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Kultur Opernhits unter freiem Himmel
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00:20 20.07.2015
Von Stefan Arndt
Joseph Calleja - ein Tenor wie aus dem Bilderbuch. Quelle: Philipp von Ditfurth
Hannover

Was für ein Beginn! Gleich die ersten Takte von Verdis Ouvertüre zu "Die Macht des Schicksals" machen deutlich, dass man es hier mit mehr zu tun hat als einer Aufführung der beliebtesten Opernhits unter freiem Himmel.

So elegant und doch sehnig hört man Verdi auch von versierten Opernorchestern - die Radiophilharmonie ist ja eigentlich im Konzertrepertoire zu Hause - längst nicht immer. Wie selbstverständlich gehen die Musiker auch mit schwerem Gerät wie einer Kontrabassposaune um, und nie unterliegt die Präzision einem unmäßigen Vibrato. So stimmt dieses Vorspiel perfekt auf einen Abend ein, bei dem unterm Sternenhimmel vor allem die Stars des internationalen Opernbetriebs leuchten sollen.

Der Tenor Joseph Calleja ist an diesem Abend der größte von ihnen. Tatsächlich erfüllt der in Malta geborene Sänger, den Moderatorin Julia Westlake als den "Caruso des 21. Jahrhunderts" vorstellt, die Erwartungen, die man an berühmte Opernsänger haben kann, sobald er die Bühne betritt: Kusshände für Partner und Publikum und einladend ausgebreitete Arme - ein Tenor wie aus dem Bilderbuch. Stimmlich bleiben allerdings in seiner ersten Arie aus dem "Maskenball" einige Fragen offen. Man hört kleine Unsauberkeiten und wenige geschmeidige Wechsel in das tiefe Register, während die Höhe ein wenig angestrengt klingt.

Dass man das überhaupt so gut wahrnehmen kann, ist aber zweifelsfrei ein Verdienst der Tontechnik, die fast alle der gewaltigen Probleme, die verstärkte Aufführung im Freien mit sich bringt, souverän löst.

So ist es auch gut zu hören, wenn der zweite Star des Abends die meisten Erwartungen sogar noch übertrifft. Die amerikanische Sopranistin Angel Joy Blue hat noch nicht einen ganz so großen Namen wie Calleja, aber lässt keinen Zweifel daran, dass sich das ändern wird. Ihre Stimme ist groß und auch ein wenig wild, sie singt kraftvoll und doch stets koloratursicher. Ihre leisen, nachdenklichen Noten haben eine Intensität, die auch ein hartnäckig aufbrausender Automotor nicht stören kann. Am Bemerkenswertesten aber sind ihre herausgeschleuderten Spitzentöne: Sie klingen so direkt und aus dem Herzen kommend, dass man die Seele der Sängerin zu hören meint. Das reißt das Publikum vor der Bühne und die rund 10 000 Zaungäste im Maschpark zum ersten wirklich großen Begeisterungssturm hin. Es gibt also einen Grund mehr, sich auf die Opernaufführung am Sonnabend zu freuen: Joy wird dann noch einmal mit von der Partie sein.

Kein Wunder, dass auch Calleja von diesem Gesangszauber mitgerissen wird. Spätestens in der ersten Puccini-Arie (aus "Tosca", dem Erfolgsstück des vergangenen Jahres) kann man auch seine lyrisch getönte Stimme genießen. Der Tenor ist kein Kraftprotz wie manche berühmten Vertreter seines Fachs, sondern ein sensibler Gestalter, der die Töne gerne ins Nichts ausklingen lässt und feinsinnige Abstufungen liebt.

Beeindruckend differenziert und taktsicher angesichts der erheblichen Entfernung zur Hauptbühne präsentieren sich auch die hannoverschen Chöre: Der Mädchenchor und der Johannes-Brahms-Chor wurden von ihrer Leiterin Gudrun Schröfel hörbar gut vorbereitet und machen mit hymnischen Verdi-Chören auch im Kreis einer internationalen Opernelite, zu der hier noch der norwegische Bassist Yngve Soberg gehört, eine gute Figur.

Nach einem solchen, bei zunehmender Dunkelheit immer begeisterter aufgenommenen Konzert unter der Leitung der Dirigentin Keri-Lynn Wilson möchte man die Open-Air-Konzerte künftig eigentlich nicht mehr missen. Die Stimmung im Park entspricht am Ende der musikalischen Qualität: dreifach hoch.

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