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Kultur Mittwoch Theater zeigt „Die Grönholm-Methode“
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12:01 01.12.2015
Von Wiebke Ramm
Bewerber oder Personaler? Niemandem ist hier zu trauen. Quelle: Seeck
Hannover

Drei Männer und eine Frau haben es in die letzte Bewerbungsrunde für eine Stelle im Topmanagement eines multinationalen Konzerns geschafft. In einem Raum im Mondrian-Design (Bühnen-Idee: Marita Bading und Jörg Lange) werden sie aufeinander geworfen. Sie müssen Aufgaben lösen, deren Sinnhaftigkeit sie nicht infrage zu stellen haben, gilt es doch, die anderen auszustechen. Dafür machen sie sich buchstäblich zum Clown, sie gehen über Leichen, verlieren alle Hemmungen. Sie wissen, sie stehen unter permanenter Beobachtung. Sie wissen auch, einer von ihnen spielt falsch, ist nicht Bewerber, sondern Mitarbeiter der Personalabteilung. Mindestens einer. Niemandem ist zu trauen.

Jeder wird jederzeit überwacht. Der Überwacher aber verbirgt sich. So wird er überflüssig, weil sich der Einzelne im bloßen Wissen der Überwachung selbst überwacht. Schon die Auswahl des Sitzmöbels kann da entscheidend sein. Der begehrteste Stuhl auf der Bühne ist das Modell „Pole Position“. Das Modell „Zierlich“ hingegen wird von den angehenden Topmanagern eher gemieden.

Der Mensch als Bewerber hat sich zu entblößen. Carlos Bueno (Joachim Meyer) wird als transsexuell, Enrique Font (Till Büthe) als depressiv geoutet, Fernando Porta (Frederic Oberheide) outet sich selbst als „Arschloch“, und Antonia Degas (Daniela Glausch) verliert ihren Ehrgeiz auch im Angesicht des Todes ihrer Mutter nicht. Würden Sie diese Menschen einstellen?

Es ist ein Spiel mit doppeltem Boden, das den Schauspielern einiges abverlangt (Regie: Jörg Lange). Till Büthe und Frederic Oberheide beherrschen die Wandlungen besonders eindrucksvoll. Sieht der Zuschauer in Font alias Büthe erst den Loser, nimmt er ihm kurz darauf auch die Führungskraft, dann den Fiesling ab. Beeindruckend ist auch das Spiel von Oberheide. Zunächst scheint seine Rolle eindeutig: eiskalter Karrierist, frei von Selbstzweifeln, frei von Mitgefühl. Mit einem Monolog gelingt es ihm, dem Zuschauer vom Gegenteil zu überzeugen – um auch diesen Eindruck binnen Sekunden wieder zu zerstören.

Autor Jordi Galceran nennt das Stück eine Komödie, tatsächlich ist es ein Psychodrama – wenn nicht ein Psychothriller, der den Zuschauer das Fürchten lehrt. Wer bislang noch keine Angst vor Psychologen hatte, bekommt nun Gründe dafür geliefert. Man erinnert sich: Sind es nicht Psychologen, die seit jeher an der Optimierung von Foltermethoden mitwirken? „Die Grönholm-Methode“ ist Theater, wie es sein soll: Die gesellschaftlichen Verhältnisse werden entlarvt. Trotzdem darf gelacht werden.
Bis zum 19. März, nächste Vorstellungen am 2., 9., 12. und 16. Dezember. Karten gibt es unter Telefon (05 11) 45 62 05.     

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