doch vor allem rational sein – und nicht sentimental.

Ganz grob kann man drei Anlässe ausmachen, bei denen Politiker schwach werden: beim Abschied mit allen Ehren, einem Scheitern mit Karacho oder einem hart errungenen Sieg. In die erste Kategorie fällt zum Beispiel Gerhard Schröder. Als der Sozialdemokrat 2005 mit einem Großen Zapfenstreich als Bundeskanzler verabschiedet wurde, stand ihm die Rührung ins Gesicht geschrieben. Nicht wenige meinten, sie hätten bei dem hartgesottenen Vollblutpolitiker feuchte Augen gesehen.

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen (CDU) konnte seinen Tränenfluss nicht stoppen, als er aus der Politik aufs Altenteil wechselte. Seine Abschiedsrede im Kieler Landtag war hoch emotional. Nicht anders erging es seinem SPD-Kollegen Kurt Beck, als der Pfälzer Anfang des Jahres nach 18 Jahren das Amt des Ministerpräsidenten in Mainz abgab. Und auch dem damaligen Bundesfinanzminister Hans Eichel liefen 2005 die Tränen, als mit der Großen Koalition in Berlin das Ende seiner jahrzehntelangen Karriere als Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker kam. Der Abschied von der Macht, das kann man an diesen Beispielen erkennen, tut gerade alten Fahrensleuten sehr weh.

Und noch mehr vielleicht das persönliche Scheitern. Unter dem Schmerz der ganz knappen Niederlage, so heißt es, habe David McAllister Anfang des Jahres kurzzeitig die Fassung verloren. Im CDU-Präsidium brach der abgewählte Ministerpräsident von Niedersachsen am Tag nach der Wahl in Tränen aus, als die Parteiführung das Wahlergebnis analysierte. Der Gefühlsausbruch fand hinter verschlossenen Türen statt, wurde aber von mehreren Teilnehmern bestätigt. Kanzlerin Angela Merkel, eine Meisterin im Verbergen von Gefühlen, zeigte Verständnis. „Wir waren heute einfach alle ein Stück weit traurig“, erklärte sie nach der Sitzung.

Kaum vorstellbar, aber auch die inzwischen in vielen Machtkämpfen gestählte Christdemokratin soll schon einmal aus politischen Gründen in Tränen ausgebrochen sein. Allerdings ist das sehr lange her. Es passierte in ihrer Zeit als Bundesumweltministerin unter Helmut Kohl, als sie im Kabinett mit einem Vorhaben scheiterte. In Tränen aufgelöst war Christian von Bötticher, nominierter CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein. Er beichtete 2011 vor laufenden TV-Kameras eine Affäre mit einer 16-Jährigen. „Es war schlichtweg Liebe“, schluchzte der Hoffnungsträger der Nord-CDU, ließ sich ein Taschentuch reichen und gab dann seinen erzwungenen Rücktritt bekannt. An der Waterkant haben die Politiker überhaupt nah am Wasser gebaut.

Heide Simonis war nach dem beispiellosen „Heide“-Mord, bei der ein anonymer Abweichler aus den eigenen Reihen ihre Wiederwahl als Ministerpräsidentin verhinderte, am Boden zerstört. Den Tränen nah verkündete die SPD-Politikerin ihren Rückzug. Weil Sieg und Niederlage nah beieinanderliegen, sind Wahlabende eigentlich immer tränenreich. So kullerten Hannelore Kraft dicke Freudentränen über das Gesicht, als sie vor gut einem Jahr mit furiosem Ergebnis als Landesmutter von Nordrhein-Westfalen bestätigt wurde – ein Beispiel für Tränen der Kategorie drei. Steinbrücks Emotionen passen nicht ganz in dieses Raster. Dem Kanzlerkandidaten stockte am Sonntag unerwartet für einen Moment die Stimme, als seine Frau ihn vehement gegen als ungerecht empfundene Angriffe verteidigte und zu ihm stand. Das dürfte ihm mehr nützen als schaden, relativiert es doch sein Negativ-Image vom harten, bissigen Hund. Die SPD jedenfalls ist zufrieden. Sie will jetzt am liebsten noch weitere Wahlkampf-Auftritte des Ehepaars Steinbrück. Generalsekretärin Andrea Nahles jubelte regelrecht. „Die Frau ist eine echte Granate.“

Von Arnold Petersen

Kultur Expertentreffen in Hannover - Das ist (k)ein gutes Bild!

„Was ist ein gutes Bild?“ Dieser Fragen haben sich Experten in Hannover gestellt. Bei dem Treffen, das die  Hochschule Hannover und die Deutsche Gesellschaft für Photographie organisiert haben, schlugen sie überraschend Brücken zwischen Profis und Amateuren.

Daniel Alexander Schacht 16.06.2013
Kultur „Nathan der Weise“ in Bad Hersfeld - Der Klassiker bleibt brandaktuell

Der Literatur-Klassiker „Nathan der Weise“ ist mehr als 200 Jahre alt. Für die Bad Hersfelder Festspiele hat das Manifest der Toleranz einen frischen Anstrich bekommen. Für Regisseur Freytag hat der Stoff nichts an Aktualität eingebüßt.

16.06.2013
Kultur Niedersächsisches Freilichttheater - Gandersheimer Domfestspiele sind eröffnet

Mit dem Musical „Cabaret“ sind die 55. Gandersheimer Domfestspiele eröffnet worden. Seit vergangener Spielzeit werden sie von Intendant Christian Doll geleitet – und der will neue Akzente setzen.

Ronald Meyer-Arlt 15.06.2013