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Kultur Zombietheater mit starken Soundeffekten
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08:05 16.02.2015
Von Ronald Meyer-Arlt
Hat das zweite Gesicht: Jonas Steglich als Schüler Törleß. Quelle: Karwasz
Hannover

Ganz sicher scheint man sich am Schauspiel Hannover nicht zu sein, was man dem Publikum eigentlich anbietet: „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß von Robert Musil“ steht auf der Eintrittskarte, wohingegen auf dem Programmzettel „Die Verwirrungen des Zöglings Törleß nach Robert Musil“ zu lesen ist. Der Programmzettel trifft es genauer.

Alle Figuren tragen meist Masken, die ihren Gesichtern jede Individualität rauben, die Schüler des Internats sind in Schuluniformen gekleidet, wie sie auch Angus Young von AC/DC auf der Bühne gern trägt. Dieses Masken- und Uniformentheater wird ergänzt durch zweidimensionale Requisiten aus Pappe (was einige nette Ballsportszenen beim Sportunterricht ergibt) und durch erheblichen Einsatz von Video. Die Regisseurin packt den Roman hart an und macht etwas sehr Grelles daraus. So ein energischer Zugriff ist für eine Bühnenadaption vielleicht ganz richtig, denn der Roman war ja schon Schullektüre, und auch Volker Schlöndorffs Verfilmung „Der junge Törless“ aus dem Jahr 1966 hat die Rezeption geprägt. Dem kann das Theater durchaus etwas Eigenes entgegensetzen.

Man traut sich was. Mit einem gewissen Zeigestolz hat man die Sache höhergelegt. Die Spielfläche auf der Cumberlandschen Bühne ruht auf brusthohen Stelzen (Bühne: Tine Becker). Im Bühnenboden ist eine Klappe eingelassen, wer die öffnet, kann in die Hölle schauen. Hier unten ist eine Art Karzer eingebaut, ein Kubus aus bekritzelter Plastikfolie, in dem der Schüler Basini (Mathias Spaan) von seinen Mitschülern Beineberg (Hagen Oechel) und Reiting (Philippe Goos) gepeinigt wird. Der junge Törleß (Jonas Steglich) bleibt eher Zuschauer. Die Folterszenen werden per Video auf die Bühne übertragen. Im Theater wird der Schüler noch stärker gequält als im Roman. Am Ende treten die Sadisten in blutigen Fleischerschürzen auf die Bühne. Allein: Diese Ausstellung des Grauens macht es nicht schlimmer, sondern harmloser.

Weitere Vorstellungen

20. und 22. Februar.

Musil hat hier die Geschichte einer psychischen Folter erzählt. Davon erzählt Claudia Bauers Inszenierung nur wenig. Das bleibt hinter den Masken verborgen. Groteske bis zirzensische Inszenierungen wie diese (von denen es am Schauspiel Hannover ja einige gegeben hat) haben den Nachteil, dass man so schnell weiß, wie es geht. Wie in Zeitlupe bewegen sich die Schauspieler in einer vom Tanztheater entlehnten  Schrittfolge immer wieder über die Bühne. Wenn man die Schritte kennt, muss man nur noch abwarten, bis die Sequenz zu Ende ist. Nichts Neues wird mehr kommen. Man gewöhnt sich schnell an das Spiel der Zombies.

So ging es wohl auch einem Kollegen aus dem Ensemble, der als Zuschauer da war. Ein sanftes Glimmen von seinem Sitzplatz ließ erkennen, dass er öfter mal mit seinem Smartphone beschäftigt war. Ihn vermochte das Spiel offensichtlich nicht zu fesseln.

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